Hilfaktion in Kevelaer Wenn das Herz für die Ukraine schlägt

Kevelaer · Mit dem Erlös von 50.000 Euro aus dem Spendenlauf am Gymnasium Kevelaer wurde nun ein Lkw auf die Reise geschickt. Auch Geflüchteten vor Ort soll mit dem gesammelten Geld geholfen werden.

Viele helfen mit, damit der Lkw Hilfsgütern zu den geflüchteten Menschen aus der Ukraine gelangen. Möglich wurde das durch viele Spender und dem Spendenlauf am Gymnasium Kevelaer.

Viele helfen mit, damit der Lkw Hilfsgütern zu den geflüchteten Menschen aus der Ukraine gelangen. Möglich wurde das durch viele Spender und dem Spendenlauf am Gymnasium Kevelaer.

Foto: Bianca Mokwa

Während diese Zeilen gelesen werden, hat der Lkw seinen Bestimmungsort erreicht. Beladen mit haltbarer Milch, Brot, Nudeln, Cornflakes, Paletten voller Wasser, Kleidung und Spielzeug hat sich ein 40-Tonner auf den Weg von Kevelaer nach Polen gemacht. Mit dem Geld, das beim Spendenlauf am Gymnasium Kevelaer erlaufen wurde, konnte eingekauft werden. 50.000 Euro kamen dabei zusammen für die Menschen, die wegen des Kriegs aus der Ukraine flüchten mussten.

Erwartet oder gar gehofft hat auf eine solche Unterstützersumme keiner der Organisatoren. Auch Ben Tissen und Jerome van den Wyenbergh von der Schülervertretung sind noch überwältigt und sehen den Arbeitern mit ihren gelben „Ameisen“ beim Verladen der Paletten in den Lkw zu. Vor einigen Jahren habe es schon einmal einen Spendenlauf an der Schule gegeben, das war um das Jahr 2015, als die Flüchtlingwelle war, erinnert sich die stellvertretende Schulleiterin Nicole Lücke. Mit 15.000 Euro habe man diesmal gerechnet, so die Schüler. Aber es wurde immer mehr. Erst sei die 30.000-Euro-Grenze geknackt worden, dann die 40.000 Euro. Am Ende seien es 43.000 Euro geworden, die durch eine anonyme Spende aus dem Kollegium „rund“ gemacht wurde auf 50.000 Euro, sagt Nicole Lücke.

Für die konkrete Hilfe holten sich Lehrer und Schüler Rat beim Runden Tisch für Flüchtlinge in Kevelaer. Was wird genau gebraucht? Wo ist die Not aktuell am größten? Eine Hilfe war ihnen auch Mike Püllen, der bereits einige Touren mit Hilfstransporten unternommen hatte. Auch er sieht beim Verladen der Ware zu. Eine Palette Schoko-Cornflakes, eine Palette H-Milch. „Die ist in drei, vier Tagen aufgebraucht“, sagt er. Oder noch eher.

Schüler und Lehrer des Gymnasiums Kevelaer fuhren gemeinsam mit ihren neuen Klassenkameraden aus der Ukraine zum Freundschaftsspiel im Borussia-Park.

Schüler und Lehrer des Gymnasiums Kevelaer fuhren gemeinsam mit ihren neuen Klassenkameraden aus der Ukraine zum Freundschaftsspiel im Borussia-Park.

Foto: KvGG

Erste Station des Lkw ist ein Waisenhaus in Rawa, in dem 1050 Kinder leben, viele davon Kriegsflüchtlinge. Die Hilfe aus Kevelaer komme gerade zur richtigen Zeit. Nachdenklich stimmt Mike Püllen, dass in den täglichen Nachrichten immer weniger vom Krieg in der Ukraine zu hören und zu sehen ist. Die Bilder seien durch Tagespolitik oder durch den Gang von Boris Becker ins Gefängnis abgelöst worden. Der Krieg tobt aber noch immer. Er hat von seinem Schrecken nichts verloren. Püllen fährt diesmal nicht mit. Die Bilder, die er gesehen hat von den Menschen, die Hilfe brauchen, sind aber noch sehr lebendig.

Das Fußballspiel war für alle ein ganz besonderes emotionales Erlebnis, vor allem, als die ukrainischen Nationalhymne gesungen wurde.

Das Fußballspiel war für alle ein ganz besonderes emotionales Erlebnis, vor allem, als die ukrainischen Nationalhymne gesungen wurde.

Foto: KvGG

Das Unternehmen Intermarkt Thielen stellt den Lkw und den Fahrer für den Hilfstransport. Er habe keine Sekunde überlegen müssen, sagt Geschäftsführer und Inhaber Werner Thielen. Fahrer Arek wird nach dem Kinderheim in Rawa eine zweite Station anfahren, eine Notunterkunft in Raszowa.

„Wir haben eine Verantwortung“, sagt Nicole Lücke vom Gymnasium. Das gilt auch für das ihnen anvertraute Geld. Für die eingekauften Waren wurde knapp die Hälfte des erlaufenen Geldes aus dem Spendenlauf verwendet. Dankbar ist sie den lokalen Unternehmen, Sport Dorenkamp in Geldern, Mutter und Kind in Kevelaer, Seventyseven in Geldern und Edeka Brüggemeiter, dass sie Ware zu reduzierten Preisen zur Verfügung stellten und so noch Geld übrig ist. Das soll den Füchtlingen aus der Ukraine vor Ort helfen. Gedacht wird zum Beispiel an die Schüler. Elf junge Menschen aus der Ukraine besuchen aktuell das Gymnasium in Kevelaer. Weiteres Lernmaterial soll gekauft werden, damit die Sprachbarriere immer kleiner wird. Integration ist das große Thema. Geplant ist ein gemeinsamer Kochabend.

Das Sport verbindet erlebten Schüler und Lehrer bereits vor wenigen Tagen. Von Kevelaer aus ging es für einige zum Freundschaftsspiel zwischen Borussia Mönchengladbach und der ukrainischen Nationalmannschaft. Ben Tissen und Jerome van den Wyenbergh von der Schülervertretung waren dabei und erinnern sich an den Gänsehautmoment als die ukrainischen Nationalhymne gesungen wurde.

„Näher als alle anderen Kriege“ sei der momentane. Das mache Angst. Aber die Nähe zu den Geflüchteten, die gemeinsam mit ihnen zur Schule gehen, zeigt auch, wie man helfen kann. Mit dem 40-Tonner, der auf den Weg gebracht wurde, ist wieder ein Schritt mehr getan, um denen zu helfen, die gerade in Not sind. Die Bilder, die aktuell im Fernsehen und in den Zeitungen zu sehen sind, lassen keinen kalt.

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