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Rainer Verhülsdonk: "Bienenfreundlich reicht uns nicht"

Rainer Verhülsdonk : "Bienenfreundlich reicht uns nicht"

Der Vorsitzende des Vereins Natur und Kultur im Achterhoek (NUK) mahnt, es sei fünf nach zwölf. Jede Maßnahme, sei sie noch so klein, für Flora und Fauna soll aber umgesetzt werden. Die Stadt Kevelaer und die Politik sind mit im Boot.

Es gab Gespräche mit der Stadt Kevelaer und dem Verein Natur und Kultur im Achterhoek (NUK) zum Thema Umweltschutz. Worum ging es da?

Rainer Verhülsdonk Anlass war der Antrag der SPD, dass Kevelaer bienenfreundliche Kommune werden soll. Wir als NUK haben dagegen einen Einwand erhoben. Uns geht das nicht weit genug. Wir möchte eine naturfreundliche Kommune.

Warum?

Verhülsdonk Für viele sind Insekten nichts anderes als Ungeziefer. Aber sie sind das Grundnahrungsmittel für Vögel. Und davon gibt es immer weniger. Keine Insekten, keine Vögel, so ist das mit der Nahrungskette. Fahren Sie mal mit dem Auto. Früher musste man eine Zwangspause einlegen, um die Scheiben von den ganzen Insekten auf der Windschutzscheibe zu reinigen. Das ist heute nicht mehr so. Es ist schon fünf nach zwölf. Wir müssen retten, was noch zu retten ist. Einfach Hände in den Schoß legen, geht nicht.

Wie wurde Ihr Einwand aufgenommen?

Verhülsdonk Wir haben den Bürgermeister angeschrieben, und prompt gab es einen Gesprächstermin mit ihm und allen Fraktionsvorsitzenden. Ich war angenehm überrascht. Bis auf eine Fraktion bestand die einheitliche Meinung: Wir müssen was tun. Welche Fraktion das war, möchte ich nicht sagen.

Welche konkreten Maßnahmen folgen aus dem Gespräch?

Verhülsdonk Als Folge wird ein 8000 Quadratmeter großes Grundstück hinter dem Bauhof dem Naturschutz zugeführt.

Wie soll das funktionieren? Einfach alles sprießen lassen?

Verhülsdonk Das wird noch genau überlegt. Johannes Baaken (Bauhofleiter, d. Red.) ist da federführend. Es soll eine Blütenwiese entstehen, aber das kann nur eine Maßnahme sein von vielen.

Was drängt zur Umsetzung?

Verhülsdonk Langfristig wollen wir, dass Ackerstreifen wirklich wieder für die Natur und nicht für die Landwirtschaft genutzt werden. So soll eine Vernetzung von Lebensräumen entstehen. Es nutzt nichts, wenn wir in der Landschaft Inseln schaffen. Kleine Tiere brauchen auch Korridore, um wandern zu können, eine Biotopvernetzung.

Wie realistisch ist denn die Umsetzung?

Verhülsdonk Das ist viel Arbeit, das stößt sicher auch auf Widerstände, aber da müssen wir durch. Mittlerweile hat sich gezeigt, dass der politische Wille, etwas zu ändern, durchaus da ist. Aber es wird auch immer Leute geben, die kümmern sich einfach nicht darum, was mit der Natur passiert. Dabei reden wir nicht von der Abholzung der Regenwälder am Amazonas. Artenrettung fängt hier, vor der eigenen Haustür, an.

Ein Beispiel?

Verhülsdonk Kräuter, von vielen als Unkräuter bezeichnet, werden gespritzt. Allein von der Brennnessel leben aber viele Schmetterlingsarten. Ihre Raupen brauchen die Brennnessel als Nahrung.

Wie trägt der NUK konkret selbst zur Umweltrettung bei?

Verhülsdonk Wir haben eine Wiese mit einer Fläche von 14.000 Quadratmetern gepachtet. Die ehemalige Pferdekoppel auf der das unbeliebte Kreuzfeld-Jakobs-Kraut wuchs, soll in eine blühende Landschaft umgestaltet werden. Zuletzt haben wir außerdem blühende Feldgehölze verschenkt. Denn der Sturm Friederike wurde mal wieder zum Anlass genommen, vieles zu rasieren, was noch da ist. Da kann man nur dagegen anpflanzen. Einige der 500 Feldgehölze sind im Übrigen noch da, und wenn unsere Vereinsmitglieder ihren Bedarf gedeckt haben, können auch Menschen, die nicht im NUK sind, Gehölze abholen.

Wie geht es mit der Stadt Kevelaer und den Umweltideen des NUK weiter?

Verhülsdonk In Kürze wollen wir uns noch einmal treffen. Den Worten müssen auch Taten folgen. Auch und gerade wenn andere Interessen dem Umweltschutz entgegenstehen, darf der bei politischen Entscheidungen in Zukunft nicht vergessen werden. Alle Anwesenden machten beim ersten Gespräch aber den Eindruck, dass wirklich Interesse für das Thema Umweltschutz da ist. Wir bleiben auf jeden Fall am Ball.

DIE FRAGEN STELLTE BIANCA MOKWA.

(RP)