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600.000 Gläubige sehen täglich die Gottesdienst-Übertragungen aus der Basilika in Kevelaer

Messen aus Basilika live im TV : So kommt der Gottesdienst ins Wohnzimmer

Wegen der Coronakrise sind öffentliche Messen untersagt. Kevelaer überträgt Feiern aus der Basilika im Fernsehen. 600.000 Gläubige schauen zu. Aber kommt zuhause das richtige Gefühl auf? Ein Selbstversuch.

Der Hund schläft friedlich im Wohnzimmer auf seinem Kissen, ich habe es mir auf dem Sofa bequem gemacht statt in der harten Kirchenbank zu sitzen. Ist das der richtige Rahmen, um einen Gottesdienst mitzufeiern? Nachdem öffentliche Messfeiern wegen des Coronavirus nicht mehr erlaubt sind, überträgt der Sender EWTN regelmäßig die Heilige Messe aus der Basilika in die ganze Welt. 600.000 Gläubige sollen dabei zusehen, heißt es.

Davon merke ich jetzt nichts, ich bin alleine und stehe vor der Frage: Wie sorgst du im heimischen Wohnzimmer für die passende Stimmung, wie wird aus einer Fernsehsendung ein Gottesdienst? Geht das überhaupt alleine? Schließlich heißt es doch in der Bibel: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. Kirchenfernsehen kannte ich bislang nur von den Osterübertragungen vom Petersplatz in Rom, die wir uns als Kinder zusammen mit meiner Mutter ansehen mussten. Wenn der Papst den Segen sprach, durften wir kein Wort sagen.

So sieht er aus: der Regieraum für die Übertragungen aus der Basilika in Kevelaer. Foto: ja/St. Marien Kevelaer

Jetzt also Premiere für Gottesdienst-TV in Coronazeiten. Für Stille ist gesorgt, ich zünde noch eine Kerze auf dem Tisch an, bevor ich zur Fernbedienung greife. Nach langem Suchen ist der Sender tatsächlich gefunden. Kanal 291, EWTN. Weihbischof Dr. Andreas Laun erscheint auf dem Bildschirm. Er erzählt Gedanken zum „Wahren Gott“, bis das Bild wechselt und der leere Altarraum in der Basilika zu sehen ist. Kaplan Christoph Schwerhoff zieht ein, begleitet von zwei Ministranten. Dass die Kirche komplett leer ist, ist nicht zu sehen. Der Kaplan wird nach dem Gottesdienst erzählen, dass es ein skurriles Gefühl sei, in eine leere Kirche zu sprechen. „Es ist gewöhnungsbedürftig, du weißt, da sind Tausende, die dir zuhören, aber du kannst keinen sehen.“ Was ihm besonders fehle, sei die Reaktion auf die Worte, die er spricht.

Die Gottesdienste in der Basilika finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Hier eine Messe mit Pastor Josef Cornelißen. Foto: ja/St. Marien Kevelaer

Das Bild schaltet um auf die Orgelbühne, der Name der Sängerin wird eingeblendet: Biggi Lehnen intoniert das Lied zum Einzug. Basilikaorganist Elmar Lehnen begleitet sie auf der Orgel.  Auf dem Bildschirm wird das Lied aus dem Gotteslob zum Mitsingen angezeigt: Nummer 358, Strophen 1 und 3, „Ich will dich lieben meine Stärke“. Doch zum Mitsingen ist das Wohnzimmer irgendwie nicht der passende Ort. Ich merke deutlich: Es dauert, bis der Fernsehzuschauer tatsächlich zum Gottesdienstbesucher wird, bis er sich ganz darauf einlassen kann, die Messe so mitzufeiern, als wenn man selbst in der Kirchenbank sitzt.

Kaplan Schwerhoff nimmt in seiner kurzen Ansprache diese besondere Situation in den Blick. Liebe ist sein Thema. Liebe bedeute, dass sie stärker als Isolation ist, stärker als die Kirchenwände, als die Wände zuhause. „Nichts kann die Liebe einfassen, nichts ihr im Wege stehen“, sagt der Geistliche.

Worte,  die die Verbindung von der Basilika zu den Tausenden Gläubigen vor den Fernsehern in der ganzen Welt deutlich machen sollen. Noch fehlt mir etwas zu dieser Verbindung. Ich merke, es hilft die Augen zu schließen und die Umgebung auszublenden. Gerade beim Hochgebet mit der eucharistischen Wandlung als zentralem Bestandteil. Tatsächlich stellt sich immer mehr das Gefühl ein, mit in der Kirche zu sein als echter Teil der Gottesdienstgemeinschaft. Bis plötzlich das Handy klingelt. Mist. Was beim Gang in die Kirche nie vergessen wird, daran denkst du zuhause einfach nicht. Schnell wird der Anrufer weggedrückt, das Handy auf lautlos gestellt. Damit es still bleibt bis zum Ende des Gottesdienstes.

Kaplan Schwerhoff spricht derweil den Schlusssegen. „Wie die Liebe durch Wände geht, geht auch der Segen durch Wände und trifft unser Herz“, sagt der Geistliche und fordert: „Lassen wir uns von diesem Segen treffen, mitten ins Herz, und uns stärken.“

Ein wenig hat das heute funktioniert.