Stadt Kempen: Werbering : Stein zieht sich zurück

Stadt Kempen : Werbering : Stein zieht sich zurück

16 Jahre lang war Reinhard Stein Vorsitzender der Händlergemeinschaft. Er hat in dieser Zeit eine Menge erlebt und auf den Weg gebracht. Er ist sicher, dass die Kempener Geschäftswelt auf gesunden Füßen steht.

Wenn Dienstag der Werbering seinen Vorstand wählt, wird einer nicht mehr antreten. Nach 16 Jahren kandidiert Reinhard Stein nicht mehr für den Vorsitz. Dass er auf Anhieb so genau wusste, wann er das erste Mal zum Vorsitzenden gewählt wurde, war ein Zufallsfund im Keller seiner Eltern. Denn seine Mutter hatte den Zeitungsausschnitt von 1998 aufgehoben. Viele Dinge hat Stein in der Stadt Kempen als Werberingvorsitzender seitdem begleitet. Als erstes fällt ihm da das Zentrenkonzept für Kempen ein, dass die Struktur des Einzelhandels ohne großen Markt auf der grünen Wiese sichert.

Gleichfalls wichtig ist ihm die Einführung des Geschäftsflächenmanagements, obwohl es zu der Zeit noch gar keine wesentlichen Leerstände gab. Für die Händlergemeinschaft selbst war das neue Beitragssystem ein gewaltiger Schritt. Damit wurde die alte Berechnung nach Umsätzen abgeschafft und der Beitrag nach der Ladenfläche erhoben. "Die Umstellung war eine Heidenarbeit", erinnert sich Stein, der diese gemeinsam mit Klaus Niermann erledigt hat. Noch ein wichtiger Punkt ist ihm die Ausweitung der Weihnachtsmärkte auf vier. Das habe sich gut auf den Einzelhandel ausgewirkt. Für Stein ganz wichtig: "Ich bin froh, den Klosterhof noch mit zum Ende gebracht zu haben."

Freude über junge Geschäftsleute

Die gewaltigen Aufgaben der Organisation verteilt sich im Werbering im wesentlichen auf zehn Schultern, so Stein. Dabei hat jeder seinen Bereich. Aber alle seien stets offen für Kritik und lernfähig, lobt Stein. Dazu trügen sicherlich auch die inzwischen zweimal im Jahr statt findenden Klausurtagungen bei. Er freut sich, dass zunehmend junge Geschäftsleute aktiv im Werbering sind. Sie seien auch bereit, sich einzubringen. "Wir sind relativ jung aufgestellt", meint Stein und macht sich um die nächsten zehn Jahre keine Sorgen.

Auch um den Kempener Handel macht er sich keine Sorgen. Die Ladenmieten seien durchaus im Vergleich zu anderen Mittelzentren in Ordnung. Eine gewisse Fluktuation sei normal, nicht jede Geschäftsidee zünde eben. Aber mit den neu hinzu kommenden Geschäften ändert sich die Handelswelt in Kempen, da ist sich Stein sicher. Er findet es gut, dass es neue Ideen, neue Konzepte gibt. Dass belebe die Stadt und er wisse, dass es viele Interessenten gibt, die Kempen ein Ladenlokal suchen. Die Mischung des Angebots locke Kunden aus einem Umkreis von rund 15 Kilometer. Darüber hinaus versuche der Werbering verstärkt, auch Kunden darüber hinaus zu gewinnen. Das sei nicht unbedingt der Weihnachtsmarktkunde aus dem Ruhrgebiet, da ist Stein realistisch, aber man könne vielleicht die Niederlande gewinnen.

Wenn man ihn nach seinem schönsten Erlebnis fragt, kommt Stein nach kurzem Nachdenken auf eine Jahreshauptversammlung, wo ein Mitglied samt Nachwuchs im Kinderwagen kam. Dieser hat die Sitzung allerdings sanft und selig verschlafen. An eine Schrecksekunde erinnert er sich aber sofort. Als nämlich im Rat die Ablehnung der Erweiterung des Zentrenkonzepts auf die Kleinbahnstraße fast am Abstimmungspatt gescheitert wäre und die Bürgermeisterstimme den Ausschlag gab. Stein gibt seine Aufgabe eigentlich leichten Herzens ab. "Das ist ein sauberer Schnitt". Erst mal möchte er ein bisschen Abstand bekommen. Aber selbstverständlich wird er da sein, wenn man ihn braucht, versichert er.

(sr)
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