1. NRW
  2. Städte
  3. Kevelaer

Weeze: Botschafter aus Benin

Weeze : Botschafter aus Benin

Gestern hießen der Flughafen Weeze und die Initiatoren der Aktion Pro Humanität seine Exzellenz Isidore Bio willkommen. Der Botschafter bedankte sich für die starke Unterstützung der regionalen Hilfsorganisation.

Es regt sich nicht viel am frühen Morgen des Weezer Flughafens. Einige Passagieren sind gerade angekommen und schieben ihre Koffer zum Ausgang. Wenige von den Menschen, die vom leisen Rattern der Belüftungsanlagen ungestört den Flughafen verlassen, wissen von der verfrühten Ankunft des Botschafters von Benin, seine Exzellenz Isodore Bio. Über dem Hallenboden schweben lange Werbebanner. Eine der Fahnen macht stutzig. „Think black“ steht darauf, „Denke schwarz“. Den Hebel im Kopf umlegen, das scheint das Plakat zu suggerieren. Meditieren, das Licht ausknipsen. Und dann? Die Augen aufmachen und das Wesentliche sehen. „Wissen Sie, was das Gegenteil ist von Schwarzsehen?“ steht darüber. Worauf das Plakat hinaus will, darauf deutet die Spendenbox darunter, die die Aktion Pro Humanität aufgestellt hat. Es kann nützlich sein, zwischen Ankunft und Abflug, in der knappen Zeit, die dazwischen liegt, die andere Seite der Welt zu betrachten. Es bringt Distanz und Ausgeglichenheit, die schwarze Seite.

  • Geldern : Abschlussjahrgang spendet für Aktion pro Humanität
  • Uedem/Kevelaer : Unternehmerinnen spenden an Aktion Pro Humanität
  • Drei Kreuze aus Kevelaer : "Aktion pro Humanität" hilft Opfern religöser Übergriffe

Schwarzes Perestroikaland

Benin liegt im Herzen Westafrikas, grenzt im Norden an Burkina Faso und im Osten an Nigeria. Es gehört zu den 20 ärmsten Ländern der Welt. Im eigentlichen Sinne, so Dr. Elke Kleuren-Schryvers, Initiatorin der Aktion pro Humanität, ist Benin das erste schwarze Perestroika-Land. Seit 1993 fördert die Aktion Pro Humanität die medizinische und soziale Langzeitentwicklung Westafrikas. Der Botschafter, seine Exilenz Isodore Bio, dankte dem Engagement und der tatkräftigen Unterstützung der westlichen NGOs (Non-Gouvernmental-Organisations). Ohne die Arbeit und die Medienwirksamkeit blieben die Bedingungen, unter denen viele Kinder in Benin leben müssen, den westlichen Ländern unbekannt. Ein großer Beitrag dazu ist auch das neu erschienene Buch „Kinderleben in Afrika“ von Elke Kleuren-Schryvers. Wichtig seien nun die positiven Erfolgsgeschichten, um die Kooperation zwischen den Ländern zu verstärken und keinem Afrikapessimismus anheimzufallen. „Wir verlieren dann einen konkreten Menschen auf der anderen Seite“, sagt Kleuren-Schryvers.

Herausforderung Aids

Die größte Sorge Benins sei die Situation der Kinder. Um der Ausbreitung von Aids entgegenzuarbeiten, sind nun Medikamente gegen Aids frei zugänglich und kostenlos. Das wirkungsvollste Mittel sei die Prävention, sagt der Botschafter. Freie Bildung sei die beste Möglichkeit, den Menschen Benins klar zu machen, wie notwendig eine Veränderung des Verhaltens ist. „Die Menschen müssen ihre Gewohnheiten ändern“, sagt Isodore Bio. Um die Entwicklung des Landes weiter zu fördern, sei die Bildung von Schulen und die Umwandlung privater Schulen in öffentliche unabdingbar. 100 000 Kinder erhalten nun eine Grundschulausbildung. Demokratie, politische Stabilität, die Ausbildung von Lehrern und Ärzten und eine funktionierende Infrastruktur seien weitere Entwicklungsschritte.

(RP)