615 Euro Schadenersatz für totes Filmhuhn „Sieglinde“ aus Weeze

Prozess um getötete Henne aus Weeze : 615 Euro für totes Filmhuhn Sieglinde

615 Euro Schadensersatz für totes Filmhuhn Sieglinde

Vor dem Landgericht hat die Besitzerin des getöteten Tiers einen Teilerfolg erzielt. Das Medienaufgebot war riesig.

Angesichts des großen Auflaufs musste auch der Richter kurz schmunzeln. Im Saal 102 des Landgerichts drängten sich Kameraleute und Reporterteams dicht an dicht. Das Gericht musste extra noch einmal pro forma vor laufenden Kameras in den Saal einziehen, damit alle Sender auch ihre bewegten Bilder hatten. Und auch die strenge Sicherheitskontrolle am Eingang mussten alle über sich ergehen lassen. Dabei ging es diesmal nicht um einen spektakulären Mordfall, sondern um ein simples Huhn. Ein Huhn freilich, das Schlagzeilen machte, weil es in diversen Kinofilmen mitgewirkt hat. Das Filmhuhn Sieglinde war im Juni 2017 in Weeze einem Hund zum Opfer gefallen, der sich herzlich wenig um den prominenten Background der Henne kümmerte und den Vogel tötete.

Besitzerin Ute Milosevic hatte daraufhin Klage eingereicht, und das Amtsgericht ihr in erster Instanz 307,50 Euro zugesprochen. Für die Besitzerin zu wenig. Sie forderte 4000 Euro, weil das Tier schließlich ausgebildet werden musste. Daher befasste sich jetzt das Landgericht mit dem Thema.

Massenandrang im Huhn-Prozess: Ute Milosevic musste sich den Fragen vieler Reporter stellen. RP-Foto: Latzel. Foto: Latzel

Doch schon vor der Verkündung des Urteils hatte die Frau aus Weeze wenig Hoffnung, dieses Geld tatsächlich auch zu bekommen. „Mir geht es auch nicht um das Geld, sondern ums Prinzip“, sagte sie im Gespräch mit unserer Redaktion. Das Amtsgericht hatte ihr eine Teilschuld zugesprochen, weil das Huhn frei herumlief. „Aber das ist mein Grundstück, da kann ich meine Tiere laufen lassen, wie ich will“, sagt sie.

Filmhuhn Sieglinde spielte unter anderem in der Krankenhausserie „Bettys Diagnose“. Foto: Aurelia Franke-Hornung

Der Verlust von Sieglinde mache sie immer noch traurig. Sie sei ein so munteres und fröhliches Tier gewesen. Die Besitzerin hatte gleich gemerkt, dass sie auch etwas fürs Kino ist. Sieglinde fuhr ohne Probeme im Auto mit und schaffte sich im Laufe des Trainings sogar eine Stuntnummer drauf.

Aber für Ute Milosevic ist mit dem Tod von Sieglinde die Fernsehkarriere ihrer Tiere erst einmal erledigt. „Ich werde jetzt keine Tiere mehr fürs Kino trainieren lassen“, sagt sie. Vielleicht auch, weil der Rummel immens war. Sogar ein TV-Sender aus Russland hat sich bei ihr gemeldet, um darüber zu berichten. „Das scheint da in Russland eine ganz große Sache zu sein“, sagt sie. Bis nach Kleve kamen die Russen dann doch nicht. Doch auch so war das Interesse so groß, dass das Gericht das Urteil nicht einfach per Brief aushändigte, sondern öffentlich verkündete. Die Besitzerin kann sich über einen Teilerfolg freuen. Der Präsident des Landgerichts, Gerd Waldhausen, erläuterte, dass das Gericht keinen Zweifel daran habe, dass es sich wirklich um das Filmhuhn gehandelt habe. „Es war wirklich Sieglinde und nicht irgendeine Charlotte.“ Zudem sei es das gute Recht von Ute Milosevic, ihre Tiere auf ihrem Grundstück frei laufen zu lassen. „Sie musste Sieglinde weder anleinen noch in einen Käfig sperren“, so Waldhausen.

Allerdings stufte das Gericht die 4000 Euro Schaden als zu hoch ein. Die Trainerin habe angegeben, dass die Ausbildung zum Filmhuhn 60 Euro pro Stunde koste, bei zehn Stunden Ausbildungszeit mache das 600 Euro. Hinzu müsse man den Wert eines Huhns rechnen. „Der beträgt rund 15 Euro“, meinte der Richter. Macht zusammen 615 Euro. Zudem bekommt die Besitzerin noch 147 Euro für außergerichtliche Kosten.

Unterm Strich wird allerdings für Ute Milosevic kaum etwas übrig bleiben. Denn sie muss zu 85 Prozent die Kosten des Verfahrens tragen, der Hundebesitzer 15. Er kam übrigens nicht zur Verhandlung. Mit dem Richterspruch ist die Sache erst einmal erledigt. Der Richter ließ nämlich keine Revision zu.