Kevelaer: CDU Kevelaer: 55 Prozent für Selders

Kevelaer : CDU Kevelaer: 55 Prozent für Selders

Es war weit nach 22 Uhr, als feststand: Die CDU Kevelaer macht bis zur Neuwahl 2014 mit Thomas Selders (71 von 129 Stimmen) weiter. In einer Kampfabstimmung unterlag Michael Machalewski, der 52 Stimmen auf sich vereinte.

Die Wahl des Vorsitzenden war gestern am späten Abend vielleicht nur das zweitwichtigste Ereignis. Noch relevanter waren die zahlreichen mahnenden und zur Mäßigung aufrufenden Wortbeiträge vornehmlich im guten Sinne "alter" Parteigänger. Viele haben in den vergangenen Wochen und Monaten erkannt, dass da einiges schief läuft in Kevelaers Mehrheitspartei. Und dass das "C" Gefahr läuft, auf der Strecke zu bleiben. Einig darüber zu sein, dies verhindern zu müssen, ist schon ein Gewinn. Der jetzt sehr mühevoll mit Leben gefüllt werden muss.

Ein Abend voller Emotionen war's: Zunächst gab es den Antrag auf komplette Neuwahl des Vorstandes — abgelehnt (durch Abstimmung) wie schon die Vorgänger-Anträge. 26 der 129 stimmberechtigten Mitglieder hätten darüber gerne geheim abgestimmt. Da dafür jedoch ein Viertel der Stimmen nötig gewesen wäre, gab es keine geheime und auch keine komplette Vorstandswahl. Thomas Selders erläuterte den Mitgliedern, was in den Monaten seit Beginn der Fax-Affäre geschehen sei und warum er sich wie verhalten habe. Neues brachte er dabei nicht zur Sprache.

Unter dem Tagesordnungspunkt "Aussprache" trat dann Frank Wackers ans Mikrofon. Sichtlich mitgenommen stellte er fest, dass Selders' Distanzierung von dem Vorwurf, das Fax abgeschickt zu haben, immer sehr halbherzig geklungen habe. Die Sache habe ihm und seiner Familie sehr geschadet. Wackers erinnert daran, dass die eigentlichen Gegner der CDU doch die anderen Parteien seien. Und betonte zum Schluss: "Ich habe keinen Anlass, Thomas, mich bei Dir zu entschuldigen."

Die Fronten so zementiert zu haben erboste Sprecher beider innerparteilichen "Fraktionen". Eindrucksvoll brachte seine Fassungslosigkeit über den Zustand der Partei Helmut Leurs zum Ausdruck. Der Lehrer und Diakon nannte "unchristlich, was hier abläuft"; ihm gehe es seit Tagen schlecht, und der Zustand habe sich während der Sitzung nicht gebessert. Paul Cleven erregte sich, der Absender des Faxes, das all dies verursacht habe, sei sicher im Saal vertreten und möge sich zu erkennen geben. Dr. Edmund Bercker bestätigte ebenso, noch immer "ein ganz mieses Gefühl" zu haben und verlangte, dass Selders und Wackers aufeinander zugehen und sich die Hände reichen mögen. Auch Hansgerd Kronenberg, zum Versammlungsleiter berufen, verlangte eine Kehrtwende, nannte Alleingänge in der Partei abwegig und bat darum, sich auf die Grundlage der Christdemokraten zu besinnen. Wer das "C" beachte, stehe nie als Verlierer da.

Viel Prügel bezogen die zurückgetretenen Vorsitzenden, die in den Augen vieler Selders-Freunde mit unpassend harten Begriffen gearbeitet hätten. Und dann die an die Presse weitergeleiteten "internen" Briefe — auch sie haben viele CDU-Leute empört. Jürgen Aben, bis vor kurzem Selders' Stellvertreter, berief sich bei seiner Forderung nach einem Neuanfang auch auf die klaren Worte des Kreisvorsitzenden Dr. Günther Bergmann. Jetzt wird der Neuanfang von Selders verlangt — er ist der Vorsitzende.

(RP)
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