Automatensprenger aus dem Irrland in Kevelaer müssen hinter Gitter

Prozess beendet : Panzerknacker müssen hinter Gitter

Mehrere Jahre müssen die beiden Männer ins Gefängnis, die den Geldautomaten am Irrland sprengten.

„Das waren keine Dummejungenstreiche – und das waren auch keine Kleinigkeiten“, sagt Richterin Julia Voß, als sie am Donnerstag das Urteil gegen zwei Männer aus dem Krefelder Raum begründet. Vier Jahre und drei Monate Freiheitsstrafe hat der 28-jährige Angeklagte da gerade zu verdauen, drei Jahre und drei Monate der 20-jährige Mitangeklagte.

Dummejungenstreiche, so die Vorsitzende, sehen anders aus. Sie beinhalten nicht, dass man mit einer Mischung aus Propangas und Sauerstoff Geldautomaten in Twisteden am Irrland und in anderen Orten die Luft jagt. Und sie beinhalten auch nicht, dass die schwere Tresortür des Geldautomaten in Moers über eine Straße fliegt und dabei Kerben in den Asphalt schlägt.

„Schwerer Bandendiebstahl“ und das „Herbeiführen von Sprengstoffexplosionen“ tauchen im Urteil auf. Fünf Geldautomaten nahm die Bande ins Visier. Zwei Mal gelang die Sprengung: in Kevelaer-Twisteden und in Moers. An das große Geld – dafür sprechen die Beweisaufnahme und die umfangreichen Geständnisse der beiden Angeklagten – gelangte die Bande jedoch nicht. Einzig in Moers gelang es, die Tresortür zu entfernen. Die freigesetzten Geldscheine aber waren wohl durch die Hitze der Explosion gebrandmarkt.

Bandenkriminalität dennoch, kein Dummejungenstreich. Das hatte zuvor auch der Staatsanwalt betont und sechseinhalb Jahre für den älteren Angeklagten beantragt, vier Jahre für den jüngeren. „Wir reden hier von schwerer Kriminalität.“

Der Verteidiger des 28-jährigen Angeklagten wollte da nicht widersprechen. Er erklärte jedoch, dass sein Mandant kein „klassischer Verbrecher“ sei. Profi im Panzerknacken sei der 28-Jährige schon gar nicht, eher „dilettantisch“. Orientierungspunkt: Ein anderer Mandant des Verteidigers Nitschmann, welcher sich ebenfalls an der Sprengung von Geldautomaten geübt hatte. Vor einigen Monaten sei der Mandant in Düsseldorf zu sechs Jahren und zehn Monaten Freiheitsstrafe verurteilt worden.

In „Gucci-Klamotten“ und „Goldkette“ habe der frühere Mandant im Gerichtssaal gesessen – ein „richtiger Verbrecher“, so der Strafverteidiger. Zudem ein Verbrecher, der mit seinen Komplizen bei Automatensprengungen in Magdeburg und Recklinghausen eine halbe Million Euro erbeutet habe. Einer zudem, dessen Bande „Hochleistungs-Audis“ mit falschen Nummernschildern, Stoppuhren und Fernzündern für ihre Sprengungsaktionen genutzt habe.

Seinen 28-jährigeren Mandanten jedoch, der als Fahrer und Schmieresteher bei der am Donnerstag verurteilten Bande fungiert hatte, wollte er nicht in diese Kategorie einordnen. „Er hat das nicht gemacht, um sich Gucci-T-Shirts zu kaufen. Ich glaube, er hat mehr Sprit verfahren, als er Geld erbeutet hat“, so Nitschmann. Unprofessionell seien etwa die (versuchten) Zündungen per Mullbinde gewesen. Ein bedeutender Einfluss sei das dritte Bandenmitglied gewesen, das kürzlich nach Deutschland überführt wurde.

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