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Stadt Kempen: Zukunft des Archivs hängt an der Burg

Stadt Kempen : Zukunft des Archivs hängt an der Burg

Im Kreiskulturausschuss diskutierten die Politiker über die künftige Ausrichtung des Kreisarchivs. Die ist eng verknüpft mit der Zukunft der Kempener Burg, wo es untergebracht ist. Kreis und Stadt suchen gemeinsam nach einer Lösung.

Archiv, Luxus-Hotel oder Seniorenresidenz - wenn es um die Zukunft der Kempener Burg geht, gibt es seit Jahren diverse Nutzungsvorschläge. Die ehemals kurkölnische Residenz ist unbestritten ein Wahrzeichen der Stadt Kempen. Deshalb will eine künftige Nutzung auch besonders gut überlegt sein. Und weil der historische Bau in Top-Lage neben der Außenstelle des Straßenverkehrsamtes im Gewerbegebiet an der Heinrich-Horten-Straße die letzte Immobilie ist, die der Kreis in der früheren Kreisstadt besitzt, will der Eigentümer besonders umsichtig mit möglichen Zukunftsperspektiven umgehen. Das wurde auch in der Sitzung des zuständigen Kreiskulturausschusses am Donnerstagabend im Viersener Kreishaus-Forum deutlich.

Eigentlich befassten sich die Kreispolitiker mit einem Strategie- und Handlungskonzept fürs Kreisarchiv, das dessen Leiter Dr. Gerhard Rehm gemeinsam mit der Kreisverwaltung erarbeitet hatte. Obwohl es Lob für die Fleißarbeit gab, wurde das Papier auch als unzureichend und wenig zukunftsweisend kritisiert. Knackpunkt einer künftigen Ausrichtung des Archivs ist indes die Standortfrage. Kreiskulturdezernent und Kreisdirektor Dr. Andreas Coenen erinnerte im Ausschuss an die Machbarkeitsstudie zur Zukunft der Burg, die Kreis Viersen und Stadt Kempen gemeinsam auf den Weg bringen wollen. Im städtischen Kempener Haushalt sind dafür bereits für dieses Jahr 50 000 Euro eingestellt. Der Kreis will sich an den Kosten einer solchen Studie beteiligen. Außerdem hoffen die Beteiligten auf Landesmittel aus einem Stadterneuerungsprogramm. Aus diesem Topf wurde bereits die Umgestaltung des Klosterhof-Umfeldes und der neue Eingang zum Kulturforum Franziskanerkloster mitfinanziert. Ob es jetzt auch einen Zuschuss zum Burg-Gutachten gibt, ist derzeit offen, ein Bewilligungsbescheid könnte angesichts der aktuellen Haushaltssperre, die die NRW-Landesregierung soeben verfügt hat, auf sich warten lassen.

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Nichtsdestotrotz sind die Partner Stadt und Kreis weiterhin gewillt, nach einer Lösung für die Burg und die derzeit unbefriedigende Unterbringung des Kreisarchivs zu suchen. Wie Kreisdirektor Coenen im Ausschuss erklärte, sei er sich mit Kempens Bürgermeister Volker Rübo einig, in der Frage "nichts übers Knie zu brechen". Ebenso einig sei man sich, dass in der Sache die Kempener Bürger breit beteiligt werden sollten. "Wir wollen eine Art Ideenwettbewerb ausschreiben", sagte Coenen. Die Kempener könnten sich dabei einbringen. Man könne auch eine Projektstudie von Architektur-Studenten auf den Weg bringen.

Fakt bleibt: Die Standortfrage ist die Zukunftsfrage des Archivs schlechthin. Nachdem die Kreiseinrichtung inzwischen auch die Kommunalakten sämtlicher kreisangehöriger Städte und Gemeinden übernommen hat, musste der Kreis bereits Lagerflächen in Viersen-Dülken anmieten. Dort ist das so genannte Zwischenarchiv untergebracht, dass von Mitarbeitern im Viersener Kreishaus häufig genutzt wird. Zudem sind seit einigen Jahren Archivalien schon in gemietete Räume im Arnoldgebäude am Kempener Bahnhof ausgelagert.

Eine Prognose für den Standort Kreisarchiv ist derzeit schwer fassbar. Feststeht, dass die Unterbringung verbessert werden muss, will man die Einrichtung auch der Öffentlichkeit stärker zugänglich machen. In der Burg beispielsweise gibt es keinen Aufzug für die Kunden, es gibt zu wenig Ausstellungsfläche, um Archivgut in Sonderschauen zu präsentieren. Auch für den Besuch von Schulklassen ist die Raumkapazität in der Burg begrenzt.

Ein Neubau würde wohl etliche Millionen Euro kosten, die der Kreis nicht auf der hohen Kante liegen hat. Deshalb scheint klar, dass er seine Immobilie auch nicht für den symbolischen einen Euro abgeben wird. In den Büchern des Kreises ist das Gebäude mit einem Wert von 274 000 Euro notiert. Der Verkaufspreis dürfte aber deutlich über dem Buchwert liegen. Wichtig sind Kreis Viersen und Stadt Kempen eine seriöse Anschlussnutzung für die Burg. Der neue Kempener Denkmalausschuss hat das Thema Burg ebenfalls auf seiner Agenda.

(RP)