Stadt Kempen: Zeche: Kritik an starrer Haltung der Stadt

Stadt Kempen : Zeche: Kritik an starrer Haltung der Stadt

Der Kempener Historiker Dr. Hans Kaiser hält den Förderturm für ein wichtiges Wahrzeichen.

Wenn am Montag um 18 Uhr der neue Denkmalausschuss zu seiner ersten Sitzung zusammenkommt, dann wird die Diskussion des Gremiums um eine mögliche Unterschutzstellung des Förderegerüstes der ehemaligen Schachtanlage auf dem Wartsberg in Tönisberg auf besonders großes Interesse beim Publikum stoßen. Es könnte eng werden im Sitzungssaal des Kempener Rathauses am Buttermarkt.

Wie berichtet schlägt die Verwaltung dem Ausschuss vor, die Zeche nicht unter Denkmalschutz zu stellen. Der zuständige Baudezernent Stephan Kahl hatte zuletzt in öffentlichen Äußerungen - auch gegenüber der Rheinischen Post - einen Denkmalwert der früheren Zechenanlage als nur sehr gering eingestuft. Die Stadt schlägt dem Ausschuss - wie schon dem Vorgängergremium Bau- und Denkmalausschuss Mitte März - vor, den Förderturm nicht unter Schutz zu stellen.

Die Äußerungen haben bereits die beiden Bürgerinitiativen zur Rettung des Zechenturms sowie "Denk mal an Kempen" auf den Plan gerufen. Sie laden die Bürger heute um 17 Uhr zu einer Kundgebung vor dem Rathaus für den Erhalt der ehemaligen Zechengebäude ein. Sie wollen gegen die starre Haltung der Stadtverwaltung demonstrieren, die - entgegen eines Gutachtens des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege - eine Unterschutzstellung und den möglichen Erhalt des früheren Förderturms nach wie vor ablehnt.

Dezernent Kahl und Bürgermeister Volker Rübo haben mehrfach in den vergangenen Monaten bestritten, dass der Turm und der Bergbau in Tönisberg ein wesentlicher Teil der Geschichte der Stadt Kempen sei. Auf dem Wartsberg sei über einen relativ kurzen Zeitraum von zehn Jahren nur einer von vier Versorgungsschachtanlagen der Zeche Niederberg betrieben worden, der, so die offizielle Meinung der Stadt, selbst für die Gesamtgeschichte des Steinkohlenbergbaus im Ruhrgebiet von eher geringer Bedeutung gewesen sei.

Die Befürworter für eine Unterschutzstellung des Zechenturms als Denkmal sehen dies anders. "Bei der Diskussion um den Tönisberger Abteufturm wird bisher nicht beachtet, dass er ein Wahrzeichen für die Geschichte der gesamten Stadt Kempen ist", sagte gestern der Historiker Dr. Hans Kaiser, Mitglied in der Bürgerinitiative "Denk mal an Kempen", die sich auch für eine grundsätzliche Neuausrichtung der Denkmalpolitik in Kempen einsetzt.

K aiser verweist auf die Historie: Tönisberg zählte um 1900 nur 904 Einwohner und gehörte jeweils zur Hälfte zum Kreis Moers und zum Kreis Kempen. Erst 1929 wurden die beiden Dorfhälften zu einer politischen Gemeinde mit einem gemeinsamen Gemeinderat vereinigt und dem Landkreis Kempen-Krefeld unterstellt. Aber nach wie vor wurde der kleine Ort in Personalunion mit Hüls verwaltet.

Erst der Bau der Zechenanlage seit 1959 sorgte für einen Anstieg der Bevölkerungszahl auf 3106 (1971) und machte den Ort so gewichtig, dass er mit Wirkung vom 1. Januar 1970 mit St. Hubert, Schmalbroich und Hüls zum neu geschaffenen Verwaltungsverband der Stadt Kempen kam. Ohne seinen Bergbau und den damit verbundenen Bevölkerungszuzug wäre Tönisberg heute möglicherweise als Teil des Verwaltungsstandortes Hüls, der 1976 nach Krefeld kam, ein Teil der Stadt Krefeld.

Für den Historiker Kaiser gibt es nicht nur die Kempener Altstadt. "Auch die anderen Stadtteile haben Baudenkmäler vorzuweisen, die für die Stadtgeschichte unverzichtbar sind." Bis 2001 als Entlüftungsschacht benutzt, sei der Turm von Tönisberg "heute in Deutschland das letzte erhalten gebliebene Fördergerüst dieser Art und ein Symbol des Bergbaus, der Tönisberg nachhaltig geprägt hat. Eine Landmarke, die aus allen Richtungen von weitem gesehen wird", so Kaiser.

Der Gedanke sei nicht neu: Vor geraumer Zeit habe bereits der Heimatverein Tönisberg eine Anfrage an den damaligen Bau- und Denkmalausschuss gestellt, ob das einmalige Schachtgerüst in Tönisberg nicht Denkmal wäre. "Darauf bekamen wir zur Antwort, dass man da erst ein Gutachten einfordern müsste, das zu entscheiden", erklärte Hans Krudewig vom Heimatverein Tönisberg. Bemerkenswert: Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits das Gutachten des Zechenexperten Prof. Dr. Walter Buschmann vom Rheinischen Denkmalamt. Es schlummerte allerdings unbeachtet über Jahre in irgendeiner Schublade im Kempener Rathaus.

(hk-)
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