Das ambulante Wohnen als Chance in Kevelaer

Soziales in Kevelaer : Das ambulante Wohnen als Chance

Charlotte Bordewitsch kam von Detmold nach Kevelaer und ist hier inzwischen heimisch geworden. Das liegt auch daran, dass sie im Alltag unterstützt wird, aber gleichzeitig selbstständig leben kann.

Wer wissen will, wo die netten Ecken in Kevelaer sind, welche Ziele sich wirklich lohnen und warum es in dem kleinen Wallfahrtsort so schön ist, der muss nur Charlotte Bordewisch fragen. Sie ist Kevelaererin mit Herz und Seele. Dabei lebt die 38-Jährige noch gar nicht so lange hier. „Aber ich kenne die Stadt wie meine Westentasche“, sagt sie. Vor sechs Jahren zog Charlotte Bordewisch von Detmold nach Kevelaer und fand am Niederrhein ein neues Zuhause.

Wie schön Kevelaer ist, hört sie zudem jeden Tag. Sie arbeitet im „Klostergarten“, dem barrierefreien Hotel in der Stadt, in dem Menschen mit und ohne Behinderung beschäftigt sind.

Charlotte Bordewisch gehört zum Housekeeping-Team: „Staubsaugen, putzen, wischen, bei Bedarf die Betten beziehen“, zählt sie ihre Aufgaben auf. 29 Zimmer hat das Hotel, „die sind immer gut gebucht“. In der Regel beginnt ihr Dienst um 9 Uhr im „Klostergarten“, dann liegt die Liste schon bereit, welche Zimmer wie gemacht werden müssen. Für Charlotte Bordewisch und ihre Kolleginnen und Kollegen werden die Gäste in drei Kategorien geteilt: Bleiber, Anreiser und Abreiser. Wer in einem Hotel arbeitet, sollte flexibel sein. „Es sind keine festen Zeiten, sondern man muss arbeiten, wie man gebraucht wird.“ Übrigens auch an den Wochenenden und an den Feiertagen.

 Zum Glück hat Charlotte Bordewisch es nicht weit zur Arbeit. Ihre kleine Wohnung liegt unmittelbar neben dem Hotel. „Ich kann direkt auf die Zimmer 11, 12 und 14 schauen“, lächelt sie. Charlotte Bordewisch lebt im so genannten Ambulant Betreuten Wohnen, unterstützt wird sie im Alltag von Christine Bielen vom LVR-HPH-Netz Niederrhein. Charlotte ist sehr selbstständig und vor allem gut organisiert. Gegen acht Uhr steht sie auf, nach dem Dienst stehen Ausruhen, Duschen und Haare waschen auf dem Programm, außerdem kocht sie gerne und so gibt es abends immer etwas Leckeres zu essen.

Den Fernseher schaltet vor allem dann ein, wenn Fantasyabenteuer wie „Herr der Ringe“ oder „Harry Potter“ laufen, aber es darf auch ein guter Horrorfilm laufen. Mit Freunden geht sie ins Kino, zum Kegeln und zum Reiten, und sollte noch Zeit bleiben, muss Charlotte Bordewisch nur auf die Liste schauen, die sie sich für ihre Hobbys gemacht hat: Musik, Sudoku, Spielen, Malen, Lesen, Schreiben. Außerdem müssen nicht nur die Hotelzimmer, sondern auch die eigenen vier Wände geputzt werden.

 Dass Charlotte Bordewisch vor sechs Jahren von Ostwestfalen an den Niederrhein zog, hatte seinen Grund. In Detmold arbeitete sie in einem Café, in dem wie im „Klostergarten“ Menschen mit Behinderung beschäftigt werden. Aber die Bedingungen seien nicht so gut gewesen wie in Kevelaer. Ihr Vater habe ihr geraten, sich etwas Neues zu suchen.

Der Niederrhein lag gedanklich nahe, in Geldern lebt nämlich Charlottes Schwester mit ihrer Familie. Und dass Tante Charlotte regelmäßig ihren Neffen Jan besucht, versteht sich von selbst.

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