Stadt Kempen: Wie Erna Schabiewsky die christlichen Konfessionen sieht

Stadt Kempen: Wie Erna Schabiewsky die christlichen Konfessionen sieht

Ulrike Böhmer aus Iserlohn gastierte im Rahmen der Geistlichen Woche in der Kirche Christ-König im Hagelkreuz. Nach dem Ende des Lutherjahres gab es eine ganz spezielle Bilanz.

Die Kirche Christ-König im Kempener Stadtbezirtk Hagelkreuz war am Mittwochabend gut gefüllt beim Kirchenkabarett der Iserlohnerin Ulrike Böhmer. Ihre Kunstfigur Erna Schabiewsky kommentiert in Ruhrpottmanier die Welt und an diesem Abend die beiden Konfessionen. Nach dem Ende des Lutherjahres wollte sie doch einmal Bilanz ziehen.

Dabei erreichte die Kabarettistin den Höhepunkt des Abends erst richtig gegen Ende. Denn da beschäftigte sie sich mit dem Miteinander der beiden christlichen Kirchen. Erna kommt aus Dortmund. Das gehört zum katholischen Erzbistum Paderborn. Da hat Erzbischof Hans-Josef Becker tatsächlich verboten, dass die Präses der Evangelischen Landeskirche Westfalen, Annette Kurschus, eine Predigt in einem katholischen Benediktinerkloster hält. Dies wäre katholischen Priestern und Diakonen vorbehalten, ließ der Erzbischof über die Kirchenzeitung verkünden. Das hat Erna richtig erbost.

So sehr, dass sie wortgewaltig um sich schlägt. "Wir müssen viel mehr miteinander gehen, sonst gehen wir bald nirgendwo mehr hin", mahnte sie. Und sie zeigte eine Menge Dinge auf, die durchaus gemeinsam gemacht werden könnten. Die Frauen bewiesen die Ökumene doch schon, in dem sie jedes Jahr am ersten Freitag im März gemeinsam den Weltgebetstag der Frauen feiern. Warum sollte das Abendmahl nicht zusammen gefeiert werden dürfen, fragte sie. Caritas und Diakonie könnten sich ergänzen und wären dadurch viel effektiver, meinte sie. So ging es bei den Vorschlägen munter weiter.

Christen und Christinnen bräuchten, wenn sie zusammen halten, "keine Angst vor diese bekloppte Welt" zu haben, meinte Erna. Und sie stimmte zum Abschluss das Lied des evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer "Von guten Mächten wunderbar geborgen" an. Das hatte der Pastor kurz vor seiner Ermordung durch die Nazis im Konzentrationslager geschrieben. Und, das war richtig schön. Ganz im Sinne des vorher Gesagten stimmten alle Besucher des Abends in der Christ-König-Kirche, egal welcher Konfession, ein.

Zuvor hatte es etwas gedauert, bis Publikum und Kabarettistin miteinander warm wurden. Irgendwie meinte Ulrike Böhmer, immer wieder zum Applaus auffordern zu müssen. Die Geschichten ihrer Kunstfigur Erna Schabiewsky bezog sie aus dem Alltag des Gemeindelebens.

Aber diese sind halt inzwischen ein wenig abgegriffen. Im Gegensatz zu Erna regt sich wohl keiner mehr auf, wenn der Pfarrer im "Playboy" blättert. Da war es interessanter, wie sie sich vom Obermessdiener Ulf aus dem Internet Fakten zu Luther besorgt. Denn im Gegensatz zu Erna kennt der sich mit dem Internet aus. Böser Nebeneffekt dabei ist, dass Ulf sich entscheidet, protestantisch zu werden und lieber evangelischer Pastor als katholischer Priester zu werden.

Insgesamt war der Abend zwar kurzweilig, hatte aber seine Längen. Auch wenn sich Ulrike Böhmer bemühte, ihrer Figur Leben einzuhauchen.

Im Rahmen der Geistlichen Woche in Kempen gibt es am heutigen Freitag, 16. März, um 20 Uhr in der Propsteikirche das Konzert "Der Kreuzweg" mit Christian Gössel und Salome Amend. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird im Anschluss gebeten.

(sr)