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Das müssen Gläubige über Heilige Messen im Fernsehen und Internet wissen

Gottesdienste in Corona-Zeiten : TV-Sendung kommt Mess-Besuch nahe

In der katholischen Kirche gilt das Sonntagsgebot. Doch in der aktuellen, schwierigen Situation sei für viele Gläubige auch ein Gottesdienst im Fernsehen das Mittel der Wahl, meint der Experte des Bistums.

Seit einiger Zeit ist es auch in Kevelaer wieder möglich, Gottesdienste mit Besuchern zu feiern. Gleichzeitig empfehlen die Verantwortlichen des Wallfahrtsbüros aber den Gläubigen, weiterhin vorsichtig zu sein. Wer zur Risikogruppe gehöre, sollte auch weiterhin das Angebot in Anspruch nehmen, die Gottesdienste daheim vor dem Fernseher oder im Internet zu verfolgen. Gottesdienste aus der Basilika werden weiter übertragen. Zudem ist auch nicht Platz für so viele Besucher wie sonst. Daher verfolgen einige die Gottesdienste weiter am Bildschirm.

Für manche Gläubige stellt sich die Frage, wie „gültig“ sind Gottesdienste vor dem Fernseher? Schließlich gibt es für katholische Christen die so genannte Sonntagspflicht. Mathias Albracht, Pastoralreferent und in der Abteilung Medien- und Öffentlichkeitsarbeit des Bistums Münster zuständig für die Verkündigung im Rundfunk, im TV und in den Sozialen Medien, hat für unsere Redaktion die wichtigsten Fragen dazu beantwortet.

Mathias Albracht ist Pastoralreferent und in der Abteilung Medien- und Öffentlichkeitsarbeit des Bistums Münster zuständig für die Verkündigung im Rundfunk, im TV und in den Sozialen Medien. Foto: ja/Bistum Münster

Was bedeutet Sonntagspflicht? Die Sonntagspflicht regelt das Kirchenrecht (unter den Canones cc. 1244 und 1248 CIC/1983). Darin steht, dass die Katholiken, sollten sie nicht durch schwerwiegende Gründe verhindert sein, am Sonntag an einer Eucharistiefeier teilnehmen sollen. Schwerwiegende Gründe können jedoch dazu führen, dass diese Canones durch Dispens (Can. 87 CIC/1983) außer Kraft gesetzt werden. Canon 87 ermöglicht dem Ortsbischof, seine Gläubigen zu deren Schutz von Regelungen und Pflichten zu dispensieren. Dies ist nun seit einigen Tagen der Fall, indem die Bischöfe bundesweit die Gläubigen von der Sonntagspflicht dispensiert haben.
Welchen Wert hat ein Radio- oder Videogottesdienst? Eine Teilnahme an einem Radio- oder Videogottesdienst hat nach bisheriger kirchlicher Auffassung bisher nicht genügt, um die Sonntagspflicht zu befriedigen. Unter anderem formulierte noch Papst Benedikt sinngemäß, dass die physische Teilnahme am Gottesdienst in „Echtzeit“ dafür erforderlich sei. Aus Gründen der Gesundheit und Prävention verzichten viele in Coronazeiten gezwungenermaßen auf den Messbesuch. Eine Übertragung, zumal live, ist das, was einem Messbesuch am nächsten kommt und somit in der aktuellen Situation das Mittel der Stunde. Bischof Felix Genn empfiehlt in diesem Kontext, „geistlich zu kommunizieren“, eine alte Praxis, die in ihrer Wurzel aus der Zeit kommt, als man nur einmal im Jahr zur Kommunion ging. Das war bis ins späte 19. Jahrhundert so. „So vollzieht man das Geschehen der Messe, das Herauftragen der Bitten und Opfer zu Gott, die Wandlung der Gaben und ihre Rückkehr als Gottes Segen und Gnade zumindest im Herzen – und mit der Gabe der Herzen – mit“, so Albracht.

Im Live-Kontext, und gerade wenn der feiernde Priester um viele Zuschauer und deren Anliegen weiß, wird die Messe so medial erweitert und zu einem liturgischen Akt vieler in Echtzeit, dem ein Priester am Altar vorsteht.

Was ist, wenn ich mir eine aufgezeichneten Gottesdienst anschaue? Das Anschauen einer aufgezeichneten Messe ist kein solches Geschehen in Echtzeit, sondern ähnlich wie ein Rosenkranz eine Frömmigkeitsübung, die allerdings nicht weniger aufrichtig oder gewinnbringend sein muss. Auch hier kann man das Motiv der Wandlung als gnadenvolles Handeln Gottes im Leben der Menschen nachvollziehen. Allerdings fehlt hier der Aspekt, dass man Teil einer real Messe-feiernden Gemeinde wäre, deren Gebete in Echtzeit in Brot und Kelch Gott dargebracht werden. Deswegen die Unterscheidung.

Was raten Sie? In der aktuellen Situation gilt aus meiner Sicht: Alles, was jetzt geistlich hilft und Halt gibt, ist gut. Auch Papst Franziskus hat seit Beginn der Ausgangssperren in Italien die Messe alleine in der Casa Santa Marta gefeiert und diese übertragen lassen. „Als Priester hat er dabei auch die Rolle des Stellvertretenden der Gemeinde am Altar inne, gleichzeitig weiß er um seine Gemeinde, deren Bitten er vor Gott trägt, auch für diejenigen, denen die Worte des Gebets versagen. In dieser Sache ist er mehr Stellvertreter des Volkes“, erläutert der Mann vom Bistum.