Stadt Kempen: Wenn es in der Beziehung knirscht

Stadt Kempen : Wenn es in der Beziehung knirscht

Der Kempener Paartherapeut Hubert Geurts hat sich einem Buch mit dem Thema Beziehungskrisen beschäftigt. Es heißt "Hilfe, mein Partner versteht mich nicht !". Die Lektüre fällt nicht schwer, es gibt viele praktische Tipps.

Der Kempener Hubert Geurts kann auf 20 Jahre Paartherapie zurückblicken. Die dort gesammelten Erfahrungen und persönliche Erinnerungen hat er in seinem neuen Buch "Hilfe, mein Partner versteht mich nicht !" zusammengetragen. Er selber hat die Erfahrung gemacht, dass Lebensfreude und Leistungsfähigkeit sinken, wenn die Beziehung nicht in Ordnung ist. In acht Kapiteln geht Geurts auf unterschiedliche Aspekte des Themas ein.

Merkmale einer Beziehung

Instabile Beziehungen seien davon geprägt, dass die Partner sich in vielen Dingen gravierend unterscheiden. Gegensätze zögen sich zwar bekanntlich an, aber meist nur am Beginn einer Beziehung. Die bedeutendsten Felder, auf denen es zu Konflikte komme, seien Arbeit, Erziehung und Familie sowie Gestaltung der Freizeit. Wichtig für eine stabile Beziehung seien Toleranz und insbesondere die Fähigkeit, sich in die Wünsche, Bedürfnisse und Sichtweisen des Partners hinein zu versetzen. Wichtige Voraussetzung auf dem Weg zu einer stabilen Beziehung sei die Verbesserung der Kommunikation.

Die Phasen einer Beziehung

Am Anfang stehe das Verliebtsein, die Schmetterlinge im Bauch, die rosarote Brille. Die Vernunft habe Urlaub und das sei schön. Es folge dee Hohe Zeit, die geprägt ist von Liebe und dem Gründen einer Familie. Unstimmigkeiten und Differenzen würden meist verdrängt, wirkten aber im Hintergrund weiter. Es folge der Rückzug der positiven Emotionen mit Auseinandersetzungen und Streit. Die beliebteste Strategie sei, die Schuld beim Partner zu suchen. Das sollte man vermeiden, sonst könne in der Beziehung schnell der Winter hereinbrechen. Das sei der Punkt, an dem man professionelle Hilfe brauche.

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Das Klima positiv verändern

Die meisten Menschen, schreibt Geurts, fühlten sich besser, wenn sie eine Minute wie ein Honigkuchenpferd in den Spiegel grinsen. Es würden Botenstoffe ausgeschüttet, die mehr Fröhlichkeit hervorrufen. Bevor man den Partner positiv beeinflussen könne, müsse man zunächst das Klima in sich selber verbessern.

Wie der Partner tickt

Geurts stellt in diesem Kapitel acht verschiedene Partnertypen vor, in denen sich jeder irgendwo wiedererkenne. Nicht immer träten zwangsläufig alle Merkmale auf. Ebenso wenig trag der Mensch nicht nur einen Persönlichkeitstyp in sich. Man dürfe also nicht den Partner anhand dieses Schemas in eine bestimmte Schublade stecken. Merkmale für bestimmte Typen sind beispielsweise impulsiv, emotionell, leidenschaftlich, froh, schöpferisch, wissbegierig, spontan, geduldig, stur, demütig.

Der Umgang mit Konflikten

Wichtige Gespräche solle man nicht zwischen Tür und Angel führen, man müsse sich Zeit nehmen. Dabei sei es wichtig, dass beide Partner nicht nur reden, sondern auch zuhören und die Botschaft des anderen verstehen. Sollte es zu harten verbalen Auseinandersetzungen komme, sollte danach jeder für sich allein bleiben, bis die Gemüter sich beruhigt haben.

Die Zauberformel der Liebe

Quellen für Geurts sind in diesem Kapitel Paare, die er beraten hat, und private Gespräche mit vielen Menschen. Man soll immer dafür sorgen, sich selbst in eine gute Stimmung zu bringen, damit der Partner die positiven Emotionen spürt. Die Bausteine könnten vollkommen verschieden: Berührungen, Blumen schenken, Lächeln, Meditation, Joga und viele mehr - etwa Augen verbinden und entführen.

Professionelle Hilfe

Komme eine Beziehung in die Krise, sei es wichtig, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Erfahrene Paartherapeuten könnten meist nach etwa drei Sitzungen beurteilen und begründen, ob und warum die Weiterführung der Beziehung sinnvoll ist. In 70 Prozent der Fälle gebe es noch eine Chance. Problematisch werde es, wenn ein Paar zu spät Hilfe in Anspruch nehme. Bestehe keine andere Möglichkeit, solle man danach trachten, sich in Würde voneinander zu trennen. Das sei besonders bei Kindern wichtig, die durch die täglichen Auseinandersetzungen oft mehr litten als die Eltern.

Der Autor Hubert Geurts hat seine Praxis an der Engerstraße in Kempen. Er stammt aus Kevelaer, hielt als Kind die Schule für überflüssig, absolvierte danach eine kaufmännische Lehre und schlug anschließend den Weg zum Paar- und Familientherapeuten ein. Er arbeitete in einem Jugendamt, lernte aber schnell die Grenzen des Handlungsspielraums kennen. Er ging in die freie Wirtschaft und lehrte Führungs- und Verkaufspsychologie in Verbindung mit Familientherapie. Irgendwann stieß es auch hier an seine Grenzen und wagte den Sprung in die Selbstständigkeit. Das Buch kostet 9,90 Euro und kann unter www.hubertgeurts.de bestellt werden. Erhältlich ist das Buch auch im Servicepunkt der Rheinischen Post, Engerstraße 20.

(RP)
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