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Spielplätze in Kempen: Was Kinder wirklich wollen

Spielplätze in Kempen : Was Kinder wirklich wollen

St. Huberter Kinder waren mit Mitarbeitern eines Dortmunder Planungsbüros unterwegs und gaben ihre Eindrücke wieder. Die Verwaltung lobte die Ideen, bat aber um Geduld bei der Umsetzung.

„Die Schnur der Seilbahn soll etwas mehr gespannt werden, dann kann man wieder besser flitzen“, meint Anna. Ben vermisst die Netze an den Fußballtoren auf dem Rasenplatz der Sportanlage, und Leni stört, dass die Rutsche mit Graffiti besprüht ist. Wobei Anna meint, dass das nur daran liegt, dass die Jugendlichen Klettergerüste und Flächen für Große bräuchten, damit sie die Spielplätze für die Jüngeren nicht verunstalteten. Mit einer Fülle von Ideen und Vorschlägen kehrten Romina Rosenkranz de Oliveira und Pascale Schulte vom Dortmunder Planungsbüro „Stadtkinder“ jetzt zusammen mit acht Viertklässlern der Grundschule St. Hubert von einem Streifzug über die St. Huberter Spiel- und Freiflächen zurück.

Seit dem vergangenen Jahr ist das Planungsbüro im Rahmen der städtischen Konzeption „Spiel, Bewegung und Aufenthalt“ für die Kempener Verwaltung im Einsatz. „Vor einem Jahr haben wir eine Konzeption gestartet, alle Freiraumtypen innerhalb der Stadt Kempen zu untersuchen. Wir haben eine ämterübergreifende Fachgruppe gebildet und nach dem entsprechenden Ratsbeschluss ein Planungsbüro hinzugezogen. Das unternimmt sogenannte Streifzüge mit Kindern, Jugendlichen und Senioren, um diese in die Arbeit miteinzubinden und deren Ideen aufzunehmen“, erläutert Patricia Schuermann, Leiterin des Grünflächenamtes.

Insgesamt sind sieben Fachämter der Verwaltung beteiligt. Nicht nur für die Durchführung der Streifzüge an sich, sondern auch um das Ganze zu bündeln und zudem einen weiteren Blick von außen zu erhalten, kam das Planungsbüro „Stadtkinder“ mit ins Boot. Wobei die Verwaltung zu den Kosten, die durch Einbezug des Planungsbüros entstehen, nichts sagen will. Diese Information sei im nichtöffentlichen Teil der betreffenden Sitzung gegeben worden, so Schuermann.

„Unser Ziel ist es, die Stadt in ihrer Entwicklung der Freiräume gut voranzubringen. Flächenzuwachs ist nicht mehr möglich, daher müssen wir mit dem Vorhandenem intelligent umgehen“, betont Dezernent Michael Klee. Attraktive Freiräume mit guten Wegeverbindungen, die von allen Generationen gut genutzt werden können, sind das Ziel. Zu den Freiräumen zählen Spiel-, Sport- und Bolzplätze, Schulhöfe, Grünflächen, Parkanlagen und Friedhöfe. Bei Streifzügen treten Bürger von Jung bis Alt als Experten auf. Bei den Touren zeigen die Teilnehmer dem Planungsbüro auf selbstgewählten Routen ihre Wege und Aufenthaltspunkte im Quartier sowie Konfliktstellen. Alle Streifzüge werden mit Hilfe eines Protokolls und Fotos dokumentiert.

Durch die Wahrnehmung der verschiedenen Zielgruppen entsteht ein Gesamtbild mit Wünschen und Anregungen, das die Stadt Kempen bei den weiteren Planungen und Vorgehensweisen berücksichtigen möchte. Der Stadt Kempen werden dadurch Handlungsempfehlungen an die Hand gegeben, um sich zukünftig als familienfreundliche Stadt positionieren zu können. „Bei den Streifzügen mit den Senioren in Kempen war der Straßenraum ein großes Thema. Konflikte zwischen Fuß- und Radverkehr, Ampelschaltungen mit zu kurzen Grünphasen, aber auch der Wunsch nach mehr Verweilmöglichkeiten in Form von Bänken gehörten zu den Inhalten“, sagt Rosenkranz de Oliveira. Auf die Frage der jungen Streifzügler, wann denn mit Umsetzungen zu rechnen sei, musste die Stadt allerdings vertrösten. Alle müssten Geduld haben, denn von heute auf morgen gehe es nicht, so die Aussage.

Zusammenstellung, Auswertung, Konzepterstellung samt Handlungsempfehlungen sowie die mögliche Umsetzung mit politischem Okay dauern. Die Stadt hat versprochen, dass das letztendliche Gesamtwerk nicht in der Schublade verschwindet.