Aktionen gegen den Baustellenfrust​ in Kevelaer

Kevelaer: Aktionen gegen Kevelaers Baustellenfrust

Saubere Schuhe und ein kostenloses „Maulwurfeis“ sollten am Freitag die Gemüter der Besucher in der Hauptstraße erfreuen. Die Kinder fanden die Aktion toll. Die Händler können das Baustellenende kaum noch erwarten.

Viele Leute, die vorbeigehen, haben Sandalen an, andere tragen lässige Leinenschuhe, alles keine Kunden für Ronny Müller. „Wildlederschuhe auch nicht“, schränkt er den Kreis der Personen weiter ein, denen er etwas Gutes tun kann. Ronny Müller aus Goch ist nämlich Dienstleister. Gestern war er als Schuhputzer unterwegs, im Auftrag der Stadt Kevelaer. „Wir wollen den Menschen eine Freude bereiten, weil sie in den vergangenen Wochen durch Schmutz und Dreck gelaufen sind“, erklärt Sandra Kimm-Hamacher von der Stadt Kevelaer den Sinn der Aktion.

Der Schuhputzer hatte sich Freitag am Ende der Hauptstraße mit seinen Utensilien positioniert. Presslufthammer sind zu hören, Bauarbeiter in gelben Warnwesten laufen herum. „Die müssen auch was machen“, sagt eine Frau. Die Baustelle sorgt nicht nur für Schmutz, sondern auch für Frust bei den Geschäftsleuten. Besucher bleiben weg. Michael Kraus nicht. Er ist zu Besuch in der Marienstadt. Zweimal im Jahr kommt der Neusser mit seiner Mutter Margret nach Kevelaer, immer, wenn einer von ihnen Namenstag hat. In Rom habe er sich schon mal die Schuhe putzen lassen. Das Gratis-Schuhputzen in Kevelaer findet er gut. In Rom sei das nicht umsonst gewesen. In Kevelaer übernimmt die Kosten die Wirtschaftsförderung. 500 Euro, sagt Kimm-Hamacher, koste der komplette Schuhputztag. Zum Stadtfest am 4. August wird Ronny Müller wieder als Schuhputzer unterwegs sein. Vielleicht habe sich bis dahin herumgesprochen, dass er da sei und auf Klienten warte.

Mayla freut sich, wie viele andere Kinder, über das kostenlose Eis von Piva. Auch das eine Baustellenaktion. Foto: Evers, Gottfried (eve)
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Über mangelnden Andrang konnte sich hingegen Diego Piva nicht beschweren. Die Stadt Kevelaer spendierte Kindern in der Eisdiele Piva ein Bauastelleneis. „Schätze, 250 waren schon da“, sagt der Ladeninhaber um kurz nach 12 Uhr. Ganze Kindergartengruppen seien zu ihm gekommen. „Das war so nett“, sagt der Eisverkäufer. „Diese Aktion macht wirklich Spaß.“ Trotzdem stehen im Sorgenfalten im Gesicht. Seit dem 21. Juni ist die Baustelle direkt vor seiner Tür. „Schade, das bei dem perfekten Eiswetter“, sagt er. 32 Außenplätze gibt es normalerweise bei der Eisdiele. Diejenigen, die sich trotz des Geräuschpegels in die Eisdiele setzen, das sei schon der harte Kern, Kunden, die immer kommen. Während er spricht, dröhnt draußen wieder der Presslufthammer. „Es liegt aber nicht an den Bauarbeitern. Die sind fleißig, und das ist verdammt harte Arbeit“, schiebt er gleich entschuldigend hinterher. „Es ist geplant, dass Anfang August Teil eins fertig ist“, gibt Kevelaers Projektmanagerin Kimm-Hamacher eine Prognose ab. Im Januar 2019 wird dann mit dem zweiten Bauabschnitt auf der Hauptstraße begonnen. Viel Zeit, darüber nachzudenken, bleibt dem Eisdielenbesitzer Diego Piva nicht, denn schon stehen die nächsten kleinen Kunden vor seiner Theke. Und wenn er sie bedient, dann leuchten seine Augen fast so wie die der Kinder, trotz der Baustelle.

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