Stadt Kempen: Zukunft der Burg mit der des Archivs verknüpft

Stadt Kempen : Zukunft der Burg mit der des Archivs verknüpft

Die Ideenwerkstatt mit Studenten war nur ein erster Schritt, um zu einer neuen Nutzung des historischen Wahrzeichens zu kommen. Weitere werden folgen. Dies ist kein einfacher Prozess. Eine Analyse.

Mit der studentischen Ideenwerkstatt zur künftigen Nutzung der Kempener Burg haben Stadt Kempen und Kreis Viersen Neuland betreten. Die Studierenden von mehreren nordrhein-westfälischen Hochschulen haben Ende April nach eine Bestandsaufnahme erste Ideen für die alte Festung geliefert. Die werden in diesen Wochen von den Arbeitsgruppen verfeinert und sollen noch vor den Sommerferien fertig sein. Anschließend wird eine Fachjury die Vorschläge begutachten und auch einen besten davon auswählen. Doch damit ist erst ein Schritt auf einem noch langen Weg getan. Die Zukunft der Burg ist für Kempen von großer Bedeutung.

Fest steht: Die Kempener Burg mit dem Kreisarchiv ist das letzte Relikt aus der glorreichen Zeit, als die Thomasstadt noch den Kreissitz inne hatte. Kempen musste vor genau 40 Jahren nach einen langen traditionsreichen Geschichte die Führungsrolle im Landkreis an Viersen abgeben, obwohl die Kreispolitik dies gar nicht wollte. Der nordrhein-westfälische Landtag entschied seinerzeit, den Kreissitz von Kempen an die nach der kommunalen Neugliederung um Dülken, Süchteln und Boisheim zu größten Stadt im Kreis gewachsenen Stadt Viersen zu verlegen und den Kreis entsprechend umzubenennen.

Der Verwaltungsgerichtshof des Landes hatte am 6. Dezember 1975 entsprechende Klagen der Stadt Kempen und des Kreises abgewiesen und damit die Entscheidung des Düsseldorfer Landtages bestätigt. Das war für Kempen ein schwerer Schlag, der bis heute nachwirkt. Viele alte Kempener trauern dem Verlust des Kreissitzes nach.

Ende April entwickelten Studenten von nordrhein-westfälischen Hochschulen vier Tage lang in Kempen - auch im Dialog mit Bürgern und Experten - Ideen für eine neue Nutzung der Burg. Nun werden die Vorschläge verfeinert. Foto: Kaiser, Wolfgang (wka)

Mit dem Umzug der Kreisverwaltung in das neue Kreishaus auf dem ehemaligen Fabrikgelände der Firma Kaiser's in Viersen im Jahre 1984 vollzog sich ein Umbruch, der für Kempen schmerzlich war. Die Burg ist heute das letzte sichtbare Fanal der glorreichen Geschichte Kempens als Kreisstadt.

Das muss man wissen, um ermessen zu können, welche Bedeutung für Kempen die Frage hat, was aus der Burg wird. Wissen muss man auch, dass die Kreisverwaltung die Immobilie gerne los werden möchte. Die Unterhaltung der ehemaligen kurkölnischen Festung ist aus Sicht des Kreises zu teuer. Sie beherbergt als einzige Kreiseinrichtung noch das Archiv.

Die Unterbringung ist allerdings schwierig, längst sind nicht mehr alle Archivalien in der Burg selbst gelagert, hat der Kreis im ehemaligen Arnold-Gelände hinter dem Kempener Bahnhof und inzwischen auch in Dülken Lagerräume angemietet. Einen Neubau auf der Burgwiese, so wie ihn einige der Studenten im Rahmen der Ideenwerkstatt jetzt vorgeschlagen haben, wird es wohl nicht geben. In Kempen ist man sehr darauf bedacht, das Kreisarchiv zu halten, zumal es eine vertragliche Vereinbarung mit dem Kreis darüber gibt, das Stadtarchiv vom Kreisarchiv mitführen zu lassen.

Ob diese Vereinbarung Bestand haben wird, bleibt abzuwarten. Immerhin hatten sich Stadt und Kreis vor Jahren auch darauf verständigt, die gemeinsame Kreis- und Stadtbibliothek zu trennen. Der Kreis gab seine Bücherei auf, die Stadt baute ihre Bibliothek im Kulturforum Franziskanerkloster zu einem modernen, leistungsfähigen Medienzentrum aus. Warum sollte dies nicht auch bei einer Trennung von Kreis- und Stadtarchiv gelingen?

Die Politik in Kempen sollte bei allen künftigen Überlegungen über eine neue Nutzung der Burg sehr genau darauf achten, dass das historische Gebäude als Wahrzeichen der Stadt erhalten bleibt. Dort ein Luxus-Hotel oder eine Seniorenresidenz einzurichten, sind alt bekannte Nutzungsvorschläge.

Dazu müsste allerdings erst ein Investor gefunden werden, der solche Pläne in Abstimmung mit dem Landeskonservator denkmalgerecht umsetzt. Ein solcher Investor müsste viel Geld für den Umbau und die Sanierung der Burg mitbringen. Er wäre sicherlich nicht bereit, auch für den Ankauf der Immobilie noch tief in die Tasche zu greifen. Für einen symbolischen Wert von einem Euro wird die Burg aber nicht zu haben sein.

Die von Stadt und Kreis geplante Machbarkeitsstudie - sie wird wohl frühestens im nächsten Jahr umgesetzt - soll weitere Erkenntnisse liefern. Aber auch damit wird die Entscheidung schwierig bleiben.

(RP)