Wünsche für die Berliner Allee

Kempen : Initiative wünscht Vorrang für Radfahrer

Mit etlichen Forderungen tritt die Bürgerinitiative „Fahrradstadt Kempen“ auf. Der Schwerpunkt des Wunschkatalogs liegt auf der Berliner Allee und den umliegenden Straßen. Die Verwaltung hat die gesamte Stadt Kempen im Blick.

Seit 50 Jahren lebt Gisela Ditzen mit ihrer Familie an der Berliner Allee in Kempen. Die Wohnstraße habe sich in den vergangenen Jahren immer mehr zur einer Durchgangsstraße entwickelt. „Der Autoverkehr hat zugenommen und in letzter Zeit kommt immer mehr Lkw-Verkehr hinzu“, klagt sie. Durch das geplante Neubaugebiet Kempen-West rechnet Familie Ditzen mit einer Verschlimmerung der Situation. Noch mehr Verkehrsgefährdung für Radfahrer und Fußgänger, noch mehr Lärm und Abgase. Vor diesem Hintergrund hat Gisela Ditzen mit einigen Mitstreitern eine Bürgerinitiative gegründet. Ihr Ziel: Verkehersberuhigung auf der Berliner Allee und den umliegenden Straßen.

Die Initiative ist davon überzeugt, dass alle Probleme in dem Wohnviertel gelöst werden könnten, wenn zukunftsorientiert geplant und die Mobilitätswende in Angriff genommen würde, damit nicht nur für die Anwohner mehr Lebensqualität entsteht. Dafür hat man bereits Ideen entwickelt. So sollen die Berliner Allee und die Birkenallee Fahrradstraßen werden, auf der neben Fahrrädern nur noch Linienbusse und Anwohner fahren dürfen. Eine Planung, die sich die Initiatoren auch für die Ziegelheider Straße, den Dämkesweg und den Heyerdrink vorstellen.

Eine westliche Umgehungsstraße wird gewünscht, die Sportstätten an der Berliner Allee sollen nur noch über die Straelener Straße erreicht und die Ampel Dämkesweg/Ziegelheider Straße soll abgebaut werden. Die Bürgerinitiative fordert außerdem das neue Wohnquartier „Kempen-West“ auto- und CO2-frei zu planen. Es wird eine Carsharing-Station und ein Parkhaus oder eine Tiefgarage für Anlieger und Besucher inklusive E-Ladesäulen direkt an der gewünschten Umgehungsstraße vorgeschlagen und zwar ohne Pkw-Zufahrtsmöglichkeiten von Berliner Allee oder Ziegelheider Straße.

„Die Stadt hat keine Verkehrsplanung“, wirft Rainer Clute-Simon von der Bürgerinitiative der Verwaltung vor. Bei der Stadt Kempen sieht man das ganz anders. „Wir betrachten die gesamte Stadt und suchen nach Lösungen, die allen gerecht werden. Wir sind allen Bürgern verpflichtet“, betont der Technische Beigeordnete Marcus Beyer. Dass sich die Radverkehrssituation speziell an der Berliner Allee, an der auch das Luise-von-Duesberg-Gymnasium und das Badezentrum „Aqua Sol“ sowie das große Sportzentrum liegen, nicht optimal darstellt, ist bekannt. Auch deshalb hat die Stadt bekanntlich zwei Planungsbüros mit der Erstellung eines neuen Radverkehrskonzeptes beauftragt.

Die Bürgerinitiative will zudem die Berliner Allee als Unfallschwerpunkt ausgemacht haben. Dies scheint ein subjektiver Eindruck zu sein, den die Kreispolizei nicht bestätigen kann. Im vergangenen Jahr kam es nach der Angaben der Polizei auf der gesamten Länge der Straße insgesamt zu 16 Unfällen. Darunter waren ein Unfall mit einem leicht Verletzten, ein schwerwiegender Unfall mit Sachschaden und 13 Unfälle mit Sachschaden ohne Alkoholeinwirkung. Dazu kommt ein weiterer Unfall mit Sachschaden in der Kategorie „unter Alkoholeinwirkung oder anderer berauschender Substanzen“. Die Tendenz der Unfälle ist abnehmend. Im Jahr 2017 waren es noch 28 Unfälle.

Beigeordneter Beyer verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass eine Ampel wie die an der Ecke Dämkesweg/Ziegelheider Straße das sicherste Instrument in der Verkehrsführung ist. Vorausgesetzt, dass sich alle Verkehrsteilnehmer an die Verkehrsregeln halten, was im Übrigen generell für den gesamten Straßenverkehr gilt. In Sachen abnehmender Verkehr, mehr Sicherheit auf den Straßen und einem damit verbundenen vermehrten Umweltschutz gibt es aus Sicht der Stadtverwaltung nur eine Lösung. Und die heißt: Jeder einzelne Bürger sollte sein persönliches Fahrverhalten überdenken. Ist die geplante Fahrt mit dem Auto wirklich nötig oder kann auch das Fahrrad genommen werden? Auch etwas mehr Rücksichtnahme im Straßenverkehr auf die anderen Verkehrsteilnehmer habe noch niemanden geschadet.

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