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Serie Tönisberger Zechenturm (1): Westlicher Markstein des Bergbaus

Serie Tönisberger Zechenturm (1) : Westlicher Markstein des Bergbaus

Mehrfach hat die Rheinische Post über die Diskussion berichtet, die in Kempen um Erhalt oder Abriss des Tönisberger Förderturms entbrannt ist. Was es mit ihm eigentlich auf sich hat, soll in zwei Folgen dargestellt werden.

TÖNISBERG Der Tönisberger Zechenturm ist der westliche Vorposten einer großräumigen Zechenanlage, die ihren Anfang im Kreis Moers nahm. Hier entstand von 1912 bis 1916 zwischen Neukirchen und Vluyn ein Bergwerk, das zunächst den Namen "Niederrheinische Bergwerksgesellschaft" führte und zwei Förderschächte aufwies. 1969 wurde es umbenannt in "Zeche Niederberg". Der neue Name entstand durch Verkürzung aus "Niederrheinische Bergwerksgesellschaft". Diese Zeche Niederberg bildete zusammen mit der Kamp-Lintforter Zeche "Friedrich Heinrich", von 1908 bis 1914 erbaut, die westliche Grenze für den Steinkohlenbergbau des Ruhrgebiets.

Das Wirtschaftswunder der 1950er-Jahre steigerte die tägliche Förderung der Moerser Zeche Niederberg von 3700 Tonnen (1952) auf 8000 in 1959. Niederberg gehörte zu den größten Anthrazit-Zechen im Bundesgebiet. Ihr Grubenfeld wurde, den Kohleflözen folgend, nach Süden und Südwesten ausgebaut. Im Zuge dieser Entwicklung kam es zum Bau des Zechenturms in Tönisberg - zur Anlage des Schacht 4.

Warum Tönisberg? Der Grund liegt in der Frischluftzufuhr, der "Bewetterung". Auf den länger gewordenen Förderwegen wurde die Belüftung problematisch, teilweise erreichten die Wetterwege eine Länge von zehn Kilometern. Damit reichte die Zulüftung aus der Doppelschachtanlage bei Moers nicht mehr aus. Neue Schächte im Südfeld des Abbaus wurden notwendig, um die vorgeschriebene Luftmenge von sechs Kubikmeter pro Minute und Bergmann aufrechterhalten zu können. Bereits am 4. Februar 1957 wurde ein eigener Wetter- oder Belüftungsschacht - der Schacht 3 - in der Nähe von Kapellen in Betrieb genommen. Auch im Raum Tönisberg wurden von 1951 bis 1955 Probebohrungen durchgeführt. Sie ergaben als optimalen Ansatzpunkt für die Errichtung eines Seil- und Wetterschachts den Mühlenberg, etwa 350 Meter nordwestwärts der alten Bockwindmühle.

Der erste Anlauf zum Schachtbau in Tönisberg scheiterte an Schwierigkeiten mit Grundstückseigentümern. Erst als die behoben waren, begannen ab dem Februar 1959 die Ausschachtungs-, in der Bergmannssprache: die Teufarbeiten auf dem Mühlenberg mit der Errichtung eines 28 Meter hohen, hölzernen Abteuftturms. Von ihm aus wurde ein ausgemauerter Schacht 534 Meter tief in den Berg getrieben. Im Frühjahr 1962 war sein Ausbau beendet. Die erste Querverbindung mit der Zentrale "Schacht 1" bei Moers wurde im Juni 1961 erreicht. Parallel zum Abteufen des Schachts wurden die erforderlichen Betriebsanlagen errichtet: ein Betriebsgebäude mit Pförtneranlage, mit Waschkauen und einer Lampenstube; eine Trafo-Station; ein Haus zum Aufbewahren der Werkzeuge wie Schlaghämmer und Bohrer und der Maschinen zum Fördern; ein Dampfkesselhaus (das auch die Fernheizungsanlage für die Bergarbeitersiedlung aufnahm); eine Bergeverladungsanlage und eben der 45 Meter hohe, stählerne Schachtturm, um dessen Denkmalwert es heute geht. Kurz: Schacht 4 in Tönisberg war eine komplette Außenschachtanlage für Seilfahrt, Material- und Bergeförderung und Bewetterung.

Im Frühjahr 1963 wurde der Schacht zur Belüftung der Grube und zur Beförderung von Personen und Geräten in Betrieb genommen. Vier Jahre später geriet das Werk durch ein Unglück in die Schlagzeilen. Am 15. Juni 1967, gegen 16.20 Uhr, brach urplötzlich im Flöz "Geitling" auf 105 Meter Länge ein Streben ein. Unter dem Gestein wurden fünf Bergleute begraben - in 470 Meter Tiefe.

(hk-)