BSG Kevelaer feiert 50-jähriges Bestehen

Behindertensport in Kevelaer : 50 Jahre sanftes Training

Aus der Versehrten-Gruppe wurde im Laufe der Jahre die „BSG Kevelaer“. Geblieben sind der Sportsgeist und das starke Gemeinschaftsgefühl. Mittlerweile gibt es auch eine Herzsport- und Schlaganfallgruppe.

Die Zeitungsberichte überschlagen sich mit Lob für das sportliche Engagement. „Kevelaer schlug alle Gegner“ heißt es zum Beispiel 1974. Beim Sitzball-Pokalturnier des Bezirks Niederrhein hatte die Versehrten-Sportgemeinschaft aus der Wallfahrtsstadt die Nase vorn.

Sportliche Wettbewerbe standen damals hoch im Kurs, weiß Hanni Lutz. Sie ist Abteilungsleiterin Reha bei der Behinderten-Sport-Gemeinschaft Kevelaer und blättert mit der Vorsitzenden des Vereins, Angelika Ripkens, in dem Foto-Ordner, der 50 Jahre Geschichte enthält. Die Zeiten, als der Verein „Versehrten-Sportverein“ hieß, sind vorbei, aber damit fing alles an.

Am 19. April 1969 trafen sich elf Kriegsversehrte zur Vereinsgründung im Hotel „Drei Könige“. Am 9. Juni zählte der Verein bereits 23 Mitglieder und man traf sich im „Haus Klinkenberg“.

Bis 1977 war der Verein Männersache. 1976 kam von Adele Kühnen die Anregung, auch Frauen aufzunehmen. Ein Jahr später war es dann soweit. „Dafür haben die Frauen damals wirklich gekämpft“, macht Hanni Lutz deutlich. Wer einmal im Verein war, der blieb. Ein RP-Zeitungsartikel bescheinigte dem Verein bereits 1974: „Sportliches Können und guten Kameradschaftsgeist.“

„Ein Teilnehmer der ersten Stunde hat bis zum 90. Geburtstag mitgemacht“, erinnert sich Hanni Lutz. Die Jüngste, die heute zum Reha-Sport der BSG Kevelaer kommt, ist Mitte 40. Die Ursachen für die jeweiligen Bewegungseinschränkung sind heute andere als vor 50 Jahren. Manche Mitglieder haben durch ihre sitzende Tätigkeit im Beruf Bewegungseinschränkungen. „Ganz viele kommen zu uns nach den Reha-Maßnahmen, nach Operationen“, sagt Hanni Lutz. „So wie ich“, sagt die Vorsitzende der BSG Kevelaer. Um am Alltag schmerzfrei teilnehmen zu können, macht sie Reha-Sport nachdem sie zwei neue Hüftgelenke bekam.

„Bei uns ist der Sport sanfter, wir dürfen nur Hilfsmittel einsetzen, aber keine Geräte“, erklärt Hanni Lutz, was den Reha-Sport bei der BSG ausmacht. Trainiert wird in der Dreifach-Turnhalle und im Hallenbad Kevelaer. „Die Kurse sind rappelvoll.“ Es gibt Wartelisten. Immer gebraucht werden Übungsleiter. „Die Lehrgänge sind nicht ohne“, sagt Hanni Lutz. Wäre sie jünger, würde sie auch noch den Übungsleiterschein machen, sagt die 73-Jährige lachend. Aktuell gibt es vier Übungsleiter in der Reha-Abteilung. Und das ist auch gut so. „Jeder hat so seinen Schwerpunkt, so ist es immer abwechslungsreich“, sagt Hanni Lutz. „Jeder so gut und schnell wie er kann“, lautet das Motto für die Teilnehmer. „Du kannst auch mal einen schlechten Tag haben“, sagt Angelika Ripkens. Einen Erfolgsdruck gibt es nicht. Dafür viel Gemeinschaftssinn. „Das hat mir vom ersten Tag an gut gefallen“, sagt Hanni Lutz. Sie war 60 Jahre, als sie sich der Reha-Sport-Abteilung der BSG anschloss.

Der BSG hat noch zwei weitere Abteilungen. 1982 kam die Herzsportabteilung dazu. Sie hat aktuell 123 Mitglieder. Im Krankenhaus trifft sich außerdem die Neuro-Gruppe. Die ist für Menschen nach einem Schlaganfall die richtige Anlaufstelle. Aktuell hat sie 24 Mitglieder. Die Reha-Abteilung hat übrigens 98 Mitglieder.

So sang- und klanglos wolle man nicht das 50-jährige Bestehen der BSG-Reha Kevelaer vorbeiziehen lassen. Deswegen wird mit den Mitgliedern und geladenen Gästen am Samstag, 14. Dezember, im Rahmen der Jahresabschlussfeier ein Rückblick gestartet.

Die BSG Kevelaer ging aus der Versehrten-Sportgruppe hervor. Foto: BSG Kevelaer
Die Anfänge der BSG Kevelaer war die Versehrten-Sportgruppe. Es wurde nicht nur regelmäßig trainiert, sondern auch erfolgreich an Wettkämpfen teilgenommen. Foto: BSG Kevelaer

Dann werden auch die Schwarz-Weiß-Bilder aus dem Fotoalbum wieder hervorgeholt.