1. NRW
  2. Städte
  3. Kevelaer

Weeze: Arbeitsagentur zeichnet Wystrach aus

Weeze : Arbeitsagentur zeichnet Wystrach aus

Für "hervorragendes Engagement in der Ausbildung" erhielt das Weezer Unternehmen gestern ein Zertifikat der Behörde aus Wesel. Jugendliche bekämen dort eine Chance, auch wenn ihr Lebensweg bislang holprig gewesen sei.

Jochen Wystrach stellte vor wenigen Jahren einen Auszubildenden ein, dessen Zeugnis voller Fünfen und Sechsen war. Erst im zweiten Anlauf hatte der Jugendliche die Hauptschule geschafft. Der Geschäftsführer der Wystrach GmbH an der Industriestraße in Weeze war dennoch überzeugt von dem jungen Mann und gab ihm eine Chance. "Heute arbeitet er noch immer für uns", berichtet der Unternehmer.

Für Barabara Ossyra, Vorsitzende der Geschäftsführung bei der Agentur für Arbeit Wesel, waren auch Geschichten wie diese ausschlaggebend für ihre Entscheidung, die Weezer Firma mit dem Zertifikat für "hervorragendes Engagement in der Ausbildung" auszuzeichnen. Es wird jährlich in den Kreisen Kleve und Wesel vergeben. Weitere Kriterien bei der Auswahl seien die Qualität der Ausbildung gewesen sowie die Übernahmegarantie, die Wystrach seinen Auszubildenden verspricht, berichtete Ossyra.

Die Weezer Firma entwickelt und fertigt Gasflaschen und bündelt diese zu vernetzten Speicher- und Versorgungssystemen. Sie beschäftigt 150 Mitarbeiter, "darunter immer zehn bis zwölf Auszubildende", sagt Kevin Sonderkamp. Der 26-Jährige machte in dem Unternehmen eine Ausbildung zum Konstruktionsmechaniker und arbeitet dort heute als Produktionsplaner für Industriegase sowie Ausbildungsleiter. Bewerben können sich Anwärter auf Plätze als Konstruktionsmechaniker mit der Fachrichtung Schweißtechnik, Elektroniker für Betriebstechnik, Maschinen- und Anlagenführer, Fachlagerist mit Weiterbildungsmöglichkeit zur Fachkraft für Lagerlogistik sowie zum Bürokaufmann oder zur Bürokauffrau.

  • Entwarnung von Meteorologen : Schweres Unwetter zieht am Kreis Kleve vorbei
  • Der Regionalverkehr kann mit dem Ticket
    Günstig mit der Bahn fahren : Verkauf des 9-Euro-Tickets startet bei Niag und Look
  • Landrätin Silke Gorißen nahm bei Heiner
    Programm in allen Städten und Gemeinden : So wird der Kinder-Sommer im Kreis Kleve

Für das im Herbst beginnende Ausbildungsjahr hat Wystrach bereits Zusagen verschickt. Von knapp 50 Bewerbern entschied sich die Firma für vier. "Wir würden gerne noch mehr ausbilden", sagt Geschäftsführer Wystrach. Es hapere aber an der Qualität des Nachwuchses. Neben "großen Problemen" im Schulwesen bemängelte er das Fehlen von Werten wie Pünktlichkeit, Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit. Zusätzlich aber, sagte Ossyra, würden sich immer mehr Schulabgänger für ein Studium entscheiden. Diesen Trend hat auch das Unternehmen Wystrach erkannt. "Wir denken darüber nach, ein duales Studium anzubieten", sagte der Geschäftsführer.

Lediglich 24 Prozent aller Betriebe würden heute noch ausbilden, berichtete Ossyra, es gebe kaum Übernahmen. "Das betrachten wir mit Sorge." Laut Statistik der Agentur für Arbeit gab es im Ausbildungsjahr 2013/14 559 431 Bewerber auf Ausbildungsplätze. Das sind 1737 weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig waren nur 511 613 Berufsausbildungsstellen gemeldet, obwohl ein positiver Trend erkennbar war: 4350 Ausbildungsplätze mehr als 2012/13.

Erklären kann sich Ossyra das schwindende Interesse von Jugendlichen an Ausbildungsberufen nicht so recht. Während zwar manche Stellen wie etwa die des Fleischers nach außen nicht attraktiv wirkten, "können wir es in Sparten wie der Metallindustrie etwa bei Wystrach nicht nachvollziehen", sagte sie.

(RP)