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Volksbank Kempen-Grefrath: Negativzinsen auch für Privatkunden

Volksbank Kempen-Grefrath : Negativzinsen auch für Privatkunden

Die Volksbank Kempen-Grefrath hat trotz Corona ein erfolgreiches Jahr hinter sich. Die Niedrigzins-Politik zwinge sie aber dazu, Gebühren für hohe kurzfristige Einlagen zu nehmen, sagt der Vorstand.

Die Zeiten für Geldinstitute sind seit Jahren herausfordernd: zunehmende Regulatorik, die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und nun auch noch Corona. Und trotzdem: „Wir hatten ein sehr, sehr gutes Geschäftsjahr 2020“, sagte jetzt Helmut Thönes, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Kempen-Grefrath, in einer virtuellen Bilanz-Pressekonferenz. Die Volksbank Kempen-Grefrath sei so robust, dass sie die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie gut bewältigen könne, die Bilanzsumme liege mit rund 455 Millionen Euro gut zehn Prozent über dem Vorjahreswert.

Besonders auffällig ist der Anstieg des Kreditgeschäftes. Im vergangenen Jahr wuchs das Kreditvolumen für Privat- und Firmenkunden um 7,4 Prozent auf einen neuen Rekordstand von 217 Millionen Euro. Üblicherweise liege der Zuwachs bei 2,5 bis drei Prozent, so Thönes. Dabei sei das Kreditgeschäft aber nicht corona-getrieben. Der Immobilienmarkt boomt in Kempen nach wie vor (bei kontinuierlich steigenden Preisen), und die Nachfrage nach privaten Baufinanzierungen wird laut Thönes aufgrund der niedrigen Zinsen weiterhin hoch bleiben. Einige gewerbliche Kunden hätten trotz Corona nachhaltige und sinnvolle Investitionen getätigt und dafür Kredite aufgenommen, sagte Thönes. „Natürlich beobachten wir die Entwicklung sehr genau, denn niemand kann den Verlauf der Corona-Krise vorhersehen. Im Jahresabschluss haben wir die erforderliche Risikovorsorge abgebildet.“

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Kopfschmerzen bereitet auch der hiesigen Volksbank nach wie vor die Niedrigzinspolitik der EZB, die dazu führt, dass die Banken, die Geld dort kurzfristig anlegen, 0,5 Prozent Negativzinsen bezahlen müssen. Das Problem: Die Volksbank Kempen-Grefrath hat inzwischen 240 Millionen Euro an kurzfristigen Einlagen ihrer Kunden, beispielsweise auf Girokonten. Das ist rund die Hälfte der Bilanzsumme. Insgesamt stieg die Summe des von Kunden eingelegten Geldes im Vergleich zu 2019 um 14 Prozent.

Firmenkunden zahlen daher für kurzfristige Einlagen bereits ein Verwahrentgelt. Spätestens zum 1. Juli komme das auch auf Privatkunden zu, sagt Thönes. Voraussichtlich werde es Kunden treffen, die sechsstellige Beträge kurzfristig angelegt haben. „Der Großteil unserer Kunden wird vom Verwahrentgelt also nicht betroffen sein“, sagt Thönes. Ziel sei es ohnehin, den Kunden einen guten und passenden, langfristigen Anlagemix zu empfehlen. Denn das Verwahrentgelt mache kurzfristige Einlagen unattraktiv. Immobilien und Wertpapiere (das Geschäft legte 2020 um zwölf Prozent zu) könnten Alternativen sein. Nur so sei es möglich, langfristige Spar- und Versorgungsziele zu erreichen und einer privaten Geldentwertung entgegenzusteuern.

Und wie legt die Volksbank selbst ihr Geld an? Einerseits an der Börse, „um Zinsen zu generieren“, so Thönes. Andererseits aber auch in eigenen Immobilien – wie dem Mehrfamilienhaus an der Isaak-Kounen-Straße in Kempen, das kurz vor seiner Fertigstellung steht. Die 20 seniorengerechten Wohnungen unterschiedlicher Größe (im Schnitt 70 Quadratmeter) sind ab dem 1. April vermietet. „Die Nachfrage ist enorm“, sagt Thönes.

Eine Fusion mit einer anderen Volksbank sei derzeit übrigens kein Thema, so Thönes auf Nachfrage: „Wir sind strategisch so aufgestellt, dass wir selbstständig bleiben wollen.“ Gleichwohl gebe es projektbezogene Kooperationen, „um Kostensynergien zu heben, indem man etwas gemeinsam tut.“