Stadt Kempen: Windmühle lockt viele Gäste an

Stadt Kempen: Windmühle lockt viele Gäste an

Der Heimatverein Tönisberg nahm gestern am bundesweiten Mühlentag teil und führte Besucher in die faszinierende Geschichte der Kastenbockwindmühle ein. Hier wurde Kultur begreifbar.

Felicitas (5) staunt vor der Tönisberger Kastenbockwindmühle: "Boah, ist die groß." Zusammen mit ihren Eltern machte die Hülserin gestern einen Pfingstausflug mit dem Rad und war überwältigt, als sie den Kopf in den Nacken legte und das kolossale hölzerne Bauwerk betrachtete.

Die Tönisberger Mühle ist eine von vier erhaltenen Kastenbockwindmühlen in der Region. Erfreulicherweise kamen viele junge Familien zum Mühlentag nach Tönisberg, denn nur so bleiben Kultur und Geschichte von Generation zu Generation spannend. Anregung geben, damit nachfolgende Generationen um die Wichtigkeit des Erhalts der Mühle wissen — dieser wichtigen Aufgabe stellt sich der Heimatverein Tönisberg seit Jahren.

Neue Heimatblätter erschienen

Traditionell ist der Pfingstmontag hier gleichzeitig der Erstausgabetag der Tönisberger Heimatblätter. Auch dies trägt zur Heimatgeschichte bei: Sie wird fortgeschrieben. Die spannenden Themen der zwölften Auflage sind unter anderem das 725-jährige Jubiläum des Vertrags von Vinnbrück und ein Tönisberger, der nach Australien ausgewandert ist. Lutz Weynans berichtet zudem über die neuen Erwerbungen des Pottbäcker-Museums im Haus Baaken.

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Auch Claudia Tieke findet zusammen mit Freunden den Weg von Duisburg zur Mühle nach Tönisberg. "2009 waren wir am Mühlentag in Osnabrück und in Cloppenburg", erzählt sie. Für Frank Schelosky, der aus Cloppenburg stammt, ist dieser Ausflug ein Heimspiel. Mühlen faszinieren die Gruppe, weil das "einfach ein spannendes Thema" ist, das "einfach schön" ist und wo man "Technik begreifen" kann.

Bernhard Burckhardt ist einer von mehreren Heimatvereinmitgliedern, die Mühlenführungen anboten. Dazu muss zuerst die steile Holztreppe erklommen werden, dann gibt es zur Belohnung einen kilometerweiten Ausblick ins Umland. Wer möchte, kann sich auch selber am frisch aufgestellten Infoschild am Fuße des hölzernen Riesen schlau machen. Das tun auch René Theisejans mit Tochter Nele (3) aus St. Hubert. "Ihre kleine Schwester schläft noch, und heute Nachmittag gehen wir auf die Kirmes in Geldern", sagt der Familienvater. Er schätzt es, dem Nachwuchs frühzeitig Natur und Kultur nahezubringen. So erklärt er Nele auf dem Weg zum Mühlentag, dass das Korn auf den Feldern zwischen St. Hubert und Tönisberg wächst und wie früher das Mehl gewonnen wurde — mit Windkraft und schweren Mühlsteinen.

Nächste Station ist für Nele ganz klar Maria Berndt, die Kinderschminken anbietet und Ballons zu Mühlen, Hunden und anderen Motiven formt. Derweil nimmt Heimatvereinsvorsitzender Manfred Schwanitz im Schatten der altehrwürdigen Mühle Platz und wagt einen Blick in die Zukunft: "Aus der Mühle muss mehr gemacht werden." Der Verein sei bereits mit der Stadt Kempen und dem Bau- und Denkmalausschuss in Kontakt, wolle die Mühle vielleicht sogar wieder zum Laufen bringen. Ferner kann er sich vorstellen, die Mühle als Ort für Feste und Trauungen zu nutzen: "Schon jetzt öffnen wir die Tür für Schulklassen, Betriebe, Wanderer und Radler."

(RP)
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