Weeze: Airport blickt nach Krise wieder nach vorn

Weeze: Airport blickt nach Krise wieder nach vorn

Weezes Flughafen steht nach einem neuen Vertrag mit Ryanair wieder auf stabilen Füßen, sagt die Geschäftsführung. Statt mit 3,5 Millionen Passagieren wird mittelfristig nur noch mit 2,5 Millionen gerechnet. Perugia einziges neues Ziel.

Am Flughafen Weeze ist nach einer ungewissen Phase zu Jahresbeginn wieder Ruhe eingekehrt. Die Verluste, die der Flughafen nach der Einführung der Ticketsteuer und der Streichung zahlreicher Ziele durch Ryanair zu verschmerzen hatte, sind abgehakt. "Wir sehen jetzt wieder nach vorne", sagte Flughafen-Geschäftsführer Ludger van Bebber gestern der Rheinischen Post. Was nicht heißen soll, dass sich die Zahlen bald wieder wie in früheren Jahren nach oben entwickeln werden. "Drei Millionen Passagiere sind für uns mittelfristig kein Thema mehr. Wir werden in diesem Jahr rund 1,8 Millionen Passagiere erreichen und im kommenden Jahr auch. Unsere Planung sieht vor, im Jahr 2018 wieder auf 2,5 Millionen Fluggäste zu kommen und diese Zahl mindestens zu halten."

Das Kunststück, das van Bebber gelingen muss: mit deutlich weniger Passagieren auf ein ähnliches betriebswirtschaftliches Ergebnis zu kommen wie in den Vorjahren. "Es ist kein Geheimnis, dass dafür harte Verhandlungen mit Ryanair notwendig waren." Die irische Fluggesellschaft war bereit, ihre Bedingungen anzupassen. "Das hat natürlich etwas mit Gebühren zu tun, aber auch mit anderen Rahmenbedingungen", sagt van Bebber. Es sei aber auch klar, dass jeder Euro, den der Airport zusätzlich bekomme, auf der anderen Seite die Tickets verteuere. "Diesen Spagat muss man schaffen - es hätte schließlich keinen Sinn, wegen höherer Preise womöglich nur noch halb so viele Fluggäste zu haben." Geholfen hat natürlich auch die Entscheidung des Kreises, dem Airport die Solarparkfläche abzukaufen; das spülte 3,5 Millionen Euro in die Kassen. Ob auch beim Personal gekürzt wurde? Zuletzt wurde im Jahr 2012 gezählt - seitdem gibt der Airport 1140 Arbeitsplätze an. "Davon sind jetzt gut 100 weggefallen", meint van Bebber.

Wer nach wie vor günstig fliegen möchte, dem wird Ryanairs neue Buchungsseite gefallen: Da gibt es einen Button "Preissuche", auf der die Airline ganz konkret für jedes Ziel und jeden Monat mit einem Säulendiagramm zeigt, wann die Tickets billig oder deutlich teurer sind. Wer also flexibel ist, kann erheblich sparen.

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"Wir erleben jeden Tag, dass die neue Kundenfreundlichkeit von Ryanair ankommt", versichert Marketingchef Holger Terhorst. Die früher alltägliche Unzufriedenheit über rigide Bestimmungen sei vorbei. "Die Leute sind froh über feste Sitzplätze und die Möglichkeit, ein zweites Handgepäckstück mitnehmen zu können", weiß er.

In diesem Sommer kommt nur ein neues Ziel dazu - Perugia in Italien. Deutlich mehr als 29 Ziele erwartet van Bebber auch nicht für 2015; erst danach ist die Airline wieder so gut mit Maschinen ausgestattet, dass auch Weeze auf Berücksichtigung hoffen darf. Natürlich sei der Flughafen immer auf der Suche nach weiteren Airlines. Kritiker, die die Konzentration auf Ryanair beanstanden, übersähen jedoch, dass Weeze ohne die Iren nie so schnell gewachsen wäre. Und dass es auf der Mittelstrecke nicht viele Destinationen gibt, die Ryanair nicht abdeckt. Interessant wäre für Weeze etwa das Türkei-Geschäft, aber da müsste man Düsseldorf Anbieter wegnehmen, was schwierig sei.

Mit Blick auf 2016 (bis dahin ist dem Airport Weeze der Kreditzins gestundet) scheint noch unklar, was dann kommt. "Vorgesehen war, den Kreis-Kredit dann umzuschulden auf Fremdkapital", erklärt van Bebber. 2010 - damals wuchs der Airport erheblich - gab es schon eine Finanzierungszusage von Banken für den Ausbau des Flughafens. Der wird nun auf absehbare Zeit nicht nötig sein, denn für weniger als drei Millionen Passagiere reiche die Infrastruktur aus.

(RP)
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