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Willich/Tönisvorst/Kempen/Grefrath: Stadtfeste fallen aus - Einzelhandel verliert Millionen

Willich/Tönisvorst/Kempen/Grefrath : Feste fallen aus – Handel verliert Millionen

Die geplante Verlängerung des Versammlungsverbots wegen der Corona-Pandemie treibt den örtlichen Handel und die Gastronomie an den Rand des Ruins. Allein in Kempen werden bei einem Stadtfest bis zu 1,4 Millionen Euro umgesetzt.

Am vergangenen Sonntag hätte in Schiefbahn eigentlich „Mein Fest“ stattfinden sollen, und in Willich waren Stefan Schönenborn und seine Mitstreiter vom Werbering in der vergangenen Woche auf dem Marktplatz unterwegs, um auszumessen und zu entscheiden, wo die Bühne stehen soll, wenn am zweiten September-Wochenende das City-Fest steigt. Doch daraus wird nichts. Großveranstaltungen sind wegen der Corona-Pandemie bis Ende Oktober verboten. Darauf haben sich die Ministerpräsidenten geeinigt. Auch für viele Feste und Veranstaltungen in der Region bedeutet das das Aus – oder die Veranstalter müssen neue Wege gehen.

Damit die „Weiße Nacht“ am Freitag, 19. Juni, in der St. Töniser Fußgängerzone überhaupt stattfinden kann, muss sie Corona-konform sein. Dazu gehört auch, berichtet Isabel Thiele von der Werbegemeinschaft „St. Tönis erleben“, dass sie gar nicht erst Veranstaltung genannt werden darf. Aus dem Fest mit mehreren Bühnen, weißen Stoffdecken auf aufgestellten Tischen, silbernen Kerzenleuchtern und festlichem Schmuck, das sich als Besuchermagnet etabliert hat, wird darum in diesem Jahr ein verlängertes Shopping mit vielen weißen Deko-Artikeln. Die Geschäfte haben bis 22 Uhr geöffnet. „Wir freuen uns, wenn die Besucher trotzdem weiß gekleidet kommen“, sagt Thiele.

„Sehr, sehr schade“ sei es, dass allerdings das Food-Festival am letzten Augustwochenende ausfallen muss. „Das hatten wir 2019 zum ersten Mal, und es war sehr erfolgreich“, sagte Thiele, ohne eine genaue Besucherzahl zu nennen. Auch für den Einzelhandel bedeutet die Absage Verlust, denn damit fällt ein verkaufsoffener Sonntag weg. Thiele: „Es fehlt große Kaufkraft im Ort.“ Bei dem für Oktober geplanten Erntedankfest wolle sich das Vorstandsteam mit Ab- oder Zusage noch zurückhalten. „So weit können wir einfach noch nicht planen“, sagt Thiele.

Das Late-Night-Shopping am 11. September in Schiefbahn hatte Rainer Höppner von der dortigen Werbegemeinschaft bereits abgesagt. Was aus dem für Anfang November angesetzten Herbstfest wird, weiß er noch nicht. „Wir wollen bis Ende August abwarten und dann entscheiden“, sagt Höppner. Das Herbstfest sei nicht ganz so aufwendig, was die Organisation angeht, sagt er.

Anders ist das beim City-Fest in Alt-Willich. „Als wir von der Verlängerung des Großveranstaltungsverbots gehört haben, haben wir unsere Planungen sofort eingestellt. Dadurch sind uns bisher zum Glück wenigstens keine Kosten entstanden“, sagt der Werbering-Vorsitzende Stefan Schönenborn. In drei bis vier Wochen wäre das schon anders gewesen. Für Händler und vor allem Gastronomen bedeute die Absage allerdings einen massiven Umsatzverlust. Dabei habe man noch gehofft, dass Veranstaltungen unter freiem Himmel doch noch stattfinden dürften. „Wir hatten uns schon überlegt, wie wir trotz der Umstände ein schönes Fest auf die Beine stellen können. Nun hoffen wir aufs nächste Jahr. In diesem Jahr wird es wahrscheinlich in Alt-Willich keine Feste des Werberings mehr geben.“

In Kempen hat der Werbering die Organisation für das geplante Herbstfest (5./6. September) und den Handwerkermarkt (10./11. Oktober) gestoppt. Beide Veranstaltungen wären jeweils mit einem verkaufsoffenen Sonntag verbunden gewesen. „Die Lage für den Einzelhandel und die Gastronomie ist katastrophal“, sagt Werbering-Vorsitzender Armin Horst. Man hat einmal ausgerechnet: Jedes Stadtfest mit verkaufsoffenem Sonntag beschert dem Kempener Handel Einnahmen von rund 1,4 Millionen Euro.

Im Frühjahr mussten schon das Frühlings- und das Altstadtfest abgesagt werden. Auch der geplante verkaufsoffene Sonntag zum Niederrheinischen Radwandertag findet nicht statt, weil der Radwandertag wegen der Corona-Schutzvorgaben ausfällt. Nun hofft der Werbering, dass wenigstens die Kempener Weihnachtsmärkte stattfinden können. „Sonst wird es für die Geschäftsleute wirklich schwierig. Viele sind in ihrer Existenz bedroht.“

Der Kempener St.-Martin-Verein geht derzeit davon aus, dass die beiden Kempener St.-Martinzüge am 9. und 10. November stattfinden können. „Wir haben aber schon über mögliche Änderungen unseres Konzepts beraten“, sagt Vereinsvorsitzender Rainer Hamm. Die Schulen seien angeschrieben worden, dass man zunächst alles nach dem normalen Verlauf plane. Im September werde man entscheiden, ob man den Zug möglicherweise ausfallen lassen muss.

„Wir wollen in jedem Fall die Fackelausstellung mit Prämierung und das traditionelle Bloe-se-Packen unter Corona-Schutzvorgaben organisieren“, erklärt er. „Bloe-se“ sind die Martinstüten, die an Kinder und Senioren verteilt werden. Etwa 4500 Stück werden jedes Jahr von freiwilligen Helfern im Kempener Rathaus gepackt.

Kommentar: Schwerer Schlag für den Einzelhandel