Warum Kempens Beigeodneter Michael Klee nicht im Amt bleibt

Analyse : Warum Kempens Beigeodneter Michael Klee nicht im Amt bleibt

Er hat viel frischen Wind ins Kempener Rathaus gebracht, hatte neue Ideen und enorm viel Engagement in seine Arbeit gelegt. Am Ende wurde Michael Klee zum „Bauernopfer“ für viele Missstände in der Stadtverwaltung. Eine Analyse.

Es ist in Kempen derzeit viel von Initiativen die Rede, Bürger oder Vereine machen mobil gegen Missstände, die sie in der Stadt ausgemacht haben. Sie engagieren sich für den Klimaschutz, für sicheren Radverkehr, gegen die Abholzung von Bäumen, für eine bessere Wahrnehmung ihrer Interessen in Politik und Stadtverwaltung. Alle wollen Kempen ein Stück weiter voranbringen. Das wollte auch Michael Klee. Der städtische Beigeordnete, der am 1. April 2012 seine Arbeit im Rathaus am Buttermarkt aufnahm, galt für viele in Politik und Verwaltung als Hoffnungsträger. Nun ist der 58-Jährige von der Mehrheit im Stadtrat zum Sündenbock gemacht worden für alle möglichen Missstände und Versäumnisse der vergangenen Jahre. Am Dienstagabend wurde der Jurist aus Krefeld mit einer Mehrheit von 24:17-Stimmen bei einer Enthaltung nicht mehr für eine zweite Amtszeit wiedergewählt. Die Initiative „Pro Klee“, getragen von einer Vielzahl von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus seinem Dezernat, aber auch unterstützt von Schulleiterinnen, Elternvertretern und Mitgliedern der Flüchtlingsinitiative „Kempen hilft“ sowie den beiden Parteien SPD und Grünen, hatte keinen Erfolg.

Was zeichnet Klee aus?

Bei seinem Amtsantritt vor sieben-
einhalb Jahren galt der Krefelder als Hoffnungsträger. Er hatte sich bei seiner Wahl zum Beigeordneten am 13. Dezember 2011 im Stadtrat gegen zwei Mitbewerber durchgesetzt. Seine Aufgabe sah er als „Gesamtpaket für Jung und Alt“ an, wie er seinerzeit im Interview mit dieser Zeitung sagte. Seine kommunikative Art und sein Führungsstil kamen bei seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sehr gut an. Klee verstand es, zu motivieren. Er lebte einen besonderen Teamgeist, engagierte sich auch in seiner Freizeit für die Weiterentwicklung in seinem Ressort.

Was sind Klees Verdienste?

Er hat mit sehr viel Ruhe schwierige Problemlagen gemanagt. Auch wenn die Stadt Kempen zu Beginn der Flüchtlingswelle, die Deutschland überrollte, weitgehend von großen Problemen verschont blieb, weil der Kreis Viersen die Sporthalle des Berufskollegs zur Notunterkunft für gestrandete Ausländer umfunktionierte und das Land auch die „Via Stenden“ an der Ortsgrenze von St. Hubert zu Kerken zum Flüchtlingsquartier machte, musste das Kempener Jugendamt sich um eine Vielzahl von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen kümmern, die die Bundespolizei an der deutsch-niederländischen Grenze aufgriff. Weil die Bundespolizei ihren Sitz in Kempen hat, wurde das Jugendamt der Stadt zuständig. Es war ein Kraftakt für die Mitarbeiter, der schließlich gelang – solange, bis es eine neue gesetzliche Regelung und damit eine Entlastung gab. Michael Klee hat in dieser schwierigen Phase die Lage sehr gut moderiert, wie er auch versucht hat, für die Flüchtlinge in der Stadt möglichst schnell ein Betreuungssystem aufzubauen. „Kempen hilft“, die Initiative, die bis heute vor allem vom ehrenamtlichen Engagement vieler Bürger lebt, hat Klee auf die Schiene gesetzt. Und dann schien ihm der große Coup gelungen zu sein, als er Landesmittel für ein Integrations- und Begegnungszentrum in der ehemaligen Johannes-Hubertus-Schule an Land zog. Mit einigen Mitarbeitern schrieb er übers Wochenende ein Konzept mit entsprechendem Antrag. In Kempen galt er Klee bei vielen schon als Held.

Woran ist Klee gescheitert?

Der vermeintliche Erfolg in Sachen Begegnungszentrum ist – wie man heute weiß – eng verknüpft mit dem Scheitern Klees. Denn er hatte die Rechnung ohne seinen Beigeordneten-Kollegen Stefan Kahl im Technischen Dezernat gemacht. Der fühlte sich nicht mitgenommen und machte schnell deutlich, dass seine Mitarbeiter in der Bauverwaltung das Projekt mit dem verbundenen Umbau des alten Schulhauses nicht stemmen könnten. Auch beim Ausbau der Betreuungsplätze für Kinder oder bei der Sanierung und Modernisierung der Schulen war Klee auf das Technische Dezernat angewiesen. Die Zusammenarbeit mit Kahl war schwierig, Bürgermeister Volker Rübo nicht in der Lage, die Richtung vorzugeben. Sowohl beim geplanten Begegnungszentrum als auch bei der Schulsanierung schaltete er sich ein, erklärte beides zur Chefsache. Doch der Erfolg blieb aus. Der Misserfolg wird nun vor allem von der CDU Klee angekreidet. Ebenso kritisieren die Christdemokraten Klees Personalpolitik. Seit zwei Jahren leitet er kommissarisch das Jugendamt, weil nach dem Weggang von Heike Badberg keine geeignete Nachfolge geregelt ist. Auch dafür macht die CDU Klee verantwortlich.

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