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Ausgebüxtes Känguru Lui aus Twisteden ist wieder zuhause

In Twisteden ausgerissen : Känguru Lui ist wieder zuhause

Känguru Lui ist zurück

Zwei Tage lang war das Wallaby verschwunden. Dann kam es wohlbehalten wieder zum Hof in Twisteden zurück, auf dem das Tier zusammen mit seiner Artgenossin Lana lebt. Es gab die Sorge, dass das Känguru gestohlen worden sei.

Die vergangenen zwei Nächte hat Katja Holzschuh nicht mehr richtig geschlafen. Immer wieder musste sie an Lui denken, der jetzt irgendwo draußen in der Wildnis übernachten musste. Schutzlos. Denn ihr Känguru war spurlos verschwunden und hat keine Erfahrung in der „freien Wildbahn“. „Hoffentlich wird es nicht überfahren“, dachte sie immer wieder.

Das Mini-Känguru hat sie mit der Flasche aufgezogen, doch seit Mittwoch war es, wie berichtet, verschwunden. Voller Sorge suchte sie mit ihrer Familie das gesamte Grundstück und die Umgebung in Twisteden ab. Jedoch ohne Erfolg. Am frühen Freitagmorgen dann die große Erleichterung: Ihr Stiefvater rief an, und berichtete, dass er Lui entdeckt und gefangen habe. „Er war die ganze Zeit auf dem Hof“, erzählt Katja Holzschuh freudestrahlend.

Lui ist wieder wohlbehalten in seinem Gehege in Twisteden. Foto: Latzel

Wie das Känguru ausgebrochen ist, weiß sie immer noch nicht genau. Sie ist vor allem froh, dass das Tier nicht gestohlen wurde. Denn das ist ihre größte Sorge gewesen. Immer wieder hätten es Diebe nämlich auf exotische Tiere abgesehen.

Katja Holzschuh vermutet, dass eine Plane am Zaun durch den Sturm hochgeklappt ist und Lui sich dann durch eine Lücke quetschen und entwischen konnte. Das war ihm schon ein paarmal gelungen. So lange wie diesmal war Lui aber nie verschwunden.

Um einen weiteren Ausbruch des Wallabys zu herhindern, will die 19-Jährige noch einen dritten Zaun um das Gehege anbringen. Damit soll endgültig Schluss sein mit den Ausflügen des Kängurus.

Nach den zwei Tagen „in Freiheit“ musste Lui erst einmal ganz viel Schlaf nachholen. Er zog sich in seinen Stall zum Dösen zurück. Danach gab es getrocknete Brötchen zum Wiedersehen. Sein Lieblingsessen. „Er tut einfach so, als wäre nichts gewesen“, sagt Katja Holzschuh schmunzelnd.

Lui freut sich sehr, wieder mit seiner Besitzerin spielen zu können, das ist offensichtlich. Ständig hängt er ihr am Bein, lässt sich kraulen und würde am liebsten nur noch schmusen. Diese Streicheleinheiten hat er in den vergangenen Tagen in Freiheit offenbar bitter vermisst.

Auch Luis Artgenossin Lana war sichtlich erleichtert, dass ihr Partner wieder daheim in Gehege ist. Lana wurde im Gegensatz zu Lui nicht von der Familie Holzschuh aufgezogen und ist daher auch viel scheuer.

Katja Holzschuh hat die Känguru-Dame in einem Zoo in Karlsruhe gekauft, damit Lui Gesellschaft hat. Und Lana hat längst das Kommando übernommen, sie ist der klare „Chef“ im Gehege. „Lui ist eher verspielt“, erzählt Katja Holzschuh.

Und vielleicht lebt auf dem Gelände in Twisteden bald ein drittes Wallaby. Lana bekommt nämlich vermutlich Nachwuchs und der ist vielleicht sogar schon im Beutel. Denn wenn ein Känguru-Baby geboren wird, ist es ganz winzig: gerade mal so groß wie ein Daumen. In wenigen Minuten hangelt sich der frischgeborene Wurm durch das Fell der Mutter in den Bauchbeutel und saugt sich dort an der Zitze fest. Die Mutter nimmt das Ganze völlig gelassen hin. Das einzige, was sie tut, ist, die Muskeln der Bauchfalte zu entspannen, so dass das Junge in die Geborgenheit kriechen kann. Einmal drin im Beutel, bleibt „Joey“ – so nennen Australier alle Känguru-Jungen – dort, bis er vollständig entwickelt ist. Ob Familie Holzschuh das Känguru-Baby behalten wird, ist offen. Lui würde wohl nur ein Weibchen akzeptieren.

Fest steht aber, dass Lui nicht der Vater ist. Lana war nämlich schon schwanger, als sie an den Niederrhein kam.