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Das Mittelalter wird in Achterhoek lebendig

Achterhoek : Das Mittelalter wird in Achterhoek lebendig

Es gab auf traditionellen Feuerstellen zubereitetes Fleisch, Kräuterkunde und noch viel mehr.

Eine besonders gemütliche Atmosphäre gab es beim etwas versteckt liegenden Mittelalterfest, das mit 13 Gruppen und gut 50 Aktiven die Besucher anlockte. Die Idee entstand durch die Landpartie 2016. „Denn damals hatten wir vier, fünf Leute, die nachts im Zelt Wache hielten, 2017 waren es schon mehr, und da dachten wir, dass wir auch gerne ein richtiges Fest machen sollten“, erklärte Rainer Verhülsdonk, Vorsitzender des Vereins „Natur und Kultur in Achterhoek“, der das Event auch organisierte. „Seit Januar haben wir geplant. Eigentlich hätten wir auch mehr als 30 Gruppen haben können, da ganz viele anmelden wollten, aber aus Platzgründen ging das einfach nicht.“

Das bewusst klein gehaltene Miteinander war Teil des Konzepts: „Die großen Lager sind immer kommerzieller, das ist auch kein Problem, doch wir wollten das Ganze einfach familiärer halten“, verriet Verhülsdonk. „So lange wir schwarze Zahlen schreiben, ist alles ok. Wir haben auch kein richtiges Programm, sondern jeder macht das, was er mag. Für die Musik sorgt das Duo ‚Hopfenfreunde‘, die immer mal wieder spielen.“
Im alten Ofen gefertigter Flammkuchen und feines Fleisch, Kräuterexperten, Korbflechter und etliche weitere Handwerker sowie Experten waren vor Ort und machten das Lager lebendig. Anja und Mike Müller aus Recklinghausen färbten zum Beispiel wie in alten Tagen: „Hier haben wir eine Birkenfärbung in gelb, die wir dann durch ein Bad in Erzsulfat dunkelgrün bekommen haben“, meinte Mike Müller und hielt stolz seine Arbeit hoch. „Wir sind fasziniert vom Handwerk und wollen es den Leuten näherbringen.“

Die Atmosphäre war einfach nur fantastisch: „Der Zusammenhalt hier ist sehr schön. Man kennt sich schon länger und trifft bei solchen Veranstaltungen ja immer die gleichen Menschen“, so Carina Meyer aus Bottrop. „Hier gibt es kein Internet, kein Handy oder Fernsehen. Man sitzt zusammen am Lagerfeuer, singt und hat seinen Spaß. Ich bin erst seit etwa zwei Jahren mit dabei und man rutscht eben so herein. Erst möchte man eine eigene Gewandung, also ein eigenes Kleid, dann geht man zu immer mehr Lagern und lernt natürlich auch immer mehr Leute kennen.“

Die Gruppen heißen „Freie Niederrheinische Bogenschützen“ und „Freye Wölfe von Caternberg“. Das verbindende Element dabei ist ganz klar: die Freiheit. Das bewusste Herausnehmen aus dem hektischen Alltag, wenn auch nur für ein paar Tage. „Wenn es richtig schön war, sitzt man dann Montag wieder im Büro und fragt sich erst einmal: ‚Wie war das nochmal das Passwort?‘“, erzählte Marion Übersohn aus Kevelaer. „Es ist bei solchen Mittelalterfesten richtig gemütlich und wenn man sich einmal darauf einlässt, will man das auch nicht mehr missen.“