Stadt Kempen: Wenn der Beruf zur Berufung wird

Stadt Kempen: Wenn der Beruf zur Berufung wird

Die beiden Altenheime der Kempener Hospital-Stiftung brauchen dringend Pflegepersonal. Die vorhandenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen Mehrarbeit leisten, tun dies aber aus Überzeugung.

"Wir können hier viel bewegen und bekommen Verantwortung übertragen." Manuela Albrecht-Collmann ist Pflegeassistentin im Von-Broichhausen-Stift am Heyerdrink in Kempen. Die 50-Jährige ist vor sieben Jahren als Quereinsteigerin in das Seniorenheim gekommen. Als gelernte Frisörin hat die Oedterin zuvor als Kosmetikerin, Sterbebegleiterin und zuletzt in einer Hautarzt-Praxis gearbeitet. "Ich bin im Von-Broichhausen-Stift angekommen und weiß die Qualität der Arbeit hier zu schätzen", sagt die Mutter einer erwachsenen Tochter.

Auf der einen Seite zufriedene Mitarbeiter, auf der anderen Seite allgemeiner Pflegenotstand. Der ist in Kempen angekommen, betroffen ist auch das Von-Broichhausen-Stift. "Wir sind ein 145-Betten-Haus, aber es können aufgrund des Personalmangels nicht alle Plätze belegt werden", sagt Jürgen Brockmeyer. Der Geschäftsführer betont, dass man trotz der schwierigen Rahmenbedingungen weiter fachlich gut arbeiten will. "Deshalb setzen wir auf unsere motivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter."

Eine davon ist Manuela Albrecht-Collmann. Der Umgang mit pflegebedürftigen älteren Menschen ist für sie "mehr als Popo abwischen, Spritzen geben und Kompressionsstrümpfe anlegen": sich Zeit nehmen, mit der Biografie der Senioren beschäftigen, zuhören, Zuneigung und Beistand schenken, den Senior abholen - das ist es, was Manuela Albrecht-Collmann an ihrem Beruf liebt.

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Seit einigen Monate absolviert sie eine Ausbildung zur Altenpflegerin und wird Ende 2020 ihr Examen haben. Zu der Weiterqualifizierung hat ihr Jürgen Brockmeyer verholfen. "Vier weitere Pflegehelferinnen unseres Hauses beginnen ebenfalls in den kommenden Monaten diese Ausbildung", sagt Brockmeyer. Die Weiterbildung lediglich mit dem Pflegenotstand zu erklären, wäre laut Brockmeyer zu kurz gegriffen. "Wenn eine Mitarbeiterin wie Frau Albrecht-Collmann hier mit so viel Herzblut ihrer Arbeit nachgeht und Ideen einbringt, fördern wir sie gerne und wissen, dass dieses Potenzial dem Haus und den Senioren zugute kommt." Die Weiterqualifizierung wird unterstützt von der Arbeitsagentur im Rahmen des Programms WEGEBAU.

Auch an anderer Stelle setzt die Stiftung Hospital zum Heiligen Geist, Trägerin sowohl des Von-Broichhausen-Stiftes als auch des zweiten Kempener Altenpflegeheims, St.-Peter-Stift, auf Qualifizierung. Das Von-Broichhausen-Stift hat derzeit zehn Auszubildende zur examinierten Altenpflegerin; im St.- Peter-Stift im Neubaugebiet im Kempener Süden mit 70 Betten sind es sechs, die regulär ihre Ausbildung absolvieren. "Ich denke, dass die Gesamtzahl der Auszubildenden für einen Betrieb wie die Hospital-Stiftung sehr gut ist", so Jürgen Brockmeyer. Mit dieser Philosophie sei die Stiftung auf einem guten Weg, das fachliche Pflegeniveau zu halten - ja hier und dort sogar gezielt zu verbessern.

Diesen Fokus wird Hobbyfotografin Manuela Albrecht-Collmann künftig noch schärfer auf das Von-Broichhausen-Stift stellen. "Die Weiterbildung motiviert zusätzlich, mich hier einzubringen und den älteren Menschen einen schönen Lebensabend zu schenken", sagt sie.

(RP)
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