Besuch des Gradierwerks auf der Hüls in Kevelaer

Tourismus in Kevelaer : Kevelaers salzige Brise auf der Hüls

Im Gradierwerk auf der Hüls rieselt die Sole bereits am Schwarzdorn entlang. Noch ist dort Baustelle. Im Frühjahr 2020 soll alles fertig sein.

Über den Platz an der Hüls weht ein rauer Wind. Ich stapfe über die Wiese, dem neu gebauten Gradierwerk entgegen. Ich habe das Gefühl, ich kann freier Atmen, das kann aber auch an dem Menthol-Kaugummi liegen, das ich mir gerade in den Mund geschoben habe. Um das Gradierwerk selbst ist ein Bauzaun gezogen. Wer den Nutzen nicht verstehen will, der kann es auf dem Schild nachlesen: „Betreten der Baustelle verboten.“ Das macht aber nichts. Beim näher Rangehen, mit Stopp vor dem Bauzaun, höre ich es schon rieseln. Die Sole rinnt herunter. Später wird mir Sandra Kimm-Hamacher von der Stadt Kevelaer schreiben, dass der Salzgehalt bei drei Prozent liegt. Nach dem Gradierprozess, das heißt durch das Herunterrieseln am Reisig, konzentriere sich der Salzgehalt der Sole auf 12 bis 14 Prozent. Vor meinem geistigen Auge tauchen Bilder von Menschen auf Liegen auf, die in einem Salzstollen die besondere Luft einatmen. Mich trennen zwar durch den Zaun drei Meter von dem schwarzen Reisig-Kontrukt, aber gefühlt, ist die Luft salzig.

Das bestätigt auch Fritz Holtmann. Der Kevelaerer kommt gerade mit dem Fahrrad vorbei. Durch eine Windböe hatte er auch den Eindruck gehabt, dass ein anderer Geschmack in der Luft liegt. „Wie an der Nordsee, irgendwie salzig“, beschreibt er seine Empfindung. „Von der Optik macht das Gebäude schon was her.“ Er schaut auf den Holzbau. Von oben sieht er wie eine Jakobsmuschel aus. Daher komme auch der Name, erklärt Sandra Kimm-Hamacher später. „Wir liegen am Niederrhein am Jakobsweg“, nennt sie einen weiteren Grund für die Namensgebung. Holtmann schaut sich um. „Wird wohl eher fertig werden als der Berliner Flughafen“, sagt er und fragt sich aber auch, wann es weitergeht. „Bald“, sagt Sandra Kimm-Hamacher. Ende Mai, Anfang Juni sollen der Bibel-Garten, die Kneipp-Anlage und die barrierefreien Wege angelegt werden.

Im Sommer sollen Baustellen-Führungen angeboten werden. Die Eröffnung ist im späten Frühjahr 2020 geplant.

Ich schaue mir die aktuellen Bauarbeiten an. Neben dem Gradierwerk entsteht gerade das Rilano-Hotel. Ob die Bauarbeiter merken, dass sie salzgeschwängerte Luft einatmen? Neben dem Gradierwerk blüht der Klatschmohn. Es gab Anwohner, die Sorge hatten um ihre Gärten, wegen der salzhaltigen Luft. Eine Salzkruste gibt es nicht und die Wildgewächse wuchern fröhlich vor sich hin. Auf dem Weg zum Auto hole ich noch einmal tief Luft. Die Wirkung des Menthol-Kaugummis hat längst nachgelassen. Die Nase ist frei. Die salzhaltige Luft soll für Allergiker gut sein und ein Schrecken für jede Erkältung. Kevelaer ist um eine Attraktion reicher.

 Kurz danach plinkt das Handy. Google Maps möchte von mir wissen, wie mir der Besuch des Solegartens St. Jakob gefallen hat. Noch nicht auf, aber schon bekannt. Meine Antwort: Gut, ich komme wieder. Nicht erst wenn er geöffnet hat. So eine salzige Brise ab und zu lasse ich mir doch nicht entgehen.

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