Tornado wütet im Kreis Viersen - schwere Schäden

Kreis Viersen: Tornado wütet im Kreis Viersen

In Teilen Nettetals, Schwalmtals und Viersens richtete das Unwetter gestern schwere Schäden an. Die Feuerwehr war mehrere Stunden lang im Einsatz

Ein Tornado hat gestern Abend zwischen 17.50 und 18 Uhr im westlichen Teil des Kreises Viersen erhebliche Schäden angerichtet. Zwei Menschen wurden verletzt. Ein 23-jähriger Mann, der im Happelter bei Nettetal-Schaag aus seinem Wagen gestiegen war, wurde durch herabstürzende Äste schwer verletzt und ins Krankenhaus gebracht. Eine weitere Person kam nach Polizeiangaben mit leichten Verletzungen davon. In Nettetal wurde ein Feuerwehrmann durch einen Stromschlag leicht verletzt.

Im Happelter wurde ein 23-Jähriger schwer
Im Happelter wurde ein 23-Jähriger schwer verletzt, als ein Baum auf sein Auto stürzte. Foto: Jungmann

Zahlreiche Bäume kippten um, die teils Autos unter sich begruben. Allein auf der L3 zwischen Schwalmtal-Heidend und Viersen-Boisheim wurden sieben Autofahrer von umstürzenden Bäumen überrascht, sie konnten selbst aus den Fahrzeugen klettern und wurden nicht verletzt, berichtete Schwalmtals Feuerwehrchef Dirk Neikes. Der Sturm deckte Dächer ab und riss Gartenlauben und Wohnwagen mit sich. Wegen umgefallener Bäume wurden die A61, Land- und Kreisstraßen gesperrt, ebenso die Bahnstrecke zwischen Venlo und Mönchengladbach.

Auch der Bonesender Weg in Boisheim
Auch der Bonesender Weg in Boisheim glich einem Schlachtfeld. Foto: Marc Schütz

Große Schäden gab es im Viersener Ortsteil Boisheim, in den Schwalmtaler Ortsteilen Dilkrath und Heidend, im Bereich Happelter und Schaag in Nettetal. In Oberkrüchten wurde eine Straße überflutet, teils standen Keller unter Wasser. In Dilkrath sei die Kirchturmuhr um 18 Uhr stehengeblieben, berichtete ein Anwohner. In den betroffenen Ortschaften sah es wüst aus. "Das gleicht einem Katastrophenszenario", sagte Viersens Bürgermeisterin Sabine Annemüller (SPD), die Boisheim am Abend besuchte. Umgestürzte Bäume versperrten die Straßen, herabgefallene Dachziegel lagen in Boisheim und andernorts auf Fahrbahnen und Gehwegen, in Vorgärten und Zufahrten. Überall waren Anwohner mit Besen im Einsatz, um die gröbsten Schäden wegzuräumen, auf vielen Häusern im Bereich der von dem Tornado geschlagenen Schneise waren schon kurz nach dem Sturm Dachdecker im Einsatz, um die größten Schäden zu beheben. An vielen Häusern und Höfen halfen sich die Nachbarn selbst. Vera Peters vom alten Giesenhof aus Heidend etwa erhielt rasch Hilfe von zehn Freunden, Nachbarn und Familienmitgliedern, die zum Teil aus Nachbarorten herbeieilten, um auf dem Hof beim Aufräumen zu helfen. "Der ganze Ort ist für uns da", sagte Ines Eulenpesch, die ebenfalls in Heidend wohnt. "Die Leute haben sogar Arbeitsmaterial von zu Hause mitgebracht."

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Auch in Boisheim halfen die Nachbarn einander - sogar über Nacht: Wie Stadtsprecher Frank Schliffke am Abend berichten konnte, musste die Stadt keine Notunterkünfte bereitstellen. Obwohl in Boisheim entlang der Bahnlinie rund 50 Häuser abgedeckt wurden, fanden alle Betroffenen eine Unterkunft. Die Häuser sind vorübergehend unbewohnbar, nach Auskunft eines Statikers des Technischen Hilfswerks ist in Boisheim aber kein Haus einsturzgefährdet. "Die Boisheimer sind einfach großartig, sie packen mit an und helfen einander", sagte Sabine Annemüller. Auf dem Friedhof in Boisheim wurden Baumspitzen abgeknickt. Auch das alte Pfarrhaus ist beschädigt. "Wir haben geschrien wie von Sinnen, weil wir solche Angst hatten", berichteten Silke und Anna-Lena Günther aus Boisheim. Im Garten der Familie stehen nur noch zwei der zehn schönen alten Bäume. "Fast wäre ich von einem Dachziegel, der durchs Fenster flog, getroffen worden, als ich im Bad war", so Silke Günther.

Tornado zieht über Schwalmtal

Die Feuerwehren waren mit allen Kräften im Einsatz. Während der Löschzug Viersen die Grundsicherung in Viersen hielt, rückten rund 120 Kräfte der Hauptwache und der Löschzüge der Freiwilligen Feuerwehr aus Boisheim, Dülken und Süchteln aus. Die Feuerwehr Schwalmtal, die mit 50 Kräften im Einsatz war, erhielt Unterstützung aus Brüggen und Niederkrüchten. Die Bereitschaft in Schwalmtal wurde durch die Wehren aus Brüggen und Willich sichergestellt.

Zur Höhe des Sachschadens konnten die Einsatzkräfte gestern noch keine Angaben machen. Die Aufräumarbeiten werden heute andauern. Rund um Boisheim sind die Straßen gesperrt, auch an der L3 zwischen Dilkrath und Boisheim und die Straße Happelter zwischen Boisheim und Brüggen müssen erst Bäume weggeräumt werden.

(RP)