Treckertreff im Niederrheinischen Freilichtmuseum in Grefrath

Grefrath : Alte Schätzchen liebevoll restauriert

Knatternde Motorengeräusche, Qualmwolken und jede Menge Hingucker machen den beliebten Treckertreff im Freilichtmuseum aus. Rund 300 alte Schätzchen zogen am Sonntag durch Grefrath, bevor es ins Museum ging.

Der Parkplatz vor dem Grefrather Eisstadion hat sich in eine große Traktormeile verwandelt. Ein historisches Schätzchen steht neben dem anderem. „Es sind rund 300 Traktoren vor Ort“, sagt Kevin Gröwig. Dem stellvertretenden Leiter des Niederrheinischen Freilichtmuseums ist die Freude über die große Teilnehmerzahl beim traditionellen Traktoren-Treff anzusehen. Besucher säumen den Straßenrand und warten auf den Startschuss für den Korso, mit dem die Herbstveranstaltung ihren Lauf nimmt.

Lange muss am Sonntag nicht gewartet werden. Pünktlich um 11 Uhr geht es los. Mit lautem Knattern werden die Motoren angelassen. Begleitet von kleinen Qualmwolken rumpelt ein Traktor nach dem anderen auf die Straße. Teilweise sind sogar Planwagen und andere Anhänger angekoppelt. „Ein fantastischer Anblick. Ich komme schon seit Jahren zu dieser Veranstaltung und freue mich immer wieder aufs Neue darauf“, sagt ein älterer Herr, der am Straßenrand steht. Es herrscht eine großartige Stimmung auch bei der Fahrt durch den Grefrather Ortskern. Durch den Hintereingang geht es kurze Zeit später auf das Museumsgelände, wo die Schätzchen eingeparkt werden.

Herzliche Lacher beim Anblick vom Lanz Alldog, Baujahr 1958. Willi Dreßen hat nämlich den Original-Geräteträger mit der Personentransportpritsche vorne aufgesetzt und seine Familie hinein gepackt. Auf den beiden Holzbänken haben es sich seine Frau, die Töchter und die Enkel auf dicken Gartenkissen bequem gemacht. „Mit der Pritsche wurden einst die Erntehelfer aufs Feld gefahren“, erzählt Dreßen, der seit zehn Jahren der stolze Besitzer des Traktors ist, der seinerzeit als letzter vom Band lief. „Ich habe als Sechsjähriger auf einem solchen Traktor das Fahren gelernt. In fünfeinhalb Jahren ist Enkel Ben soweit und in viereinhalb Jahren kann Leonie schon Traktor fahren lernen“, erzählt der Schwalmtaler voller Begeisterung. Wobei der Nachwuchs derzeit noch, gehalten von den jeweiligen Müttern, im Pritschenaufsatz sitzt.

Willi Dostert aus Willich kam mit seinem Deutz, hinter dem auf einem Anhänger das Modell des Originalfahrzeugs zu sehen war. Foto: Norbert Prümen

Besucher schauen sich die Fahrzeuge an. Erinnerungen werden wach, es wird erzählt und man tauscht sich fachlich aus. Bei Ben und Roland Hanke ziehen insbesondere die Hinterreifen ihres Deutz F1 M 414, Baujahr 1939, die Blicke der Besucher auf sich. „Das sind Klappgreifer, die hat hier kein anderer Traktor“, erklärt Roland Hanke, während sein Enkel die Funktionsweise demonstriert. Er packt eine der acht Schaufeln, die an jedem Rad befestigt sind, und klappt sie um. Sie legt sich um den Reifen. „Der Traktor hat meinen Vater gehört. Es war einst der erste Traktor im Kreis Hohenelbe im Sudetenland. Mein Vater musste über steile Waldwege in die Felder hoch. Die Klappgreifer konnten auf dem Weg dorthin ausgeklappt werden und sorgten für mehr Gripp“, erklärt der Senior, der 1997 den elf PS starken Traktor mittels Lkw aus der ehemaligen Heimat nach Kempen geholt hat und das im Tausch gegen einen kleinen funktionstüchtigen Traktor. Das alte Familienerbstück selbst war allerdings nicht mehr einsatzbereit. Zwei Jahre dauerte die Restaurierung, dann lief der Oldtimer wieder.

Ebenfalls zwei Jahre werkelte Hans Faßbender zusammen mit einem Freund an seinem Lanz Bulldog aus dem Jahr 1941. „Der Traktor war ein Hochzeitsgeschenk von Freunden. Allerdings gab es ihn in Einzelteilen“, erzählt der Neersener. Die 55 PS haben dabei eine besondere Aufgabe. Sie ziehen einen historischen Holzwagen, denn das Ehepaar durch Zufall in einem Obstbongert entdeckte. „Mein Mann hat ihn innerhalb eines Jahres restauriert. Seitdem sind wir oft mit Traktor und Wagen unterwegs“, sagt Monika Faßbender, die Besuchern auch einen Blick ins Innere mit den alten Holzschnitzereien und dem Original-Holzfußboden gewährt.

Eigens aus Kevelaer ist Andreas Drude mit seinem Lanz Bulldog D 1616 angereist. „Ich bin das erste Mal hier und begeistert. Die Atmosphäre ist einmalig. Eine tolle Veranstaltung“, meint er.

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