Gemeinde Grefrath: Wo die Lakritzpfeifen zu Hause sind

Gemeinde Grefrath : Wo die Lakritzpfeifen zu Hause sind

Monika und Dieter Schommer lassen den Tante-Emma-Laden des Niederrheinischen Freilichtmuseums lebendig werden. Das Ehepaar bewirtschaftet seit fünf Jahren das historische Lädchen auf dem Museumsgelände in Grefrath.

In dickbauchigen Gläsern locken Veilchenpastillen, Knuspermünzen, Knöterich- und Brotbonbons. Gestreifte Zuckerstangen leuchten mit kleinen roten Lutschern und Himbeerdrops um die Wette. Bunte Liebesperlchen in Fläschchen mit Nuckel geben sich ein Stelldichein neben Lakritzpfeifen. Ein Stückchen weiter auf der Theke steht die im Glas eingemachte Wurst neben Senfpöttchen, Honig und Rübenkraut. Eine große Tafel verrät, dass es Schmalz- und Wurstbrote gibt, aber auch Kellerkuchen und Nussecken.

Der Duft von frisch aufgebrühtem Kaffee vermischt sich mit dem von selbstgemachtem Apfelkuchen. Alte Hausgerätschaften wie Kaffeemühlen, Milchkannen, Waschbretter und ein Kaffeeröster ziehen die Blicke ebenso auf sich. Blechspielzeug steht im Regal und an den Wänden hängen alte Ledertornister vereint mit Zigarrenbrettern. Irgendwie scheint es, als wäre die Zeit stehen geblieben. Hektik und Stress bleiben vor der Tür. Wer über die Schwelle des Tante-Emma-Ladens im Niederrheinischen Freilichtmuseum tritt, der erlebt eine wundersame Zeitreise in eine Welt, wo der Einkauf von der freundlichen Frau hinter der Theke noch abgepackt wurde und ein jeder Zeit für ein Schwätzchen hatte.

Abpacken, das machen Monika und Dieter Schommer auch. Denn wer Süßigkeiten bei ihnen im Tante- Emma-Laden einkauft, der erhält ein dreieckiges weißes Tütchen, das genau nach Wunsch befüllt wird. Hier ist es nämlich möglich, sich seine ganz persönliche Süßigkeitenmischung zusammen stellen zu lassen. "Und Zeit für ein Schätzchen haben wir auch immer", meint das Ehepaar lachend. Seit nunmehr fünf Jahren ist der Tante-Emma-Laden ihr zweites Zuhause geworden. "Eigentlich sind wir daran gekommen, wie die Jungfrau zum Kind", verrät Monika Schommer schmunzelnd. Schon immer aktiv im Förderverein des Museums, störte es das Grefrather Ehepaar, dass der Laden, der in einem reetgedeckten Bauernhaus aus dem Jahr 1785 untergebracht ist, nur sporadisch besetzt war. "So ein Lädchen ist doch ein Kommunikationszentrum. Dorthin kamen die Menschen früher nicht nur zum Einkaufen, sonder auch zum Klönen hin und das wünschten wir uns für das Museum", erinnert sich Dieter Schommer.

Darauf angesprochen hatte der damalige Museumsdirektor die Idee, dass die Schommers doch den Tante-Emma-Laden übernehmen könnten. Und genau das passierte. "Das Schwierigste war am Anfang, die Produkte zu finden, die zum Lädchen passen. Das traf besonders auf die Süßigkeiten zu. Wir wurden so von Besuchern nach Brotbonbons gefragt, die früher gang und gebe waren. Wir aber mussten uns fragen, wo gibt es die heute?", berichtet Monika Schommer. Das Ehepaar wurde durch einen Zufall fündig und entdeckte einen Großhändler, der unter anderem die richtigen Lakritzpfeifen aus Dänemark besorgt und sogar Brotbonbons im Sortiment hat. Typtisch niederrheinische Produkte runden heute das Sortiment ab, wobei es sogar regelmäßig Brot gibt, das im alten Backhaus des Freilichtmuseums gebacken wird. Die Schommers hatten aber noch mehr Ideen. So riefen sie die Eierfärbe-Aktion zu Ostern ins Leben, die heute eine feste Tradition im Lädchen des Museums ist. Und das Einmachen nach Großmutters Rezepten zur Bohnen- und zur Kohlzeit hat so mancher Besucher fest in seine Terminplanung aufgenommen. Das liebevoll ausgesuchte Sortiment, zu dem unter anderem auch historische Spiele wie Domino und Mikado, in Holzdosen verpackt, als auch handgestrickte Socken gehören, die eine Freundin von Monika Schommer strickt, spricht für sich. Es herrscht eine besondere Atmosphäre im Laden, die nicht nur an dem großen Kamin mit den Holzklompen davor, den alten Holzschränken mit den kleinen Schubladen, in denen es so viel zu entdecken gibt, und der liebevollen Gesamtdekoration liegt. Es sind die Schommers, die mit ihrer herzlichen Art für dieses spezielle Flair sorgen, in dem sich die Besucher einfach wohlfühlen. Und wer den Tante-Emma-Laden einmal besucht hat, der kommt immer wieder zurück, zumal Monika und Dieter Schommer soviel Wissen über die historischen Gerätschaften im Lädchen und den Niederrhein in früheren Jahren haben.

(tref)
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