Zur Zukunft des Zechengeländes in Tönisberg

Tönisberg : Zechengelände muss gesichert werden

Der neue Eigentümer des Areals auf dem Wartsberg in Tönisberg berichtet von mehreren Einbrüchen. Der Zechen-Förderverein ist besorgt, dass die alte Bausubstanz zerstört wird.

Zerschlagene Fensterscheiben, verwüstete Räume, gröhlende Jugendliche in schwindelerregender Höhe auf dem Förderturm: In den vergangenen Monaten häufen sich die Einbrüche und Zerstörungen auf dem Gelände der ehemaligen Zechenanlage in Tönisberg. Schon mehrfach hat der Förderverein Schachtanlage Niederberg IV auf die missliche Situation hingewiesen. Die Zechenfreunde sind in Sorge, dass durch Vandalismusschäden viel von der alten Bausubstanz verloren gehen könnte. Immerhin stehen der frühere Förderturm und einige Nebengebäude unter Denkmalschutz. Der Verein sieht den neuen Eigentümer, den Krefelder Investor Wolf-Reinhard Leendertz, in der Pflicht, das Gelände zu sichern. Vereinsmitglieder haben ihre Hilfe angeboten, wollen auch ein wachsames Auge auf das Gelände halten.

Projektentwickler Ralf Drießen von der von Leendertz gegründeten Zechen-Verwaltungsgesellschaft bestätigte im Kempener Planungsausschuss, dass sich die Einbrüche häuften. Man sei mit der Kreispolizei in Viersen im Gespräch, die könne aber zur Sicherung des Gelände nicht viel tun, so Drießen. Man habe einen eigenen Wachdienst beauftragt, die Gebäude seien gesichert, Schlösser ausgetauscht worden. Auch die Schäden an den Gebäuden seien – zumindest provisorisch – behoben worden. Alle Dächer der Gebäude seien dicht.

Für Leendertz und sein Team kommt es darauf an, möglichst schnell Flächen in den Gebäuden auf dem Gelände zu vermieten, um dort wieder Leben herein zu bringen. Seit dem Auszug der Firma Naue ist das Areal verwaist. Für Leendertz ist die zügige Vermietung von Flächen beispielsweise als Lager auch deshalb wichtig, um Mieteinnahmen zu generieren, die wiederum in die weitere Entwicklung des Zechen-Campus investiert werden können. Nach diesem Verfahren hat Leendertz auch das ehemalige Verseidag-Gelände in Krefeld, den heutigen Mies-van-der-Rohe-Business-Park, entwickelt.

Das Verfahren ist nachvollziehbar. Bis der Campus einmal komplett fertig und bezogen sein wird, kann es viele Jahre dauern. Gleichwohl lässt Leendertz keinen Zweifel daran, dass er gewillt ist, das rund 100.000 Quadratmeter große Gelände auf dem Wartsberg schrittweise einen neuen Nutzung zuzuführen. Da ist bei allen Beteiligten vor allem eins gefragt: Geduld und Durchhaltevermögen.

Das gilt auch für den rührigen Zechen-Förderverein um Peter Kunz und Ben Burchardt. Sie drängen seit Längerem auf ein Gespräch mit Leendertz. Einen Termin gab es schon, er musste aber kurzfristig verschoben werden. Projektentwickler Ralf Drießen erklärte jetzt im Planungsausschuss, dass er sich bald mit Vereinsmitgliedern und Vertretern des Naturschutzbundes (Nabu) treffen wolle, um deren Ideen und Vorstellungen zu hören. Ein kleines Bergbaumuseum, so wie es der Förderverein bereits ins Gespräch gebracht hatte, sei durchaus denkbar, betonte auch Investor Leendertz.

Auch die Kempener Politik ist an einem Ortstermin interessiert. Eine Besichtigung des Geländes – immer wieder erwünscht – hat es bislang, auch unter dem alten Eigentümer Ruhrkohle AG, nicht gegeben. Planungsausschuss-Vorsitzender Detlef Krahé erneuerte daher die Bitte der Politik gegenüber Leendertz. Der zeigte sich aufgeschlossen.

Mehr von RP ONLINE