Was machen die Schulen für den Umweltschutz?

Umfrage : Umweltschutz: Schulen sind sehr aktiv

Toilettenpapier aus Recycling-Material, Umweltprojekte, Papier aus Altpapier, Müllvermeidung und -trennung – die Möglichkeiten, etwas für die Umwelt zu tun, sind vielschichtig. Wie praktizieren es die weiterführenden Schulen?

Der heutige Freitag steht ganz im Zeichen einer Kundgebung unter dem Motto „Fridays for Future“. Globaler Klimaschutz  ist angesagt. Praktischer Umweltschutz  läuft hingegen schon an den weiterführenden Schulen in Kempen, Willich, Grefrath und Tönisvorst. Als energetisch gut aufgestellt bezeichnet Thomas Prell-Holthausen das Lise-Meitner-Gymnasium in Anrath. „Das Gebäude ist gerade einmal 20 Jahre alt und entsprechend gut ausgerüstet. Unsere Fußbodenheizung ist zentral gesteuert, was sicherlich auch von Vorteil ist“, sagt der Schulleiter. Ansonsten wird sehr darauf geachtet, dass nach dem Unterricht die Fenster geschlossen sind und das Licht überall ausgeschaltet wird. In der Mensa verzichtet die Schule auf Strohhalme sowie Plastikbecher und versucht so wenig Verpackungsmüll wie möglich anfallen zu lassen. Mit mehreren Mülleimern in den Klassenzimmern wird der Müll getrennt. Wer die sanitären Anlagen aufsucht, stößt auf Toilettenpapier und Handtücher aus recyceltem Material. „Ein Wunsch unserer Schule sind E-Ladesäulen für Fahrräder und Autos. Einige Lehrer kommen trotz weiterer Strecke mit dem E-Bike zu Schule, und es wäre toll, wenn es hier Lademöglichkeiten gäbe“, sagt Prell-Holthausen.

Auch am Schiefbahner St.-Bernhard-Gymnasium dringt das ökologische Bewusstsein in den Alltag. Die Schülervertretung hat eine Umweltgruppe ins Leben gerufen, die unter anderem Energie-Scouts ausbilden möchte. Die Mülltrennung wurde bereits eingeführt, und wenn im Schulpark Bäume aus Sicherheitsgründen gefällt werden müssen, wird nach Absprache mit der Stadt nachgepflanzt. „An vielen Stellen in den Schulgebäuden haben wir inzwischen Bewegungsmelder installiert, damit nicht stundenlang das Licht an ist“, informiert der stellvertretende Schulleiter Andreas Päßler. Sensibilisieren heißt es an der Robert-Schuman-Europaschule in Willich. Eigens dafür hat sich innerhalb der Oberstufe eine Gruppe gebildet, die zu Veranstaltungen einlädt, bei denen globale Umweltproblematiken beleuchtet werden und im Umkehrschluss Überlegungen folgen, was ein jeder in Sachen Verbesserung beitragen kann. „Wir haben geplant, mit der Stadt Kontakt in Sachen Mülltrennung aufzunehmen. Gelbe Tonnen haben wir gar nicht. In die Papierkörbe auf dem Schulhof fliegt alles hinein. Das möchten wir ändern“, sagt Schulleiterin Ute Will-Nieding. Plastikflaschen sammelt die Gesamtschule bereits für ein Sozialprojekt.

An der Gesamtschule Kempen hat sich eine Arbeitsgruppe aus Lehrern und Schülern gebildet, die einige Umweltschutzpläne hat. So soll die Mülltrennung ausgebaut werden, wenngleich das eigentliche große Thema die Müllvermeidung ist. „Unsere Schüler planen den Müll einer Woche zu sammeln, um auf diese Weise zu zeigen, wie viel Müll so anfällt“, berichtet Schulleiter Uwe Hötter. Bei der Müllvermeidung  hilft alleine schon der Wasserspende in der Cafeteria, wo jeder seine Wasserflasche auffüllen kann. Zudem setzt die Gesamtschule auf die Digitalisierung. Das bedeutet deutlich weniger Papierverbrauch. Ein digitales Klassenbuch ist ein weiteres Stück Zukunftsmusik.

Im Kempener Gymnasium Thomaeum gehört das Fach „Mensch und Umwelt“  zum Unterricht. „Wir versuchen unseren Schülern zu verdeutlichen, dass ein jeder auf seinen eigenen ökologischen Fußabdruck achten soll“, sagt Schulleiterin Agnes Regh. Alle Kempener Schulen nutzen Toilettenpapier und Handtücher auf recycelter Basis,  und das bereits seit Jahren. Das Ganze bestellt die Stadt Kempen zentral. Das gilt auch für das Papier, wobei hier das weiße Papier mit 70 Prozent überwiegt. 30 Prozent sind aus recyceltem Material.

Arbeitsgemeinschaften und Umweltprojekte gehören an der Liebfrauenschule Mülhausen zum Schulalltag. „Von Seiten der Schüler werden immer wieder Projekte initiiert, um unter anderem die Müllvermeidung in den Fokus zu rücken. So hatten wir bereits eine Sammelaktion von einer Woche, wobei die Müllmenge im Pädagogischen Zentrum sichtbar gemacht wurde“, berichtet Schulleiter Lothar Josten.

An der Rupert-Neudeck-Gesamtschule und dem Michael-Ende-Gymnasium  in St. Tönis, die gemeinsam ein Schulgebäude nutzen,  werden bald drei Tafelwasserautomaten aufgestellt. Damit hofft man die Menge der Plastikflaschen zu reduzieren. „Wir wollen zudem im kommenden Jahr mit einer Biotop-AG starten und arbeiten in der Projektwoche vor den Sommerferien am Bumerang-Bag-Projekt mit, bei dem Eltern und Schüler Stofftaschen herstellen, die in den Geschäften abgegeben werden und für den Einkauf genutzt werden können“, sagt Andreas Kaiser, Leiter der Gesamtschule. Das MEG selber setzt zu 100 Prozent auf Recyclingpapier, hat das Thema Klimaschutz stärker in den Lehrplan im Fach Biologie integriert, pflanzte drei Bäume auf dem Schulhof und plant weitere Baumpflanzungen in Zusammenarbeit mit dem Nabu. Ein Schul-Biotop gibt es bereits. In Planung ist ein Kiosk, in dem Recyclingprodukte verkauft werden. „Und wir begleiten heute Schülergruppen in Sachen Klimastreik“, sagt René König, der die Umweltprojekte  koordiniert.

Mehr von RP ONLINE