Workshop "Vom Korn zum Brot" im Niederrheinischen Freilichtmuseum Grefrath

Grefrath : Vom Klebeteig zum leckeren Brötchen

Im Rahmen des Herbstferienangebotes „Vom Korn zum Brot“ erlebten Kinder und Erwachsene im Niederrheinischen Freilichtmuseum die Entstehung von Brot. Außerdem wurden Brötchen gebacken.

„Das ist aber ganz schön klebrig!“. Die Bemerkung von Maja löst allgemeines Schmunzeln in der knapp 20-köpfigen Gruppe im museumspädagogischen Raum des Niederrheinischen Freilichtmuseums aus. Aber die Achtjährige hat vollkommen Recht. Der Teig aus Mehl, Hefe, Wasser, Honig und Salz, den alle zusammen gerade angerührt haben, hat eine klebrige Konsistenz, und das Formen der Brötchen gestaltet sich als nicht so ganz einfach. Aber egal, ob es ein rundes oder ein eher ovales Werk wird – Kinder und deren Begleitung in Form von Eltern und Großeltern sind mit Begeisterung bei der Sache. Im Rahmen der Herbstferienaktion „Vom Korn zum Brot“ erfahren die Teilnehmer wie einst Getreide angebaut, geerntet und verarbeitet wurde, wobei der praktische Teil auf der ganzen Linie überwiegt – die verschiedenen Getreidesorten kennenlernen und als Ähre oder Korn in die Hand nehmen. Anhand der alten Gerätschaften wie Hunspflug, Egge, Göpel, Sense, Sichte, Dreschflegel, Maathaken, Windfege sowie Worfelwanne in vergangene Zeiten eintauchen und selber einmal die Handmühle bedienen, die das Prinzip der Mahlsteine verdeutlicht – es geht informativ zu.

Das Spannendste ist aber das Brötchenbacken an sich. Inzwischen haben alle ihren Teig in Form gebracht. Auf zwei Backblechen liegen die Brötchen, und es geht im Gänsemarsch zum Backhaus an der Hofanlage Rasseln hinüber. Wäsche flattert auf der Leine, die Hühner laufen gackernd um den Brunnen und die Pferde schauen von der Koppel herüber, während sich der Rauch aus dem Kamin der Backstube ringelt.

Vor dem Backen der Brote und Brötchen müssen die Zutaten sorgsam zusammengestellt werden. Foto: Norbert Prümen

Andy Schröder ist schon fleißig bei der Arbeit. Der Mitarbeiter des Freilichtmuseums hat den Holzbackofen vorgeheizt. „Der Backofen wurde schon heute morgen um 8 Uhr eingeheizt, damit er jetzt die benötigte Hitze hat“, informiert Lena Heerdmann, wissenschaftliche Volontärin des Freilichtmuseums. Neugierig schieben sich die kleinen und großen Teilnehmer an das Backhaus heran und schauen durch die Gitterstäbe des offenen Fensters ins Innere. Schröder hat gerade die gusseiserne Backofentür geöffnet und gibt den Blick auf glimmende Holzstücke frei. Einen Eindruck, wie warm es im Inneren des Ofens sein muss, erhalten die Teilnehmer von außen, Heerdmann nimmt sie nämlich zu dem gemauerten Ofen mit. Der strahlt eine wohlige Wärme aus. „Ihr könnt ruhig die Hände auflegen, nur nicht die Platte berühren“, erklärt sie und deutet auf die viereckige Platte, die in den Mauersteinen eingelassen ist. Kinderhände strecken sich aus, und auch so mancher Erwachsener fühlt einmal, wie angenehm warm die Steine sind. „Schön“, bemerkt Max, der sich mit dem Rücken an die abgerundete Wand anlehnt und die Wärme genießt. Derweil hat Schröder zu einem Schieber gegriffen, mit dem er die noch glühenden Holzstücke aus dem Ofen herausholt und in eine Zinkwanne legt. „Gebacken wurde früher immer an einem Samstag. Zuerst kamen die Schwarzbrote in den Ofen, weil sie die höchsten Temperaturen brauchen. Danach folgten die helleren Brote und etwas Gebäck und Kuchen für den Sonntag“, berichtet Heerdmann.

Doch bevor die Brötchen in den Ofen gehen ist noch Wischen angesagt. Schröder hat ein Tuch im Zinkeimer mit Wasser getränkt, ausgewrungen und um den Schieber geschlungen. Reste von Glut und Ruß werden aus dem Ofen gewischt. „Wer möchte einmal in den Ofen schauen?“, will die wissenschaftliche Volontärin wissen. Im Backhaus wird es voll, weil jeder einmal schauen möchte, wohin die Minibrote gehen. Frisch geputzt dürfen nun die Brötchen in den Ofen.

Hergestellt wurden die leckeren Dinge in der Hofanlage Rasseln des Freilichtmuseums. Foto: Kaiser, Wolfgang (wka)

Vorsichtig balancieren Maja und Lotta die beiden Bleche in Richtung der Ofenklappe, wo sie von Heerdmann und Schröder eingeschoben werden. Ein letzter Blick, dann geht die Klappe zu. Warten ist angesagt. „Das dauert jetzt rund 20 Minuten“, sagt Schröder. Die jüngeren Teilnehmer entschwinden in Richtung Piratenschiff, um eine Runde zu toben, während die Erwachsenen noch die ein oder andere Frage in Sachen Brotbacken haben. Dann ist es endlich so weit: Mit dicken Handschuhen ausgerüstet ziehen die Teilnehmer die heißen Bleche aus dem Holzbackofen. Ein köstlicher Geruch breitet sich im Backhaus aus. „Das sieht lecker aus“, sind sich Lasse und Joan einig, während Quinn noch einmal bestätigt, wie viel Spaß ihm das Backen gemacht hat.

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