Stadt Kempen: Wie Polizeibeamte im Einsatz Frieden schaffen

Stadt Kempen: Wie Polizeibeamte im Einsatz Frieden schaffen

Deeskalierend aufzutreten, das gehört zu den täglichen Aufgaben von Thomas Sieben und Dimitris Chatzianagnostou.

Souveränität und Gelassenheit strahlen sie beide aus, auch wenn in Sachen Berufserfahrung etliche Jahre Unterschied zwischen ihnen liegen. Thomas Sieben von der Kempener Wache gehört seit 1997 der Polizei im Kreis Viersen an, und Dimitris Chatzianagnostou hat vor zwei Jahren mit seiner Ausbildung bei der Polizei angefangen. Doch egal, ob jahrelange Erfahrung oder noch in der Ausbildung, es gibt ein Stichwort, das immer wichtig ist in der Polizeiarbeit, und das heißt Deeskalation. "Darauf wird schon in der Ausbildung viel Wert gelegt, denn es ist das A und O in unserem Beruf", sagt Chatzianagnostou.

Rollenspiele, in denen die verschiedenen Situationen durchgespielt werden, sind ein Bestandteil der Ausbildung, aber auch der regelmäßigen Fortbildung. Kommunikationstechniken werden trainiert. Wenn deeskalierend wirkend aufgetreten wird und die Kommunikation stimmt, dann "läuft der Rest wie von selbst", sagt Sieben. Die Deeskalation sei ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit, ergänzt er. Bereits auf der Fahrt zu einem Einsatz, wenn die Beamten die ersten Informationen zu einem Sachverhalt bekommen, läuft die Vorbereitung. "Man versucht, sich auf alle möglichen Eventualitäten einzustellen", sagt Chatzianagnostou. Egal, was passiert ist, eins ist immer klar: Es gibt eine Menge von Emotionen, denen auch Raum gegeben werden muss. Allein dadurch kann einer Situation schon entschärft werden.

Regel Nummer eins in solchen Situation: Kein Auftritt mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern ruhig zuhören, auch wenn es nicht immer einfach ist. Eine negative Situation auflockern und mit Menschlichkeit heranzugehen, so lautet die Devise. Jeder Mensch braucht eine persönliche Ansprache. Der eine, der zum Beispiel bei einer Verkehrskontrolle angehalten wird, nimmt es locker, der andere gerät in Wut. Es gilt, sich mit Ruhe darauf einzustellen. "Wir scannen jede Situation genau ab. Dazu gehört auch zu schauen, was macht das Gegenüber, wo sind seine Hände, könnte es für uns gefährlich werden. Wir strahlen Ruhe aus und beobachten die Situation aufmerksam", erklärt Sieben. Auch eine allgemein normal wirkende Situation könnte Gefahren bergen und man müsse entsprechend reagieren. Ganz wichtig ist es, gerade bei Streitereien beide Parteien ernst zu nehmen und niemanden das Gefühl geben, er sei der Unterlegene. "Oft ist es so, dass sich Sachen über Monate angestaut haben und der eigentliche Auslöser, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat, gar nicht den wirklichen Kern betrifft. Wir müssen uns dann vorsichtig herantasten", sagt Sieben. Es gab aber auch schon Situationen, in denen Sieben nach einem Einsatz herzlich schmunzeln musste. So erfolgte einmal ein Einsatz in einem Obdachlosenheim im Kreis Viersen, bei dem eine heftige Streiterei zu klären war. "Wir haben lange Gespräche geführt und das Problem auch lösen können. Als wir gehen wollten, stupste mich einer der Männer mit dem Ellenbogen an und sagte, ich sei voll in Ordnung und könne ja auch mal so für ein Gespräch vorbeikommen", erzählt Sieben. Für den Polizeihauptkommissar war das ein deutliches Zeichen, dass es sich immer wieder lohnt, Ruhe zu bewahren und sachlich auf die Streitenden einzugehen, Es gibt sogar Bürger, die sich im Nachhinein bei den Beamten bedanken, weil sie sich für ein Problem Zeit genommen und weitergeholfen haben.

(tref)