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Weeze: 10 Jahre Airport – 15 Millionen Passagiere

Weeze : 10 Jahre Airport – 15 Millionen Passagiere

Der Niederrhein-Flughafen wird zehn Jahre alt. Insbesondere dank Ryanair gibt es heute fast 60 Ziele. Ohne die Ticketsteuer, klagt der Airport-Geschäftsführer, wäre die wirtschaftliche Lage entspannt. Rund 1200 Jobs entstanden.

Der Flughafen Weeze feiert seinen zehnten Geburtstag. Berücksichtigt man die Ankündigung der Briten, Laarbruch zu verlassen, und die Gründung der Flughafen Niederrhein GmbH, ist der Airport eigentlich schon 20 Jahre alt, meint Geschäftsführer Ludger van Bebber.

Er verantwortet den Betrieb seit Oktober 2004 und nutzt den Anlass des Zehnjährigen, den Männern der ersten Stunde seine Hochachtung zu zollen. "Die damaligen Akteure — allen voran Rudolf Kersting, Albert Holzhauer und Reinhard Gilleßen — hatten einen langen Weg mit vielen Herausforderungen vor sich. Dass sie sich nicht haben beirren lassen und allen Widerständen zum Trotz das Projekt zum Fliegen gebracht haben — davor ziehe ich den Hut." Gerade gestern konnte der 15 millionste Fluggast begrüßt werden.

Zehn Jahre, nachdem die erste Ryanair-Maschine nach London abhob, sieht sich der Airport auf einem guten Weg. Die Partnerschaft mit Ryanair, von vielen Kritikern argwöhnisch beäugt, spielt dabei eine große Rolle. Fast 60 Direktflug-Ziele stellen eine Größenordnung dar, wie sie keiner der anderen Regionalflughäfen bieten kann. Nach schwierigen Jahren 2011 und 2012 ist derzeit wieder Wachstum angesagt: plus zwölf Prozent Passagiere im März, und der Sommerflugplan beginnt erst. "Am Jahresende erwarten wir ein Plus von rund zehn Prozent", sagt van Bebber.

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Im Rückblick nennt der Flughafenchef wichtige Stationen: Ende 2003 startete V-Bird in Weeze und begeisterte viele Niederrheiner mit der Möglichkeit, nach München oder Berlin zu fliegen. Doch schon nach einem Jahr war Schluss, das Unternehmen insolvent. Einige Jahre lang füllte Ryanair die Lücke mit Berlin-Flügen, doch auch dies ist Vergangenheit. "Ganz wichtig war, dass wir 2007 Homebase für Ryanair wurden", sagt van Bebber.

Jahrelang belastete die Rechtsunsicherheit die Flughafen-Verantwortlichen. Sowohl private Kläger, als auch die niederländische Nachbargemeinde Bergen beschäftigten die Gerichte. Erst im Mai 2010 wurde der Streit um die Betriebserlaubnis endgültig begraben. Der Bürgermeister von Bergen, van Bebber und Flughafeninvestor Herman Buurman unterzeichneten einen außergerichtlichen Vergleich. Für Lärmschutzmaßnahmen und Entschädigungen floss einiges Geld. Voraussetzung für die Kläger, Ruhe zu geben, war die erweiterte Fluggenehmigung. Seither dürfen in Weeze beheimatete Flugzeuge bis 23 Uhr starten und bis 23.30 Uhr landen; andere Airlines müssen sich an das Zeitfenster 6-22 Uhr halten. Ausnahmsweise bewilligte nächtliche Ruhestörungen seien seltener geworden. "Wenn Anwohner nachts um drei ein Flugzeug hören, hat das nichts mit uns zu tun, sondern ist meist ein UPS-Transport von Köln Richtung USA", weiß van Bebber.

Da Ryanair den europäischen Markt fast gänzlich abdeckt, bleibt für andere Airlines kaum eine Chance, Weeze ein attraktives Angebot zu machen. Die Touristik entwickelt sich nur langsam. Es brauche Zeit, entsprechende Produkte aufzubauen, sagt der Flughafen-Chef. Spanien und die Türkei werden dank Airberlin, Tailwind und Transavia auch pauschal angeboten.

Viele Bürger beanstanden, dass der Flughafen den Kredit an den Kreis nicht zurückzahlt. "Ohne die Luftverkehrssteuer, also in einem wettbewerbs-fairen Umfeld, könnten wir unsere Verpflichtungen erledigen", wettert van Bebber. Die "Ticketsteuer" macht das Fliegen ab Deutschland für die Airlines deutlich teurer. In den Nachbarländern sind Gewinne eher zu erreichen.

"1000 Jobs" war damals die politische Zielsetzung — rund 1200 sollen es nach Erhebungen des Airport derzeit sein. "Das spült jährlich 15 Millionen Euro in die Systeme; in Steuern und Sozialversicherung", rechnet van Bebber vor. Zudem streiche der Bundesfinanzminister pro Jahr neun Millionen Luftverkehrssteuer allein aus Weeze ein.

(RP)