Stadt Kempen: Wie man Konflikte am besten lösen kann

Stadt Kempen : Wie man Konflikte am besten lösen kann

Wenn Simon Steimel mit seinem theaterpädagogischen Team zum Thomaeum kommt, dann steht Sozialkompetenz im Mittelpunkt. "Stark im Konflikt" hieß es zum nunmehr vierten Mal an dem Kempener Gymnasium.

Die Köpfe der knapp 200 Schüler, die mitten in der Turnhalle des Kempener Gymnasiums Thomaeum sitzen, drehen sich von einer Seite zur anderen. Mal kommt der verbale Angriff von der linken Seite, dann von rechts, aber auch von vorne und hinten. Denn an allen Seiten der Turnhalle stehen Schultische mit je einem Stuhl davor, auf dem die Theaterpädagogen der Steimel-Menschner-Projekte sitzen. Sie alle stellen Schüler dar, wobei einer der Gruppe von den fünf anderen auf das Ärgste gemobbt wird. Verbale Beleidigungen fliegen durch die Luft. Das Ganze eskaliert auf einmal in Gewalt. Olaf liegt mitten auf einem Tisch in der Zuschauermenge und die fünf anderen springen auf ihre Tische.

Bei jedem Sprung, der einen Schlag symbolisiert, krümmt sich Olaf zusammen, bis er ganz still daliegt. "Er ist tot", schallt es leise durch die Turnhalle. Bedrückendes Schweigen hat sich breit gemacht, das dann aber einem donnernden Applaus von Seiten der jungen Zuschauer weicht, als die sechs Schauspieler sich auf den Tischen verbeugen und Simon Steimel laut ruft: "Danke, dass ihr unser Theaterstück ,Tatverdächtig' so aufmerksam verfolgt habt." Die eben noch in der Luft liegende Spannung hat sich aufgelöst und unter den Schülern setzen Gespräche über das eben Gesehene ein.

Zum vierten Mal sind die Steimel-Menscher-Projekte am Thomaeum zu Gast. Im Rahmen ihres Konzeptes zur Stärkung der Sozialkompetenz unter dem Stichwort "Soziales Lernen" bietet das Gymnasium das Projekt "Stark im Konflikt" alle zwei Jahre den Siebt- und Achtklässlern an. "Die typischen Probleme, angefangen von Cyber-Mobbing bis hin zu Gewalt, gibt es überall. Wir können feststellen, dass Schüler durch das Training souveräner werden und andere Sichtweisen erhalten", sagt Oberstufenkoordinatorin Anne Fröhlich, die das Projekt Soziales Lernen am Thomaeum ins Leben gerufen hat.

Gerade die sozialen Netzwerke machten es einfacher, sich gegenseitig zu verletzen. Dem müsse man entgegenwirken, betont Schulleiter Edmund Kaum. Nicht nur zu reagieren, wenn etwas passiert, sondern Prävention zu leisten, das ist dem Gymnasium daher wichtig. Mit den Steimel-Menschner-Projekten ist so ein Baustein in Sachen Prävention gegeben. Die Jahrgangsstufen 7 und 8 erleben in dem Theaterstück Ursachen und Auswirkungen von Gewalt. Erst danach setzt das eigentliche Schülertraining an. In Klassenverband erfahren die Gymnasiasten von den erfahrenen Theaterpädagogen, wie sie mit verbalen und körperlichen Angriffen auf die eigene Person umgehen können und was ihre eigene Körperhaltung samt Mimik und Stimme signalisiert. Es werden einzelne Szenen gespielt, beschrieben und reflektiert. "Die Ziele des Trainings sind der Aufbau und die Verstärkung von positiver Körpersprache, Einfühlungsvermögen, Selbstbewusstsein und Zivilcourage", erläutert Simon Steimel, der zusammen mit Tina Menschner "Stark im Konflikt" entwickelt hat.

Das Besondere ist zudem, dass nicht nur die Schüler einbezogen werden, sondern auch die Eltern und Lehrer. Sowohl ein spezielles Lehrer- als auch Elterntraining gehört nämlich ebenfalls zum Programmangebot. Für die Schüler gibt es zudem nach vier Wochen ein Wiedersehen mit den Theaterpädagogen. Es kommt zu einem Abschlusstraining, bei dem ein Erfahrungsaustausch stattfindet.

(tref)
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