Turmwindmühle am Kempener Altstadtring erhält neue Flügelkonstruktion

Kempen : Hessenmühle bekommt ihre Flügel wieder

Die denkmalgeschützte Turmwindmühle am Kempener Altstadtring erhält eine neue Flügelkonstruktion. Sie ist aus Stahl und Holz.

Seit Dienstag sind die Spezialisten nun am Werk. Mitarbeiter der niederländischen Mühlenbaufirma Beijk aus Afferden an der deutsch-niederländischen Grenze bei Weeze haben am Morgen mit Hilfe eines Autokrans die beiden Ausleger an der Kappe des oberen Turms der so genannten Hessenmühle montiert. Nun werden die vorgefertigten Holzteile für die vier Ruten Stück für Stück in die Stahlkonstruktion geschoben und dort befestigt. Das Wetter spielt gottlob mit, so dass die Arbeiten zügig vorangehen. Schon am Nachmittag waren die ersten Holzlatten montiert. Sie sind aus sibirischer Lärche gefertigt. Diese Holzsorte ist nach Angaben von Architektin Gudrun Holzmann vom Kempener Hochbauamt besonders wetterfest.

Bürgermeister Volker Rübo schaute sich an der Mühle den Fortgang der Arbeiten an. Die Kempener Turmwindmühle am Hessenwall gilt als eines der Wahrzeichen der Altstadt. Der untere Wehrturm wurde bereits 1372 gebaut, der obere Teil 1481 darauf errichtet. Im Mittelalter diente der Turm der Sicherheit der in der Stadt Kempen lebenden Bürger. Im Laufe der Jahrhunderte zerfiel das Bauwerk. Es wurde durch einen Brand im Jahre 1911 und ein Erdbeben 1926 schwer beschädigt. Eine historische Aufnahme, die sich im Kreisarchiv befindet, zeigt die Beschädigung des Oberturms deutlich.

Damals wurde überlegt, das Bauwerk abzureißen. Das stellte sich aber als nicht ganz einfach dar. Immerhin ist der dreigeschossige Unterbau als Wehrturm ausgebildet, hat einen Durchmesser von 15,50 Meter und ein Mauerwerk von bis zu 4,80 Meter. Der Abriss war den Verantwortlichen seinerzeit zu umständlich, so blieb die Mühle erhalten. Sie wurde restauriert. Im Zuge der Altstadtsanierung wurden 1966 die fehlenden Flügel neu montiert.

Die Konstruktion wurde seinerzeit komplett aus Holz ausgeführt. Allerdings wurde da nicht berücksichtigt, dass das Holz gegen Wettereinflüsse hätte besonders geschützt werden müssen. Schon 2007 riss Sturm „Kyrill“ einen Flügel ab. Er wurde erneuert. Am Altweibertag 2017 sorgte Sturmtief „Thomas“ dafür, dass erneut ein Flügel abbrach, das Holz war morsch.

Experten stellten da schnell fest, dass das gesamte Flügelwerk durch Wettereinflüsse stark geschädigt und nicht mehr sicher war. Es dauerte seine Zeit, bis das Kempener Hochbauamt eine dauerhafte Lösung gefunden hatte. Die niederländische Mühlenbaufirma von Max Beijk gilt in Fachkreisen als sehr erfahren, hat bereits Preise für ihre Arbeiten gewonnen. Sie wurde nach der Ausschreibung mit der neuen Konstruktion beauftragt. Die Ruten sind aus Stahl, die Flügellatten aus Holz. 30.000 Euro hat die Stadt für die neuen Ausleger kalkuliert.

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