Was die Stadtwerke Kempen für Klima tun

Thema Nachhaltigkeit : Was die Stadtwerke fürs Klima tun

Für die Stadt Kempen soll ein neues Klimaschutzkonzept erarbeitet werden. Dazu soll es einen Masterplan Klimaschutz geben. Die Stadtwerke Kempen sind seit vielen Jahren in Sachen Nachhaltigkeit und Klimaschutz unterwegs.

Der Klimanotstand für die Stadt Kempen wurde nicht ausgerufen. Dazu konnte sich eine Mehrheit im Stadtrat bekanntlich nicht durchringen. Stattdessen soll es einen Masterplan Klimaschutz und ein neues integriertes Klimaschutzkonzept für die Stadt geben. In der Diskussion um den Klimaschutz wird von der Politik gerne auf die Stadtwerke Kempen verwiesen, die seit vielen Jahren in Sachen Nachhaltigkeit und Klimaschutz unterwegs seien. In der Tat hat sich das städtische Tochterunternehmen immer wieder als besonders innovativ erwiesen, wenn es darum ging, für die Energieversorgung der Stadt neue Wege zu beschreiten. Das dokumentierte jetzt auch ein Experte des Unternehmens bei einem Vortrag bei der Frauen Union im CDU-Stadtverband Kempen. Christian Meuser, stellvertretender Leiter der Energieversorgung der Stadtwerke Kempen, erläuterte bisherige und geplante Projekte seines Hauses zum Thema Nachhaltigkeit.

Wie innovativ die Stadtwerke Kempen in der Vergangenheit waren, zeigt die Fernwärmeversorgung der Haushalte in der Stadt. Anfang der 1960er-Jahre wurde sie für den Bau der „Neuen Stadt“ (heute Hagelkreuz) konzipiert. Damals entstand eine Herzzentrale an der Otto-Schott-Straße. Energieträger war die Kohle. Der Vorteil für die Hausbesitzer – damals wie heute: Sie brauchen für ihre Häuser keine eigenen Heizungsanlagen. Das spart Platz im Haus, auch wenn der Anschluss ans Fernwärmenetz heutzutage einige tausend Euro kostet.

Die Heizzentrale der Stadtwerke an der Otto-Schott-Straße gibt es auch heute noch, auch wenn sie längst nicht mehr mit Kohle versorgt wird. Das Blockheizkraftwerk arbeitet heute nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung. Energieträger ist Erdgas, das verstromt wird. Flächendeckend gibt es im gesamten Stadtgebiet weitere, kleinere Heizkraftwerke, die die Fernwärmeversorgung sicher stellen. Seit 1990 seien durch dieses System insgesamt 710.000 Tonnen klimaschädliches CO2 eingespart worden, erklärte Meuser.

Der 33 Jahre alte Elektrotechniker berichtete auch von den besonders zukunftsweisenden Projekten, die derzeit bei den Stadtwerken laufen. Um sich von fossilen Energieträgern wie dem Erdgas auf lange Sicht verabschieden zu können, experimentieren die Stadtwerke inzwischen auch intensiv mit der Sonne als Energielieferant. Wie mehrfach berichtet, wird für das Neubaugebiet „Auf dem Zanger“ von den Stadtwerken in Zusammenarbeit mit der Hochschule Düsseldorf ein neues Energiekonzept entwickelt und umgesetzt, das eine Mixtur aus verschiedenen Energieträgern ist. Mit Wärmepumpen soll Erdwärme genutzt werden, Fotovoltaik-Anlagen und ein Solarthermie-Feld neben dem neuen Blockheizkraftwerk sollen die Kraft der Sonne gewinnen. Das Ganze soll dann für die Fernwärme der neuen Siedlung mit mehr als 100 Wohneinheiten in Einfamilien- und Mehrfamilienhäusern genutzt werden. In einem großen Wärmespeicher können Reserven für Spitzenverbrauchszeiten oder Schlecht-Wetter-Perioden gebunkert werden. Dazu entwickeln die Wissenschaftler der Hochschule eine computerunterstützte Regeltechnik. Sie soll vollautomatisch auf die individuelle Nachfrage der einzelnen Haushalte eingehen.

Stadtwerke-Geschäftsführer Siegfried Ferling vor einem Schaubild, das die Wirkungsweise des neuen Heizkraftwerks in St. Hubert zeigt. Foto: Prümen, Norbert

Die stärkere Nutzung der Sonnenenergie spielt auch bei einem anderen zukunftsweisenden Projekt der Stadtwerke eine Rolle. Was in St. Hubert noch im Kleinen auf rund 200 Quadratmeter geschieht, soll in den nächsten Jahren auf etwa zwölf Hektar auf einer derzeit landwirtschaftlich genutzten Fläche neben dem Gut Heimendahl am Krefelder Weg passieren: Ein Solarthermie-Feld mit entsprechenden Solarmodulen soll – so das Fernziel – einmal bis zu 30 Prozent der benötigten Fernwärme für die Kempener Haushalte abdecken. Die Planungen für diese große Solaranlage laufen bereits, es ist eine der ersten ihrer Art und Dimension in Deutschland.