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Zum Fall einer Familie, die im Corona-Risikogebiet Katalonien im Urlaub war, äußern sich zwei Hausärztinnen aus St. Hubert.

Hausärztinnen aus St. Hubert erklären die Situation : Reiserückkehrer: Corona-Tests nur in Arztpraxen

Zum Fall einer Familie, die im Corona-Risikogebiet Katalonien im Urlaub war, äußern sich zwei Hausärztinnen aus St. Hubert. Sie wünschen sich zudem, dass der Kreis das mobile Corona-Untersuchungszentrum (CUZ) reaktiviert.

An das Verantwortungsbewusstsein von Reiserückkehrern aus Corona-Risikogebieten und daran, sich schon im Urlaub rechtzeitig um einen Test in der Heimat zu kümmern, appellieren die St. Huberter Hausärztinnen Christine Janssen-Hinz und Imke Tillmann. Hintergrund ist der Fall einer Familie aus St. Hubert, die am vergangenen Freitag mit dem Auto aus dem Urlaub im Risikogebiet Katalonien zurückgekehrt war und sich an unsere Redaktion wandte, weil die Suche nach einem Arzt, der einen Test auf das Coronavirus durchführt, eine Odyssee gewesen sei.

Allerdings: Die Familie kam erst am Freitagmittag in Deutschland an. „Die meisten niedergelassenen Ärzte bieten Tests an, die bis Freitagmittag möglich sind. Danach werden die Labore, in denen die Tests ausgewertet werden, nicht mehr angefahren, und am Wochenende sind die Praxen geschlossen“, sagt Imke Tillmann. Die Notdienstpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) sei, „wie der Name schon sagt, für Notfälle zuständig, und ein Reiserückkehrer aus einem Risikogebiet, der einen Test wünscht, um nicht in Quarantäne zu müssen, ist kein Notfall. Da hätte die Familie entweder Freitagvormittag zu ihrem Hausarzt gehen oder in den sauren Apfel beißen und bis Montag mit dem Testen warten müssen“, sagt Tillmann. Am Montag sei ein Test bei einem niedergelassenen Arzt möglich gewesen, das Ergebnis hätte am Dienstag vorgelegen, und die Kinder hätten am Mittwoch zur Schule gehen können. Tillmann und Janssen-Hinz sehen ihren Berufsstand zu Unrecht an den Pranger gestellt und äußern sich daher zu diesem konkreten Fall, der sie allerdings nicht direkt betrifft, da die Familie nicht versucht hat, in ihrer Praxis einen Termin zu bekommen.

Das Gesundheitssystem in Deutschland – seien es Arztpraxen, KV-Dienst, Krankenhäuser oder Gesundheitsämter – funktioniere auch in Pandemie-Zeiten sehr gut, sagen die Ärztinnen. Da sollten Anerkennung und Respekt gegenüber dem, was Pfleger, Medizinische Fachangestellte, Ärzte und Gesundheitsamt trotz ständiger Eigengefährdung leisten und geleistet haben, im Vordergrund stehen – und nicht die Tatsache, dass ein Test statt Freitagnachmittag erst Montagvormittag durchgeführt werde, finden Janssen-Hinz und Tillmann. Immerhin seien Corona-Tests für Reiserückkehrer überhaupt möglich und sogar kostenlos. „Primär sind wir Hausärzte für die Versorgung der Kranken zuständig. Tests rechnen sich für uns nicht, aber wir machen sie, um die Pandemie einzudämmen, und gehen dabei ein zusätzliches Risiko ein. Schließlich würde unsere Praxis geschlossen, wenn sich ein Mitarbeiter anstecken würde“, sagt Christine Janssen-Hinz.

Sie und ihre Kollegin Imke Tillmann wünschen sich, dass der Kreis Viersen das mobile Corona-Untersuchungszentrum (CUZ) reaktiviert, dessen Betrieb zu Beginn der Schulferien vorübergehend eingestellt wurde. „Wir stehen jetzt vor der ,normalen’ Grippewelle im Herbst, und die Corona-Zahlen steigen wieder. Das CUZ würde die Hausärzte entlasten“, sagt Tillmann.

„Für regelmäßige Testungen von in aller Regel asymptomatischen Personen aus dem Schul- bzw. Kita-Bereich ist das CUZ nicht vorgesehen. Außerdem ist über eine Verordnung des Bundesministeriums für Gesundheit die Zuständigkeit für derartige Testungen eindeutig geregelt. Diese Testungen sind nicht von den unteren Gesundheitsbehörden, sondern von den niedergelassenen Ärzten zu erbringen“, so Kreiskämmerer Thomas Heil, als Dezernent aktuell auch für Gesundheit zuständig, auf Nachfrage. Da die positiven Fallzahlen zurzeit wieder deutlich steigen, sei es umso mehr geboten, das CUZ für seinen ursprünglich angedachten Zweck vorzuhalten, nämlich Personen zu testen, die Symptome haben, beziehungsweise Kontaktpersonen sind. „Nichtsdestotrotz sind wir in intensiven Gesprächen mit der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, um gegebenenfalls einzuspringen, sollte es der Kassenärztlichen Vereinigung nicht gelingen, die ihr zugewiesene Aufgabe vollumfänglich zu bewältigen“, so Heil.

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