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Wirbel um Franz-Peter Tebartz-van Elst: Betroffenheit in Heimatdorf des Skandal-Bischofs

Wirbel um Franz-Peter Tebartz-van Elst : Betroffenheit in Heimatdorf des Skandal-Bischofs

Dass ein Sohn Kevelaers erst berühmt wurde und jetzt nicht aus den Negativ-Schlagzeilen herauskommt, beschäftigt die Menschen sehr. Der Kirchenchor besuchte Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst erst vor zwei Jahren in Limburg.

Im Oktober besucht Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst gewöhnlich den Wallfahrtsort Kevelaer. Dann feiert er ein Pontifikalamt in der Basilika, nimmt am Mittagstisch der Priestergemeinschaft von St. Marien Platz und schaut bei seiner betagten Mutter im Ortsteil Twisteden vorbei. Diesmal fällt dieser Besuch aus — aber nicht wegen der Aufregungen um seine Person, versichert Rainer Killich als Sekretär der Wallfahrtsleitung.

Vielmehr habe der Bischof schon vor einiger Zeit erklärt, diesmal auf diese eher private Reise verzichten zu wollen, weil er im kommenden Jahr die Diözesanwallfahrt des Bistums Limburg nach Kevelaer begleiten wolle. Damit wird nun eher nicht mehr gerechnet.

Während außerhalb Kevelaers inzwischen sehr offen über einen Rücktritt des Bischofs und den Bauskandal um seine Residenz in Limburg gesprochen wird, tun sich viele Kevelaerer noch schwer damit, den tiefen Fall ihres ehemaligen Weggefährten zu akzeptieren. Der langjährige Pfarrer der Gemeinde St. Quirinus Twisteden hält sich zurück — wie die meisten Geistlichen aus dem lokalen Umfeld. Er bittet nur zu bedenken, dass der Amtsbruder sicherlich auch einiges Positives geleistet habe, was in der aktuellen Diskussion nicht in Vergessenheit geraten solle.

Wobei die konkreten Erinnerungen der Twistedener an den "großen Sohn" ihres Ortes auf eine ganz andere Zeit zurückgehen. Franz Wustmans zum Beispiel ist einer von denen, die Franz-Peter Tebartz-van Elst gut kennen. "Er kommt ja hier aus dem Dorf, von dem Hof, auf dem noch heute seine Mutter und ein Bruder mit Familie leben." Diese Angehörigen tun vielen Twistedenern leid.

Seinen eigenen Namen im Zusammenhang mit Protz-Vorwürfen, Verschwendung und staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen täglich in den Medien zu sehen, ist vermutlich kein Spaß. Zumal Familien in der Region mit dem Namen Tebartz-van Elst bisher vor allem den beliebten bäuerlichen Freizeitpark "Irrland" verbinden, der ans Elternhaus des Bischofs angrenzt. Irrgarten, Hüpfkisten und Wasserspaß für fünf Euro pro Person und Tag zeigen, dass einige in der Familie bescheiden und geerdet geblieben sind.

Franz Wustmans war mit dem späteren Geistlichen zusammen in den 70er Jahren Messdiener und im Jugendliturgiekreis aktiv. "Er war schon damals deutlich frommer als ich", sagt der Geschäftsmann schmunzelnd. Daran erinnert sich auch der Kevelaerer Physiotherapeut Hermann-Josef Heuvens gut. Tebartz-van Elst war sein Klassenkamerad in der Realschule in Geldern. Sehr ernst und zielstrebig sei er gewesen. "Nach dem Abschluss 1977 wechselte er ins Internat nach Coesfeld mit der klaren Absicht, nach dem Abitur Theologie zu studieren", sagt Heuvens.

Kunst und Architektur spielten schon immer eine Rolle

Während dieser Studienjahre hat ihn Jugendfreund Wustmans in seiner Studentenbude besucht, die geradezu asketisch gewirkt haben soll. Die Kargheit kann aber auch als besondere Form der Ästhetik gedeutet werden. Denn was man von Kommilitonen aus jener Zeit so hört und liest, spielten Kunst und Architektur im Leben des jungen Mannes schon früh eine Rolle. Bekanntlich haben nicht zuletzt diese Vorlieben die Kosten für die Bischofsresidenz in ungewöhnliche Höhen steigen lassen. Seine einzigen Jahre als Seelsorger in einer Gemeinde verbrachte Tebartz als Kaplan im münsterländischen Altenberge. Schon bald setzte er jedoch lieber seine Studien fort, wurde Lehrbeauftragter und später Professor in Münster.

Dass es zwischen Tebartz-van Elst und den Limburger Gläubigen keine allzu enge Verbindung gibt — diesen Eindruck gewann auch Twistedens Ortsvorsteher Josef Kobsch, als er vor zwei Jahren mit dem Kirchenchor nach Limburg reiste, um den berühmten Mann aus dem Heimatdorf zu besuchen. Bei den Einheimischen seien die Niederrheiner, wenn sie ihre Bekanntschaft zum Bischof erläuterten, auf wenig Herzlichkeit gestoßen. Eine Stadtführerin habe von außen auf die Baustelle des prächtigen Bischofssitzes gezeigt und berichtet, dass es an der Basis doch mächtig grummele. Die Gläubigen erinnerten sich wehmütig an Tebartz' Vorgänger Franz Kamphaus, der sehr volkstümlich war und mit dem Fahrrad unterwegs gewesen sein soll.

Kevelaers Kirchenmusiker und Chorleiter Christian Francken hatte dem Bischof damals ein Lied komponiert. Begriffe wie "Güte", "Liebe", "Friede" und "Kraft" seien darin vorgekommen. "Das alles wünsche ich ihm jetzt — und auch demjenigen, der auf seinen Stuhl folgen wird." Denn so könne es nicht weitergehen: mit dem Verlust der Glaubwürdigkeit und dem Imageschaden für die katholische Kirche.

(RP)