Kevelaer: 80 Kilo Spätzle für Malteser-Wallfahrt

Kevelaer : 80 Kilo Spätzle für Malteser-Wallfahrt

Die Malteser aus dem Diözesanverband Köln ermöglichten am Samstag alten, kranken und Menschen mit Behinderung einen spirituellen Tag in Kevelaer. Die Bedürftigkeit und Anzahl der Teilnehmer erforderte eine besondere Planung.

Es ist kurz nach halb eins. Im Forum Pax Christi in Kevelaer singt eine Gruppe Jugendlicher "Halleluja". Nur wenige Meter von ihnen entfernt stehen Menschen in Kochschürzen bereit. Bereit, in zwanzig Minuten über 1000 Teilnehmern der Malteser-Wallfahrt des Diözesanverbands Köln ein deftiges und schmackhaftes Mittagessen zu servieren. Dafür hat Chefkoch Michael Schmidt ab acht Uhr morgens mit seinen Helfern gekocht: 80 Kilo Spätzle (Trockengewicht), 150 Kilo Rotkohl und 200 Kilo Rindergulasch. Hungrig soll niemand bleiben. Später, nach dem Essen, erzählt ein älterer Mann, dass er drei Portionen gegessen hat. Seit 30 Jahren veranstaltet der Malteser Hilfsdienst des Diözesanverbands Köln die Wallfahrt nach Kevelaer. Mitgenommen werden alte, kranke und Menschen mit Behinderung. Viele sind Rollstuhlfahrer.

Klara Hahne ist zum zweiten Mal dabei. "Ich bin ganz ehrlich, ich komme sonst nicht aus meiner Wohnung raus", sagt sie mit Kölner Dialekt. Die 80-Jährige sitzt im Rollstuhl, zeigt, dass sie von der Mitte nach unten gelähmt ist. Am Samstag hat sie mit Paul, Martin und Julian von der Malteser Jugend gleich drei junge Helfer, die sie von der Basilika zum Mittagessen fahren und danach noch ein bisschen in die Innenstadt. Sie möchte so gerne wieder in den großen Drogeriemarkt. "Die Pilger sollen Zeit haben, noch ein Eis zu essen und in Andenkenläden zu gehen. Das gehört auch dazu", sagt Einsatzleiter Franz-Josef Leven. Die Malteser bringen alles selber mit, nicht nur ihre Gäste, sondern auch die Feldküche, in der gekocht wird und die vielen Tische und Bänke, an denen das Mittagessen eingenommen wird. Junge Mädchen vom Schul-Malteser-Sanitätsdienst gießen denen, die es nicht mehr selber können, Wasser ein. Ein Mann mit Tätowierungen und verspiegelter Brille klappt mit anderen Helfern in Rekordzeit die Tische zusammen und räumt sie weg. Diözesan- und Wallfahrtsleiter Albrecht Prinz von Croÿ ist stolz auf die Leistung seiner Mitstreiter: "Wenn ich das Team so erlebe, dann packt es mich."

Neben aller Logistik kommt aber das Spirituelle nicht zu kurz. Schon auf der Hinfahrt wird in den Bussen gesungen und gebetet. In der Marienbasilika hält der emeritierte Bundesseelsorger der Malteser, Weihbischof Klaus Dick, die Andacht.

Mittendrin ist Diözesanseelsorger Markus Polders. Für den gebürtigen Kevelaerer ist die Wallfahrt ein "nach Hause kommen". Die Malteser sind sein Hobby. "Denen Hände und Füße schenken, die sie nicht mehr benutzen können", fasst er die Tätigkeit der Helfer zusammen. Oder einfach Menschen, die einsam und benachteiligt sind, einen schönen Tag verbringen lassen und Wertschätzung entgegenbringen. Und das mit einem ausgeklügelten Logistik-Fahrplan: Gegen acht sind die letzten wieder in Köln.

(bimo)
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