Weihnachtsbäume auf Gut Heimendahl in Kempen haben unter Trockenheit gelitten

Weihnachtsbäume auf Gut Heimendahl in Unterweiden : Rot ist ein Zeichen der Dürre

Auf Gut Heimendahl in Kempen-Unterweiden wachsen nicht nur einfach Weihnachtsbäume. Die angelegten Tannenbaumschonungen sind wertvolle Biotope, die sich in einem ständigen Wandel befinden.

Auf dem schmalen Waldweg sind die Schritte von Daniel Poinsitt kaum zu hören. Und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass der Forstwirt von Gut Heimendahl auf seinem Gang zur Tannenbaumschonung Hasen und Fasanen sieht. An der Tannenbaumschonung angekommen geht der Blick prüfend über die Fläche, in der die über einen Meter hohen Nordmanntannen stehen. Kein geschlossener Zaun schirmt die Anlage ab. Vielmehr ist es an der einen Seite der Laubwald, in den die Schonung nahezu nahtlos übergeht, während es an der Längsseite zu den Feldern hin eine Totholzhecke gibt. Die ist von Brombeeren und anderen Pflanzen überrankt.

„Den Grundstock dieser Hecke bilden die Reststämme und Stümpfe der Tannenbäume, die wir aus den Schonungen herausholen, wenn wir dort neue Kulturen anlegen. Diese Naturhecke ist ein idealer Lebensraum für Hasen, Fasanen und weitere Vögel. Sie nisten hier, finden Nahrung und Unterschlupf“, sagt Poinsitt. Damit ist der Forstwirt genau bei dem Punkt angekommen, der die Weihnachtsbaumschonungen von Gut Heimendahl ausmacht. Hier werden Flächen im Einklang mit der Natur angelegt und ohne irgendeinen Chemie-Einsatz gepflegt. Die Tannenschonungen sind wertvolle Biotope, wo Tiere und Insekten Platz zum Leben finden.

Selbstverständlich müssen die Flächen auch gepflegt werden, aber dafür ist mechanisches Arbeiten per Hand angesagt. Außerdem sind vierbeinige lebendige Rasenmäher im Einsatz. „Wir kürzen den Unterbewuchs, wenn er zu stark wird, mit dem Freischneider. Zudem setzen wir unsere Schafe flächenweise ein“, erklärt Hannes von Heimendahl. Beim Beweiden mit Schafen ist aber Vorsicht geboten. Die Schafe müssen immer im Auge behalten werden. Sie fressen zunächst das Gras, aber wenn es nicht mehr ausreichend vorhanden ist, gehen die Tiere auch an die Jungbäume. „Daher müssen wir die Schafe immer wieder rechtzeitig aus den Flächen nehmen, bevor sie die Tannen anfressen“, sagt Gutsherr von Heimendahl.

Die lange Trockenheit hat besonders den jungen Bäumen zu schaffen gemacht. Foto: Norbert Prümen

Ab und zu kommen auch die Gänse auf die Schonungen. Aber auch hier gilt: Die Tannen müssen schon etwas größer sein. Die Gänse entwickeln nämlich einen gewissen Spieltrieb und gehen an die unteren Kränze der Tannen heran, wo sie ein wenig herumknabbern. Wegge­spritzt wird auf Gut Heimendahl kein einziger Grashalm. Daher kann es auch schon einmal sein, dass Gräser in einen Tannenbaum hereingewachsen sind und noch in diesem hängen, wenn er als Weihnachtsbaum gefällt wird. „Das ist für den Käufer ein Zeichen, dass hier garantiert kein Gift drin ist“, sagt Poinsitt, der inzwischen weiter durch die Schonung gegangen ist.

Einige der jüngeren Bäume weisen an ihren Äste mit den satten grünen Nadeln auch rote Stellen auf. „Daran kann man die Dürreschäden erkennen“, erklärt Poinsitt, der in die Hocke gegangen ist und die roten Nadeln vorsichtig durch die Hände gleiten lässt. Das Dürrejahr 2018 fordert noch immer seinen Tribut. „Die Schäden des heißen und trockenen Sommers vom vergangenen Jahr werden uns bei den Weihnachtsbäumen auch die nächsten Jahre begleiten und nicht nur da“, sagt von Heimendahl. Tannen, die seinerzeit frisch angepflanzt waren, konnten noch kein entsprechendes Wurzelwerk ausbilden und waren daher auf den ausgetrockneten Böden schlechter versorgt. Totalausfälle in Regionen, wo die Böden nicht die Schwere und hohe Qualität haben, wie es auf der Kempener Platte der Fall ist, sind daher keine Seltenheit.

Auch wenn es in diesem Sommer mehr geregnet hat und der Herbst ebenfalls schon einigen Regen gebracht hat, sind zwar die Böden gut durchnässt, aber in den tieferen Schichten ist der Boden noch zu trocken. Der dort fehlende Wasservorrat ist noch lange nicht aufgefüllt.

Waren es früher Fichten und Edeltannen, die auf Gut Heimendahl angebaut wurden, so besteht das Gros der Nadelbäume heute aus Nordmanntannen. Die nicht piksende Variante der Weihnachtsbäume ist einfach beliebter. Ob bei der kompletten Neuanlage von Schonungen oder beim Nachpflanzen in Lücken, auf Gut Heimendahl kommen wurzelnackte Jungtannen von Baumschulen zum Einsatz, die bereits drei bis vier Jahre alt sind. Sie sind in der Regel 60 bis 80 Zentimeter hoch und nicht mehr so anfällig wie gerade einmal mehrere Zentimeter hohe Bäumchen.

Nichtsdestotrotz dauert es nach dem Umpflanzen, bis ein Jungbaum seine Wurzeln am neuen Standort entsprechend entwickelt hat. Nach vier bis fünf Jahren erreichen die Tannen eine Größe von rund einem Meter bis zu 1,20 Meter. Da die durchschnittliche Weihnachtsbaumgröße in Deutschland bei 1,75 Meter liegt, dauert es dann noch einige Zeit, bis ein Tannenbaum geschlagen werden kann.

Mit dem ersten Advent geht der Weihnachtsbaumverkauf auch auf Gut Heimendahl, Haus Bockdorf 1 in Kempen-Unterweiden, mit Glühwein und Kinderpunsch los. Aussuchen können sich Interessenten ihren Baum schon vorab. Wer nicht selbst in die Schonung möchte, kann auf frisch geschlagene Bäume auf der Gutsanlage zurückgreifen.

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