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Kreis Kleve: Die Kandidaten (5): Bodo Wißen (SPD): Über Nacht im Landtag

Kreis Kleve: Die Kandidaten (5) : Bodo Wißen (SPD): Über Nacht im Landtag

Auch Bodo Wißen selbst war vor fünf Jahren etwas überrascht, als er von einem Tag auf den anderen plötzlich für die SPD im Landtag vertreten war. Die Zeit hat der Halderner genutzt, um sich politisch zu positionieren.

Ob er sich verändert hat? "Das müssen andere beurteilen. Ich denke, dass ich der gleiche geblieben bin", sagt Bodo Wißen. "Das war alles Neuland für mich", sagt er. Neuland, in das er sich erst einfinden musste. "Aber ich möchte keinen Tag missen. Politik selbst gestalten zu können ist ein Geschenk, das musst du dir immer wieder bewusst machen."

Einen Riesenspaß mache ihm die Arbeit, bei der aber auch ein Teil der Unbekümmertheit des Landtagneulings auf der Strecke blieb. "Natürlich lernst du im Laufe der Zeit auch deine Begrenztheit kennen. Wenn da jemand in der Sprechstunde zu dir mit seinem Problem kommt und du merkst, dass du nicht direkt helfen kannst", sagt Wißen. Trotzdem dranbleiben, nachhaken, viele Hebel in Bewegung setzen und Kontakte knüpfen, das seien die Möglichkeiten des Politikers, um auch in der Begrenztheit eines Oppositionspolitikers Einfluss zu nehmen.

Vor der aktuellen Wahl ist Bodo Wißen jetzt in der Zwickmühle. Der Landtagsabgeordnete muss eigentlich darauf hoffen, dass seine Partei möglichst wenig Wahlkreise direkt holt. Denn so steigen die Chancen des Halderners, dass er auch mit seinem nicht ganz idealen Listenplatz 28 den Wiedereinzug ins Landesparlament schafft.

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Antritt gegen Platzhirsch

Doch die Situation kennt der 36-Jährige. Vor fünf Jahren war er fast aussichtslos in Rennen gegangen, stand sogar auf nur auf Platz 33 und schaffte dann das Kunststück, bei der Premiere nach einer echten Zitterpartie in den Landtag einzuziehen. Die fünf Jahre hat der junge Politiker genutzt, um sich bei den Genossen am Niederrhein weit vorne zu positionieren. Die SPD schickte Wißen sogar als Herausforderer von Platzhirsch Wolfgang Spreen in den Landrats-Wahlkampf. Ein Sieg war im pechschwarzen Kreis Kleve von Anfang an kaum realistisch. Doch Wißen schlug sich achtbar und er weiß, dass er auch bei der Landtagswahl den Wahlkreis kaum direkt holen kann. Gegen CDU-Mann Manfred Palmen wird er sich kaum durchsetzen können. Doch auch Palmen hat erkannt, dass der SPD-Mann von der rechten Rheinseite ein unbequemer Gegner ist. Der CDU-Landtagsabgeordnete hat sich in letzter Zeit vor allem beim Thema Betuwe richtig reingehängt, um damit auch auf der rechten Rheinseite zu punkten.

Wißen sieht das gelassen: "Beim Thema Betuwe hat sich die Landesregierung jetzt weit aus dem Fenster gehängt. Es ist positiv, dass die Kommunen entlastet werden sollen. Doch bisher ist offen, woher denn das zusätzliche Geld kommen soll", sagt der 36-Jährige, der in der Verkehrspolitik seinen Schwerpunkt setzt ist. SPD-Spitzenkandidatin Hannelore Kraft attestierte ihm sogar, das Zeug zum Verkehrsminister zu haben. Ein Lob, das ihn sicher gefreut hat, auch wenn Wißen ausweichend sagt: "Über mögliche Personalien wird erst nach der Wahl gesprochen." Bestes Beispiel für seine Veränderung. Vor fünf Jahren hätte der Halderner vermutlich noch geflachst: "Das Büro von Herrn Lienenkämper habe ich mir schon mal angeschaut."

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