Kevelaer: Ambulante Hospizgruppe ist sesshaft

Kevelaer : Ambulante Hospizgruppe ist sesshaft

Um Trauer und Sterbebegleitung kümmern sich Ehrenamtliche. In der Luxemburger Galerie haben sie ihr Büro eingerichtet. Am Samstag werden die Räumlichkeiten eingeweiht, und es wird über die Angebote informiert.

Einladend sieht es aus. Die kleine Sitzgruppe aus hellen Sofamöbeln sorgt für eine heimelige Atmosphäre. Die Milchglasscheiben sorgen dafür, dass keiner einen neugierigen Blick auf die Besucher wirft. Die kommen mit sehr ernsten Anliegen zu den Ehrenamtlichen der Ambulanten Hospizgruppe Kevelaer. Der neue und feste Anlaufpunkt ist in der Luxemburger Galerie.

"Wir wollten einen Raum, der bekannt ist, zentral liegt in Kevelaer und in dem man auch vertrauensvoll beraten kann", erklärt Teamleiter Hans-Wilhelm de Haan. Sterbebegleitung sei ein sehr schwieriges, aber in den vergangenen Jahren ein sehr wichtiges Thema geworden. Nicht zu verwechseln ist das mit Sterbehilfe, betont Pressewart Günter Ernst.

Sterbebegleitung heißt, denjenigen, dessen Leben zu Ende geht, und Angehörige zu stützen. "Manchmal tut es einfach gut, wenn ein Außenstehender da ist", weiß Ernst. Wenn da jemand ist, der die Situation mitträgt, sich die Sorgen anhört und seine Zeit opfert. Mit dem man über seine Ängste sprechen darf. Manchmal helfe es auch, wenn der Angehörige, der sonst immer am Bett des Sterbenden wacht, zur Eisdiele gehen kann, weil ein anderer sich an das Bett setzt. "Einfach mal abschalten", nennen es die ehrenamtlichen Sterbebegleiter.

54 Menschen begleiteten sie im vergangenen Jahr auf ihrem letzten Lebensweg. "Wir merken, dass die Aufgaben, die wir erfüllen wollen, Tag für Tag wachsen", sagt Teamleiter de Haan. In den 18 Jahren seit der Gründung, unter anderem unter dem Ehrenvorsitzenden Rudi Melzig, ist der Bedarf immer weiter gestiegen. Das Stichwort demografischer Wandel fällt, aber auch die geänderten Lebensgewohnheiten sind ein Grund. "Früher war es so, Mutter, Vater, Sohn, Tochter haben alle in einem Haus gewohnt. Da war die persönliche Betreuung gegeben", sagen die Ehrenamtlichen. Mittlerweile liegen die Arbeitsstellen oft außerhalb des Kreises Kleve, die Familien leben nicht mehr unter einem Dach. Menschen, die einem beistehen und einen verstehen, wenn es um das Ende des Lebens gehen, werden dringend gesucht. "Ich habe noch keinen getroffen, der keine Angst vorm Sterben hatte", sagt Günter Ernst. Die Inanspruchnahme der Dienste der ambulanten Hospizgruppe sind kostenlos. Mareike Ohse und Anne Borkowski koordinieren die Anfragen, führen die Ehrenamtlichen und diejenigen, die Hilfe brauchen, zusammen. Entscheidend ist nicht nur die Wohnortnähe, sondern auch Interessen, "die Chemie muss stimmen", sagt Mareike Ohse.

Wichtig sei, dass sie nicht religiös, sondern überkonfessionell arbeiten, betont Ernst. Die ambulante Hospizgruppe ist der Internationalen Gesellschaft für Sterbebegleitung und Lebensbeistand (IGSL-Hospiz) angeschlossen. "Das hat den Vorteil, dass wir uns auf die eigentliche Arbeit, die Sterbebegleitung, konzentrieren können", sagt Schatzmeister Georg Tomasik. Die IGSL als Dachverband kümmert sich um das Drumherum.

Am Samstag, 11. März, werden die Räumlichkeiten in der Luxemburger Galerie offiziell eingeweiht. Der Tag der offenen Tür ist von 11 bis 17 Uhr. Unter anderem wird Dr. Johannes Horlemann, Mitgründer der Ambulanten Hospizgruppe Kevelaer, einen Rückblick halten.

Ab der kommenden Woche sind die Räumlichkeiten in der Luxemburger Galerie dann immer von 9 bis 12 Uhr besetzt, donnerstags auch von 16.30 bis 18 Uhr. An jedem ersten Sonntag im Monat findet von 15 bis 17.30 Uhr ein Trauercafé statt. Jeden Mittwoch von 10 bis 12 Uhr wird es eine Sprechstunde zum Thema Patientenverfügung geben. Telefonisch ist das Büro der Ambulanten Hospizgruppe Kevelaer unter 02832 9728134 zu erreichen.

(RP)
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