Stadt Kempen: Tour de France-Stimmung an der Burg

Stadt Kempen : Tour de France-Stimmung an der Burg

Das traditionelle Radrennen des Radsportclub Kempen ging in die 56. Auflage. Das schnellste Straßenrennen Deutschlands führte bei den regennassen Straßen auch zu einigen Stürzen und Verletzungen.

Ein bisschen Tour de France-Atmosphäre war es schon, die man gestern am Burgring erlebte. Man sah Baskenmützen, hörte am Rande französische Chansons oder kostete Chardonnay-Sekt von den Anbaugebieten an der Loire. Das war den insgesamt 470 Rennfahrern, ob klein oder groß, erst einmal egal. Sie wollten bei der 56. Neuauflage des Radsportklassikers "Rund um die Burg" vor allem gut abschneiden.

Die Bedingungen waren nicht gerade optimal. Der Regen hatte anfangs und zwischendurch den 2,1 Kilometer langen Rundkurs nass und rutschig gemacht. So kam es in der berüchtigten Burg-Kurve zu einigen Stürzen und Verletzten. Einige Male musste der Krankenwagen raus. Die Witterung sorgte auch dafür, dass das Rekordergebnis von über 500 Rennsportlern vor zwei Jahren gestern nicht wieder erreicht werden konnte.

Viel Applaus gab es auch für die vielen kleinen Radfahrer, die sich wie die Profis auf den Kurs rund um die Burg wagten. Foto: Hüskes, Achim (achu)

Dennoch gab auch der große Helferstab, darunter neben dem RSC unter anderem die beiden Kempener Vereine Thomasstadt und die Turnerschaft sowie "Staubwolke" Fischeln, eine gute Figur ab. Allen voran die 44-jährige Anne Claaßen, die seit Jahren aus der ersten Reihe das Spektakel koordiniert und sich selbst für kurze Zeit das schwarz-orangene Trikotkleid überzog. An ihrer Seite, als sie am gestrigen Renntag beim Hobbyrennen für kurze Zeit mitfuhr und so das Ganze symbolisch eröffnete, ein Herr im seltsamen Gewand: Heinz Börsch, Präsident des KKV, nahm auf dem Kindersitz vorne seinen zweijährigen Sohn Richard mit und hatte sich das Clownskostüm und die Narrenkappe übergezogen. Börsch machte mit einem kleinen Schild an seinem Rad auf die 100-Jahr-Feierlichkeiten seines Karnevalsvereins am 8. November im Kolpinghaus aufmerksam.

Während für die Profis mit diesem Rennen die Saison zu Ende ging, war es für die Kleinsten vielleicht der Anfang zu einer Karriere im Rennsattel. "Eigentlich spiele ich ja lieber Fußball, ich versuche es mal", sagte im Sattel seines blauen Flitzers der sechsjährige Mika. Er fuhr beim Kinderrennen eine Runde. Viel Beifall bekam dabei auch Leonie (5), die etwas später als Mika über die Ziellinie fuhr. Natürlich waren die Älteren schneller. So gewannen zwei Klassenkameraden (Klasse 4c, Grundschule Wiesenstraße) den Sprint der Neunjährigen: Lukas Chyla setzte sich knapp vor Jan Keens durch. Der Vater von Lukas, Rafael Chyla, der in Kempen das Fitnesstudio "Emstetico" betreibt, war beim Burgrennen 1994 in der Elite-Klasse auf den dritten Platz gekommen. Sein jüngerer Sohn Vincent fuhr zum dritten Mal mit; der Kommentar des Vaters: "Vincent hat etwas mehr Biss, Lukas fährt noch schneller." Über den Sieg in seiner Altersklasse freute sich der Kempener Moritz Markstein, der vor Pia Wichmann (Rumeln) über die Ziellinie fuhr.

Einiges los war an Start und Ziel. Eine gute Premiere hatte dort Sprecher Boris Fastring (37), der früher selbst ein erfolgreicher Rennfahrer war. In zwei Bussen, einer war von der RP, saßen die Zeitnehmer oder als Gäste Kommunalpolitiker, Banker oder mit Armin Horst der Vorsitzende des Kempener Werberinges. Unter anderem gaben Bäckereien, Cafés und Weinhäuser Gebäck, spezielle Kempener Pralinen oder Traubensäfte aus. Zur Unterhaltung spielten die "Falschspieler" auf Flügelhorn, Saxophon und Posaune. Musiker der Kempener-Big Band und des Orchesters St. Marien, Fred Wicht, Udo Rautzenberg und Ex-Prinz Peter Croonenbroeck, hatten sich nur für den gestrigen Tag den irreführenden Namen ausgedacht.

Als eines der letzten Rennen gingen über 50 Hobbyfahrer an den Start. Darunter war eine große Vertretung des Kempener "Rennstalles" Ciclisti. Mittendrin und in guter Form präsentierte sich dabei Peter "Larry" Wolters, Elferrats-Präsident der Kolpingfamilie. Auf ein Neues in 2015, dann zum 57. Mal.

(wsc)