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Kevelaer: Das macht ein "Pfarrer auf Probe"

Kevelaer : Das macht ein "Pfarrer auf Probe"

Florian Hankwitz unterstützt die evangelische Kirchengemeinde in Kevelaer. Er erzählt, warum er sich für den Beruf entschieden hat, spricht über die hohe Frauenquote und rosige Zukunftsaussichten.

Am Wochenende wagt Florian Hankwitz den entscheidenden Schritt. Dann wird der 37-Jährige seine Ordination in einem Gottesdienst feiern. Aber schon vorher darf er taufen oder Menschen verheiraten. "Weil es begleitet ist", erklärt die evangelische Pfarrerin Karin Dembek.

Florian Hankwitz ist Pfarrer im Probedienst bei der evangelischen Kirchengemeinde in Kevelaer. "Bei mir hieß das noch Hilfsdienst", blickt Karin Dembek auf die Zeit ihrer eigenen Vorbereitung zurück. Und Hilfsdienst drücke auch ganz gut aus, worum es gehe: eine Hilfe für die Gemeinde sein, Unterstützer. Hankwitz hat vor allem die Kinder- und Jugendarbeit als sein Arbeitsfeld entdeckt. Am 11. März startet um 10 Uhr der Kinderbibeltag, am 19. März wird es um 16 Uhr einen Jugendgottesdienst geben. "Das Presbyterium möchte das auch gerne, weil wir viele junge Familien haben", sagt Karin Dembek.

Zwei Jahre dauert der Probedienst von Florian Hankwitz, nach anderthalb Jahren kann er sich auf eine ausgeschriebene Stelle bewerben. "Die Zukunftsaussichten sind gut", sagt die Pfarrerin. "Der Nachwuchs ist nicht so groß", weiß auch Hankwitz. "Es gibt eine unheimliche Nachfrage." Auf der anderen Seite gehe die Zahl an Gemeindemitgliedern zurück. "Du wirst dich auf völlig veränderte Gemeindeformen einstellen müssen", sagt Karin Dembek ihrem Pfarrer im Probedienst und wagt einen Blick in die Zukunft. "Es wird über die Gemeindegrenzen viel mehr zusammengearbeitet werden müssen." Und noch etwas ist anders. Es gibt deutlich mehr Frauen in dem Beruf als früher. Ob er als Mann da ein Exot sei? Hankwitz lacht. Beim Studium seien tatsächlich viele junge Frauen gewesen. Pfarrerinnen arbeiten mittlerweile nicht nur in Kevelaer, sondern auch in Geldern, Kerken und Issum. "Ich war hier im Umfeld die erste Frau, 1998", sagt Dembek.

Wie ist das denn nun als Pfarrer im Probedienst? Dürfe er Fehler machen? Hankwitz überlegt. "Die Fehler sollte man schon im Vikariat gemacht haben", sagt er. Das Vikariat ist eine praktische Zeit noch vor dem Probedienst. Zu vergleichen wäre das etwa mit dem Referendariat von Lehrern.

Jura oder Journalistik, diese Berufsfelder hätte er sich auch vorstellen können, sagt der Pfarrer im Probedienst. "Es war ein langer Weg zum Theologiestudium." Erst habe er zwei Semester Jura ausprobiert, parallel dazu Lehramt. "Ich hatte den Eindruck, dass ich gut mit Menschen kann, mit verschiedenen Menschentypen, unterschiedlichen Altersgruppen." Mit dem Lehramtsstudium kam auch Theologie. "Da war ich Feuer und Flamme für Dietrich Bonhoeffer", erinnert er sich. Danach sei die Entscheidung schnell gefällt worden für den Beruf des Pastors. "Letztendlich hat der Pfarrberuf mich gefunden", drückt es Hankwitz aus.

Aber dann gab es eine unfreiwillige Unterbrechung. "Zwei Jahre war ich ganz raus", sagt der 37-Jährige. Diagnose: Hirntumorerkrankung. "Ich habe den Glauben von der anderen Seite kennen gelernt", sagt er heute. "Das hat meinen Glauben sehr vertieft." Karin Dembek glaubt, dass ihn das auch in seinem Beruf als Pastor weiter bringt. Sein Einfühlungsvermögen in Personen, die in schwierigen Lebenslagen sind, sei ein anderes. "Er wird Floskeln vermeiden, weil er selber erlebt hat, was solche Worte mit einem machen", sagt die Pfarrerin.

In Kevelaer hat Hankwitz nicht nur seine Leidenschaft für Fußball wiederentdeckt (er spielt selber und mag den 1. FC Köln) . Am Miteinander in der Marienstadt schätzt er die Ökumene. "Ich bin ökumenisch groß geworden. Ich habe in einer katholischen Jugendband gespielt, Gitarre", gibt er ein weiteres Talent preis.

Aber als nächstes werde er sich erst einmal hinsetzen und an seiner Predigt für Sonntag feilen. Der Gottesdienst mit seiner Ordination ist am Sonntag um 14.30 Uhr, der Gottesdienst um 11 Uhr fällt aus. Die Ordination nimmt Pfarrer Hans-Joachim Wefers, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Kleve, vor.

(RP)