Verkehrsverbund Rhein-Ruhr kritisiert Nordwestbahn im Qualitätsbericht

RE 10 : Niersexpress: Kritik vom VRR – Lob von Kunden

Verkehrsverbund hat Ergebnisse einer Kundenbefragung veröffentlicht.

Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) hat kürzlich den Qualitätsbericht für die Strecken in seinem Gebiet vorgelegt. Die Publikation dokumentiert unter anderem die Pünktlichkeit der Linien, den Zustand der Fahrzeuge und zeigt auf, wie Fahrgäste das Angebot einschätzen. Und der VRR spart nicht mit Kritik. „Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Qualität im Jahr 2018 insgesamt merklich verschlechtert“, heißt es. Der VRR habe zahlreiche Gespräche geführt und Maßnahmen gefordert, um die Situation für die Fahrgäste zu verbessern. „Die katastrophalen Zustände auf einigen Linien haben mit dazu geführt, dass wir im Januar zwei Eisenbahnverkehrsunternehmen abgemahnt haben. Das Wichtigste für unsere Kunden ist, dass die Züge zuverlässig fahren. Und dass sie auch die geforderten Kapazitäten und Sitzplätze bieten“, erklärt Roland Lünser, VRR-Vorstandssprecher. „Wenn die Qualität hier nicht stimmt, dann schadet das nicht nur den Eisenbahnverkehrsunternehmen, sondern dem gesamten Nahverkehrssystem.“ Abgemahnt worden war auch die Nordwestbahn.

Kritik, die die Fahrgäste des Niers­express (RE 10), die über ausgefallene Züge und schlechte Informationspolitik stöhnen, nur allzu gut nachvollziehen können. Umso überraschender ist, dass die Kunden selbst der Nordwestbahn ein gutes Zeugnis ausstellen. Bei der Qualität des Zugpersonals (Note 1,58) und dem Sicherheitsempfinden (1,66) bekam das Unternehmen die Bestnoten. Sogar bei der Pünktlichkeit lag die Nordwestbahn noch unter dem Durchschnittswert der Konkurrenz. Es gab die Note 2,55. Der Bewertung liegt das Schulnotensystem zugrunde. Bei der Gesamtzufriedenheit kam die Nordwestbahn auf eine 2,17 und erreichte damit exakt den Wert von 2017. Sie lag damit im VRR-Gebiet auf Platz vier. Einsamer Spitzenreiter war Abellio Rail, die einen Gesamtwert von 1,91 hatte. Dass Kunden die Züge recht gut bewerten, ist für den VRR keine Überraschung. „Die Kunden werden zu vielen Bereichen befragt, nicht nur zur Pünktlichkeit. Und dann ist es nicht verwunderlich, dass am Ende die Noten besser sind, als wenn man nur die Zuverlässigkeit bewertet hätte“, sagt VRR-Sprecherin Sabine Tkatzik.

Gestiegen ist beim Niersexpress die Zahl der unvorhergesehenen Zugausfälle. Die lag 2017 bei etwa 0,7 Prozent, im Jahr 2018 kam es zu 1,7 Prozent Ausfällen. Im Vergleich liegt der Niersexpress damit noch klar unter dem Durchschnitt von 2,7 Prozent. Düster sieht es beim Niers­express dagegen bei der Pünktlichkeit aus. Fast drei Minuten kam jeder Zug im vergangenen Jahr zu spät, im Jahr zuvor hatte die Quote noch knapp über zwei Minuten gelegen.

Mit den drei Minuten gehört der Niersexpress zu den Zügen mit der größten Verspätung. Der Durchschnitt liegt bei etwa zwei Minuten. Auch im Vergleich mit den anderen Zügen der Nordwestbahn schneidet der Niersexpress bei der Pünktlichkeit am schlechtesten ab.

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